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Locke.
richtig gebrauchen (§ 103 — 107). Auch davor hütet sich ein weiser Erzieher,daß er nicht durch Ueberhäufung mit Spielzeug eine müßige und bald durch nichtsmehr zu befriedigende Habgier des Kindes Weckt, sondern er leitet dieses an, das wenige,was er ihm gicbt, richtig zu gebrauchen, Wo möglich selbst es sich zu bereiten (H 130).Die dem natürlichen Eigenwillen verbundene Rücksichtslosigkeit, ja Grausamkeit gegenandere, weicht der Billigkeit, dem gerne von dem Seinigen mittheilenden Mitgefühl110. 116. 117). Die den meisten Kindern natürliche Neugierde wird in wirk-liche Wißbegier de verwandelt, die Stumpfheit anderer zu lebendigem Interesse er-weckt 108. 109. 118—129). Der Lüge wird durch zntraucnsvolle Behandlungvorgebeugt, und durch ernste Ahndung dennoch vorkommender Unwahrheiten die Auf-richtigkeit und Wahrhaftigkeit befördert (H 131 und 132). Der natürliche Thätig-keitstrieb des Kindes wird durch nützliche Beschäftigung richtig geleitet, durch gehö-rige Abwechslung in den Beschäftigungen, die zugleich die beste Erholung ist, wach er-halten, und auf das Bewußtsein, daß man das Rechte will, der wahre Muth ge-gründet, der eben so weit entfernt ist von Tollkühnheit, als von feigem Nachlassenvon einer pflichtmäßigen Thätigkeit um der sich entgegeustellenden Hindernisse willen(H 109. 115). Und bei alle diesem ist die Individualität des Kindes zu berück-sichtigen. „Vermöge der angezeigten Methode (die sich nämlich nicht mit Ertheilungvon Vorschriften begnügt, sondern das Kind durch Ueberwachung, Unterstützung undUebung zu pflichtmäßigem Handeln anleitet), werden wir auch sehen, ob das, was manvon dem Kinde verlangt, in der Sphäre seiner Kräfte liegt und seinem eigcnthümlichenGenius und der Sphäre seiner Kräfte angemessen ist: denn auch darauf muß man inder guten Erziehung Rücksicht nehmen. Wir müssen nicht hoffen, die besonderen Eigen-schaften eines Kindes ganz und gar umzuschaffen, weder aus dem muntern und lebhaf-ten ein ernstes und nachdenkendes, noch ans dem ernsthafteren ein lustiges machen zukönnen, ohne sie zu verderben. Gott hat jeder Menschensecle ein eigenthüm-liches Gepräge eingedrückt; es kann daran, sowie an der Figur des Körpers,hie und da etwas anders gemodelt werden, aber schwerlich wird der Stempel selbstgetilgt und ein anderer an dessen Stelle gesetzt werden können." Vernachlässigt dieErziehung diese individuelle Eigentümlichkeit, so bringt sie statt wirklicher Bildung undnatürlicher Liebenswürdigkeit widerliche Affectation hervor (H 66).
Die Forderung an den Erzieher, daß er überall an die natürliche Anlage desZöglings anknüpfe und dessen Individualität entwickle, legte cs Locken nahe, das Ver-hältnis als das wünschenswerteste und eigentlich normale zu betrachten, in welchemder Erzieher dem einzelnen Zögling vollständig sich widmet, derHofmeistererziehungvor der Schulerziehung entschieden den Vorzug zu geben, umsomehr da seine persön-lichen Erfahrungen ihn den öffentlichen Schulen abgeneigt gemacht hatten und seineeigene pädagogische Thätigkeit ans einzelne Sprößlingc vornehmer Familien sich bezog.Den naheliegenden Einwand, daß für das praktische Leben, auf welches ja sein letztesAbsehen beständig gerichtet war, die öffentliche Schule doch eine bessere Vorbereitungbieten müsse, als die Beschränkung im elterlichen Hause, übersah er nicht. „Wenn siein gänzlicher Unkenntnis dessen, Was die Welt eigentlich ist, auferzogen werden undnun bei ihrem eigenen Eintritt in dieselbe finden, daß sie ganz etwas anders sei, alswofür sie dem empfangnen Unterrichte zufolge sie halten mußten; so lassen sie sichleicht durch Erzieher von einer andern Art, dergleichen ihnen sicher nicht entstehenwerden, bereden, daß die Zucht, unter welcher man sie gehalten, und die Predigten,welche sie aushalten müssen, nichts weiter gewesen, als der Schlendrian der Erziehungund die Fesseln der Kindheit, und daß die einem Erwachsenen zuständige Freiheit darinbestehe, daß er sich den vollen Genuß alles dessen erlaube, was ihm bis dahin verbotengewesen. Solche Leute zeigen dem jungen Neuling, wie die Welt von angesehenenglänzenden Beispielen der Art voll ist, und sogleich sind seine Augen geblendet. Derjunge Herr ist bereit zu zeigen, daß er ein Mann sei, so gut als andere Helden seines