Locke.
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Helm 1H- erlebte, unter allen diesen Stürmen in männlicher Besonnenheit immer sichselbst gleich, der Umgang mit den Großen machte ihn Weder eitel, noch servil — erwußte der reichbegüterten Aristokratie die Anerkennung seiner geistigen Güter als eben-bürtiger abzudringen — und andererseits erbitterten ihn auch die Verfolgungen nicht, welcheer zu erdulden hatte: unablässig war sein Streben darauf gerichtet, seine Kräfte zumBesten seines Vaterlandes und der Menschheit zu verwenden. Während Rousseau inseinem Oontraot sexual und blwilo der politischen und pädagogischen Revolution ihrenCodex geschrieben hat , ohne jedoch in dem Lande, für welches er zunächst schrieb, inbeiden Beziehungen stets wiedcrkehrende Rückfälle ans der Willkür der Freiheit in dieWillkür der Herrschaft verhindern zn können, zeigt sich L. überall als der Mann derbesonnen und ohne Lärm, aber sicherer ihrem Ziele entgegengehenden Reform. Obgleicher gegenüber dem MiSbrauch, welchen man mit der Lehre von den angeborenen Ideenzu Gunsten einer das Reich der Natur und des Geistes willkürlich construircndenSpeculation getrieben hatte, an seinen großen Landsmann Baco sich anschließend, aufinductivem Wege von den in der Seele thatsächlich liegenden einzelnen Erfahrungenausgieng, obgleich er also Empiriker und Sensualist war, so war er doch kein Mate-rialist, sondern hielt mit anerkennenswerthcr Jnconseguenz an der Selbständigkeitdes Geistes und an dessen Verbindung mit dem Uebersinnlichen als an Thatsachcndes Bewußtseins fest*); obgleich sein Gegensatz gegen einen die lebendige Kraft derReligion verhüllenden nnd hemmenden theologischen Dogmatismus ihn in eine rationa-lisirende Vernnnstreligion zu weit hincintrieb, so bewahrte er doch nicht allein stets einelebendige Religiosität, sondern er wurde auch gegen Ende seines Lebens in den Tiefendes positiven Christenthums mehr und mehr wieder heimisch; und obgleich er gegen dieAnmaßungen eines selbstsüchtigen Absolutismus die Rechte dcS Volkes mit eben so vielStandhaftigkeit als Klarheit vertrat, so fanden doch auch die berechtigten Ansprüche derKrone an ihm einen energischen und überzeugungsvollen Vertheidiger. Dabei blieb er,von jeder eiteln Rechthaberei frei, der Berichtigung seiner Ansichten stets zugänglich:literarischer Ruhm war nicht die Palme, wonach er rang, und seine sämmtlichen Schrif-ten sind recht eigentlich Gclegenheitsschriften, durch besondere Anlässe, welche sein Stre-ben sich nützlich zu machen anregten, hervorgernfen und großenteils der Öffentlichkeitnur auf dringendes Bitten seiner Freunde übergeben.
Dies gilt ganz besonders von seinen „ 801 ns tllonAllts oonoorninA seln-oation." L.s praktisches Interesse für die Erziehung wurde, wie bereits bemerkt,durch sein Verhältnis zn ShafteSbury erweckt. Aus der Rücksicht auf seine eigene undseines Zöglings, des jungen ShafteSbury, schwächliche Constitution erklärt sich die be-sonders starke Betonung der leiblichen Gesundheitspflege. Durch die Erfahrungen einer-seits, welche er selbst in Bezug auf die mechanische, äußerliche Zucht in der Westmin-sterschule wie in Oxford gemacht hatte, und andererseits durch die ihm gestellte Auf-gabe, einen jungen Gentleman zu erziehen, erklärt es sich, daß er mit besonderem Nach-druck einer die individuelle Anlage nnd Neigung des Zöglings berücksichtigenden eigent-lichen Erziehung das Wort redet und der Privaterziehung vor der öffentlichen Schuleentschieden den Vorzug giebt. Aus seiner Abneigung endlich gegen den in den englischenSchulen herrschenden abstracten Formalismus des Unterrichtes, sowie wiederum ansseiner besonderen pädagogischen Aufgabe geht die vorzugsweise Werthlegung auf solcheUnterrichtsgegenstände hervor, welche auf das praktische Leben unmittelbare Anwendunggestatten. Von seinen Vorgängern hatte, wie Baco ans seine Erkenntnistheorie, soMontaigne auf seine pädagogischen Ansichten Einfluß geübt, den er auch ausdrücklichanführt (§ 91), von welchem er aber an einer anderen Stelle (aus seinem Tagebuche,
*) lieber L.s Erkenntnistheorie ist besonders zu vergleichen: Hartenstein. Lockes Lehrevon der menschlichen Erkenntnis in Vergleich mit Leibnitz Theorie derselben. Abhandl. der Phil.-hist. Classe der Königl. Sachs. Gesellschaft der Wissenschaft. IV, Nr. 1t. 1861.