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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Locke.

in demselben Jahre mit Spinoza geboren nnd drei Jahre früher als Spener, welcherihn noch um ein Jahr überlebte.

Locke war am 29. Angnst 1632 zu Wrington in der Nähe von Bristol in Somer-setshire geboren. Sein Vater, John Locke, in jener Gegend mit einem hübschen Land-besitz begütert, war anfangs als Schreiber (olarü) bei einem benachbarten Friedens-richter beschäftigt, wurde dann aber mit dem in derselben Gegend begüterten OberstAlexander Popham bekannt, der ihm eine Capitänstelle in der Parlamentsarmee ver-schaffte. Nach Beendigung des Krieges kehrte er zu seiner juristischen Beschäftigungzurück. Infolge der Wechselfälle des Krieges mußte der Vater dem jungen John, demältesten von zwei Söhnen, ein geringeres Besitzthum hinterlassen, als er selbst ererbthatte, was englische Biographen nicht unterlassen als eine Abnormität nnd besondereCalamität zu notiren. Dafür aber gab er dem Sohne das kostbare Gut einer sehrsorgfältigen Erziehung mit, für welche dieser sein Leben lang die innigste Dankbarkeitbezeugte. Mit richtigem Takte hatte der Vater den Sohn in dessen ersten Jahren unterdie sorgfältigste Zucht nnd Ueberwachung der väterlichen Auctorität genommen, währender später damit nachließ nnd der wachsenden Selbständigkeit freieren Spielraum ge-stattete. Der alte Locke spricht sich selbst über sein Verfahren mit voller Klarheit infolgenden Worten aus (King, a. a. O. S. 1 f.):Ich habe das als ein unverstän-diges und gefährliches Verfahren an manchen Vätern getadelt, daß sie gegen ihre Kindersich sehr machsichtig beweisen, so lange diese klein sind, dagegen, wenn diese zu reiferenJahren kommen, sie in hohem Grade beschränken nnd ein zurückhaltenderes Verhaltengegen sie eintreten lassen, wodurch gewöhnlich ein schlechtes Einverständnis zwischenVater und Sohn erzeugt wird, das nothwendig von üblen Folgen sein muß. MeinerMeinung nach würden Väter in der Regel besser thun, wenn sie zu ihren Heranwach-senden Söhnen in ein vertraulicheres Verhältnis träten rmd in ihrem Benehmen gegendieselben so viel Freiheit nnd Freundschaft walten ließen, als deren Alter und Tempe-rament nur ertragen kann." Durch Pdphams Verwendung wurde der junge L. in dieWestminstcrfchule in London und von da 1652 als Mitglied des Christkirchcollcgiums (lLrist-ollureli-Lolls^a) auf die Universität Oxford ausgenommen. Obgleich L. von der altherge-brachten einseitigen Beschränkung der Lehrobjecte nnd von dem pedantischen scholastischen For-malismus in dem dortigen Unterricht stets mit großer Geringschätzung spricht, so machteer dennoch nicht nur in seinen akademischen Studien so gute Fortschritte, daß er 1655zum Laaoalaurizus und 1658 zum NaZistsr ^rtium promovirt werden konnte, sondernes haben diese Studien doch gewiß auch zur Schulung seines Geistes mehr beigetragen,als er selbst zuzugestehcu geneigt ist. Mit lebendigerem Interesse wandte er sich aller-dings dem Studium von Des Cartes und den Naturwissenschaften zu, um hier nachBacos Grundsatz statt der traditionellen Philosopheme über die Dinge vielmehr dieDinge selbst aus eigener Anschauung kennen zn lernen. Insbesondere wurde ihm durchdie Schwächlichkeit seiner eigenen körperlichen Constitution, Welcher er in einem höchstregelmäßigen Leben stets die consequenteste Berücksichtigung widmete, das Studium derMedicin empfohlen; seinen in diesem Fache erworbenen Kenntnissen gibt der berühmteThomas Sydenham das glänzendste Zeugniß, uud es sind dieselben, obgleich nicht mitRücksicht aus eine künftige Praxis gesammelt, doch für L.s Lebensgang von entschiede-ner Bedeutung gewesen.

In eine praktische Berufsthütigkeit trat L. zuerst ein, als er 1664 Sir WalterBane*), den englischen Gesandten an den großen Kurfürsten während des ersten hollän-dischen Krieges, nach Berlin, Cleve u. a. O. begleitete: die Berichte seiner Briefe überunser deutsches Volk und Vaterland ans dieser Zeit erinnern nicht selten an die engli-

*) So heißt der Name des Gesandten bei King a. a. O. S. 16, dem ich folge, weil auchL. selbst in seinen Briefen seinen Chef als8lr IVsItsr" bezeichnet, obgleich ich sonst, bei eng-lischen uud deutschen Biograpben, den Namen überall Sir William Swan genannt finde.