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Locke.
Fallen die körperliche Züchtigung doch für zulässig hielt (8 83); so hat dagegen dasMittel, welches er in der Regel an deren Stelle gesetzt wissen wollte, in hohem GradeBedenken erregt. Als solches hat L. die richtige Benutzung der natürlichenEmpfänglichkeit des Kindes für Ehre und Schande, Lob und Tadel be-zeichnet, und bekanntlich hat namentlich K. v. Raumer (Geschichte der PädagogikII, 117 f.) dieses Motiv als das unkindlichste und unchristlichste bezeichnet und L.8Ansicht mit der jesuitischen Lehre zusammengestellt: „Wer die Aemulation geschickt zureizen weiß, der hat durch sie das bewährteste Hülfsmittcl im Lehramte." Mag nunaber auch L. durch den Rath, körperliche Züchtigungen lieber durch Bediente ertheilenzu lassen (8 83), an die eben so kluge als herzlose Vorsicht der Gesellschaft Jesu er-innern: die Art, wie er die Benutzung der natürlichen Ehrliebe empfiehlt, erscheint beinäherer Betrachtung von der misbräuchlichen Reizung deS Ehrgeizes, worin die Jesuitendas eigentliche Geheimnis der Erziehungskuust erkannten, vollkommen verschieden. Aller-dings sagt L. (8 56): „Könnt ihr die Kinder dahin bringen, daß sie bei euch in An-sehen (orsäit) stehen wollen und daß sie eure Misbilligung und euren Unwillen (slmmsnncl clisAraos) fürchten, so habt ihr eine echte Triebfeder in ihre Seele gelegt, welchebeständig wirksam sein und sie aus den rechten Weg leiten wird," und seiner Meinungnach besteht darin das große Geheimnis der Erziehungskunst. Aber er redet nicht vonlob- und lohnsüchtiger Ambition und noch weniger von eifersüchtiger und neidischerAemulation, sondern nur von dem Trachten nach Reputation redet er (8 58. 61). Ermacht darauf aufmerksam, daß es Kindern Freude macht, sich von andern geachtet undgeschätzt zu wissen, zumal von ihren Eltern und überhaupt solchen, von welchen sie ab-hängen (8 57). Er hebt ausdrücklich hervor, daß die natürliche Ehrliebe der Kinder,nicht ohne Rücksicht auf die intellectuelle und moralische Beschaffenheit desjenigen ans-zubilden sei, von welchem die Ehrerwcisung ansgeht, und daß ;. B. durch Liebkosungenund Schmeicheleien thörichter und schlechter Dienstboten der heilsame Eindruck des züch-tigenden elterlichen Ernstes leicht wieder vernichtet werde. Er gesteht zu, daß das Be-stimmtwerden des Kindes durch Beifall und Misfallen seiner Erzieher noch nicht dievollkommenste Triebfeder und den vollkommen richtigen Maßstab seines Handelns ab-gebe, denn dieser bestehe vielmehr in der Uebereinstimmung mit dem Willen Gottesund mit dem Lichte, welches dieser uns in die Seele gegeben. Wohl aber behaupteter, daß diesem Zeugnisse des eigenen Bewußtseins, das „Zeugnis, welches die Vernunftanderer Menschen von dem Werth und Verdienst einer Handlung ablegt," nahe komme,und daher sei es „so lang ein schicklicher Führer und eine Aufmunterung für Kinder,bis diese reif genug sind, für sich selbst zu urtheilen und Recht und Unrecht zu unter-scheiden" (8 61). Und alle diese Grundsätze dürften doch wohl vollkommen unbedenk-lich sein, mag auch L. in ihrer Anwendung im einzelnen manchmal zu viel künsteln.Wenn es in der Natur der Sache liegt, daß die Eltern dem Kinde eine Auctorität sind,daß es von den Eltern das höhere Gesetz, wonach es sich zu richten hat, empfängt, jadaß es in den Eltern und Erziehern die nächsten Repräsentanten dieses Gesetzes erblickt,so kann ihm der Beifall derselben unmöglich gleichgültig sein, denn er giebt seinem nochunreifen und unselbständigen eigenen Urtheil die Garantie, daß es seiner Aufgabe nähergekommen ist. Und eben darum ist die Einwirkung des Beifalls oder Misfallens derErzieher, recht verstanden, gerade ein durchaus kindliches Motiv, und unchristlich ist csauch nicht, denn aus dem Gebote: „Du sollst Vater und Mutter ehren" folgt noth-wendig, daß dem Kind eine Bestätigung seiner Uebereinstimmung mit dem Sinn undWillen der ehrwürdigen Eltern und Erzieher von dem höchsten Werthe sein muß. (L.handelt von Belohnungen und Strafen zuerst 8 43—63 und kommt dann 8 ^2—88nochmals darauf zurück.)
Ein wirklich pädagogischer Einfluß aber ist von einer jeden Bestrafung oder Be-lohnung nur dann zu erwarten, wenn vor allem das richtige innere Verhältnis zwischenErzieher und Zögling hergestellt ist. Darum beginnt L. seine Rathschläge in Bezug