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der Rheinländer dem Engländer zu gntc halten können. L.s Dringen ans möglichsteEinfachheit im Essen nnd Trinken und namentlich darauf, daß in der Zwischenzeit zwi-schen den täglichen drei Hauptmahlzeiten den Kindern nur Brod gegeben werde, ver-dient alle Anerkennung, wie diese seine Warnung vor zu weichen nnd warmen Bettenglücklicherweise auch in Deutschland mehr nnd mehr gefunden hat. In seiner Verwer-fung zu warmer und enger Kleidung hat L. auch bereits den fruchtlosen Kampf gegendie Schnürbrüste eröffnet. Ausführlicher aber, als dieses alles, bespricht er den un-schätzbaren Werth eines regelmäßigen Stuhlganges 23—28), welchen er durch kon-
sequente Nebung und eine Art von Stnhlgynmastik auch der widerstrebenden Naturglaubt abgewinnen zu können, und die Summe seiner diätetischen Vorschriften zieht erschließlich selbst in folgenden „wenigen nnd leickt zu beobachtenden Regeln": „FreieLuft, Leib esübung nnd Sch laf im geh örigen Maße. Einfache Diät, keinenWein oder andere starke Getränke, und wenig oder gar keine Arzei-neien. Nicht zu warme und zu enge Kleider; vornehmlich Kopf undFüße kalt gehalten nnd die Füße fleißig zu kaltem Wasser gewöhnt undder Nässe ausgesetzt." Wenn L.s Gesnndheitsregeln hin und wieder an die pe-dantische Gesundheitspflege des Staatshämorrhoidarius oder vielmehr des alten Jung-gesellen erinnern, als welcher er ja gestorben ist, so ist er doch zugleich Engländer genug,um neben der Erhaltung der Gesundheit auch der Nebung der Kraft und Gewandtheit desLeibes die gebührende Werthschätzung zu Theil werden zu lassen: der schon in diesemersten Abschnitte vorkommenden Empfehlung des Schwimmens 8), fügt der zweiteund dritte die des Tanzens, jedoch nur als eines Mittels zur Beförderung der Ge-wandtheit und des äußeren Anstandes (H 67 und 196), die des Reitens (H 198) unddes Fechtens 199) Lei.
Bei weitem der wichtigste istder zweite Abschnitt. Wie dieser für die Zeitgenossendes Verfassers am meisten neues enthielt, so enthält er trotz des sichtenden nnd klären-den Einflusses der Zeit, auch für nnS noch viel Leherzigenswerthcs und manches, wastrotz der fortgeschrittenen pädagogischen Erkenntnis noch nicht genug beherzigt ist. Seineeigentliche Absicht ist gegen die „gewöhnliche sehr kurze nnd bequeme Züch-tigungsmethode" gerichtet, welche, um den Willen des Zöglings demdes Erziehers zu unterwerfen, kein anderes Mittel kennt, als dieRuthe, „das unschicklichste was gebraucht werden kann" 7). Daßnun L. statt dessen keineswegs räth, dem natürlichen Gelüsten des Kindes zu schmeicheln,beweist sein diesen Abschnitt begründender Satz 33): „Die Stärke des Körpers be-steht hauptsächlich darin, daß er fähig ist, Beschwerden zu ertragen; ebenso die Stärkeder Seele. Und das große Principinm und die Grundlage aller Tugend und allesVerdienstes besteht in dem Vermögen, sich selbst seine Wünsche zu versagen, seinen Nei-gungen entgegen zu handeln und bloß dem zu folgen, was die Vernunft als das Besteerkennt, wenn auch die Begierde sich anderswohin neigt." Von der von Natur voll-kommen guten Kindcrsecle in Ronsseauschem Sinne weiß L. nichts, ist sich vielmehr be-wußt, daß von der mit jenem Satze geforderten Gemüthsverfassung „die sich selbst über-lassene Natur nichts weiß" 45). Nur dagegen erklärt er sich, daß zur Unterord-nung des natürlichen Eigenwillens des Kindes unter das höhere Gesetz äußerliche Züch-tigung das geeignete Mittel sei, und zwar nicht bloß weil dadurch den Kindern diePflicht, zu deren Erfüllung sie angetrieben werden sollen, vielmehr verleidet, die Frischeihres Strcbens ertödtet nnd ein feiger und sklavischer Sinn in ihnen erzeugt wird,sondern mit einer Tiefe der Auffassung, in welcher L. erst an Schleiermacher einenNachfolger gefunden hat, weist er nach, daß durch die körperliche Züchtigung nicht dieVernunft oder die Uebereinstimmung des Gewissens mit dem Willen Gottes, sonderngerade die sinnliche Lust oder Unlust, welche dem höheren Gesetze unterworfen werdensoll, zum Motiv der Handlung gemacht werde 48). Wenn man nun mit diesenAnsichten sich gerne einverstanden erklären konnte, um so mehr, da L. in besonderen