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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lob.

Gottes Amt am Kinde recht zu vertreten," wenn das lobende Wort vom ermunterndenBeispiel begleitet ist, wenn der Ausdruck der Freude über die wachsende Tüchtigungdes Zöglings das Gepräge voller Wahrhaftigkeit und den rechten Nachdruck aus demeigenen aufrichtigen Streben der Erzieher nach fortschreitender Heiligung empfängt, nurbann können sie erwarten, daß ihr Lob die richtige Wirkung Hervorbringen werde.Ferner aber mäßen auch die Zöglinge daran gewöhnt werden, nur solchem Lobe Werthbeizulegen, in welchem sie gleichsam einen Ausdruck des göttlichen Wohlgefallens erkennendürfen. Diese Gewöhnung aber kann sich nur bilden, wenn nicht die Erzieher selbstsei es Weil sie überspannte Forderungen an die Kinder stellen, sei es aus natürlicherUnfreundlichkeit, sei es infolge einer falschen Anwendung der Lehre von der natürlichenabsoluten Unwürdigkeit des Menschen auch den natürlichsten und einfachsten Ausdruckder Billigung ihren Zöglingen versagen. Dadurch werden diese getrieben, sich schadloszu halten, indem sie die Befriedigung der natürlichen Ehrliebe bei ihren Gespielen oderanderen suchen, welche auch das keineswegs Lobenswerthe zu loben bereit sind; undso bringt es die überstrenge Erziehung, welche, um ja keinen Ehrgeiz aufkommen zulassen, auch das berechtigtste Lob vorenthalten zu mäßen glaubte, in der That dahin,daß das eitle Trachten nach einem keineswegs berechtigten Lob recht ungestört von demHerzen Besitz nimmt. Mit vollem Rechte hat daher Locke (s. d. Art.) der finsterenPädagogik gegenüber, welche kein Erziehungsmittel, als die Strafe, kannte, auf dierechte Benutzung der Ehrliebe in der Erziehung hingewiesen, d. h. ans die Erweckungdes Sinnes für die Anerkennung von Seiten derjenigen, deren Anerkennung wirklichenWerth hat, damit auf diese Weise die Zöglinge zugleich vor dem verführerischen Lobeder Schlechten bewahrt bleiben möchten. Hat aber das Lob die Bedeutung, dem Zöglingezu zeigen, daß er in seiner Aufgabe, das göttliche Gesetz zu erfüllen, einen Schrittvorangekommcn ist, so muß auch bei Erthcilung von Lob das göttliche Gesetz den eigent-lichen Maßstab bieten, Wonach er gemessen wird: nur mit diesem darf er verglichenWerden und etwa mit sich selbst, wie er aus einer früheren Stufe, oder bei einer anderenGelegenheit gewesen ist, wo er weniger Lob verdiente, damit das Bewußtsein, fortge-schritten zu sein auf der einen und der Aufblick zu dem vorgesteckten höchsten Ziele aufder anderen Seite, sich zu einer kräftigen Aufforderung vereinigen, auf dem rechten WegeWeiter zu gehen. Dagegen ist die lobende Vergleichung mit Mitschülern, welche zugleichfür diese zu einem Tadel wird, ungehörig und gefährlich, weil sie die auf solche WeiseGetadelten erbittert, den Belobten aber eitel macht und das rechte Verhältnis zwischenbeiden stört. Auch in dieser Beziehung können die Jesuiten als abschreckendes Beispieldienen. Sie haben den äußeren Abzeichen der Würdigkeit nicht bloß entsprechende derUnwürdigkeit zur Seite gestellt, sondern sie befreien auch den mit einem solchen AbzeichenGestraften, sobald er einen Mitschüler wegen eines mit dieser Strafe bedrohten Ver-gehens denuncirt hat. Indem sic auf solche Weise auf die gehässige Denuneiationrecht eigentlich eine Prämie setzen, inoculiren sic dem Herzen ihrer Zöglinge einen nichtallein eitelen, sondern eifersüchtigen, neidischen und schadenfrohen Ehrgeiz, welcher derTod aller Kindlichkeit, Aufrichtigkeit und alles herzlichen Wohlwollens ist.

Also keine Vergleichung der Zöglinge unter einander, während man einen lobt!Wohl aberBerücksichtigung ihrer verschiedenen Individualität, ehe maneinen lobt. Fast möchten wir in dieser Beziehung daS Paradoxon aussprechen, daßdie Tadelnswerthen gelobt und die Lobenswerthcn getadelt werden müßcn; ähnlich wieman mit Recht empfiehlt, unkirchliche Gemeinden durch die liebliche Predigt desEvangeliums erst für das Christcnthum zu gewinnen, weiter geförderte dagegen durchernste Büßpredigt zu fortschreitender Heiligung zu ermuntern. Aus der überweichlichenPflege der sogenannten höheren Stände, wie aus der harten Zucht derjenigen Kreise,aus welchen die Volksschule ihre Schüler empfängt, so wie aus dem natürlichen Druckder Verhältnisse in diesen Kreisen, werden dem Erzieher Zöglinge zugcführt, welcheschlaff, oder verschüchtert und verkümmert sind, weil sie noch niemals die Freude gehabt