Lob.
433
die angenehme Aussicht, daß sie demnächst in den öffentlichen Blättern Nachrichtenlesen sollen, wie die folgende (Philanthropischer Erziehnngsplan. Frankenthal 1777,S. 193 f.): „Das Philanthropin meldet allen, welche Seele genug haben, sich überdie Bildung eines Menschen zur Tugend zu freuen, daß N. N. der jüngere Sohn desHerrn-N. N.-zu einer solchen Höhe von moralischer Güte sich emporge-
schwungen hat, welche alle seine Lehrer und Mitschüler bewog, ihm einstimmig dasOrdenszeichen der Tugend zu ertheilen." Ans einer Ehrenkarte soll beispielsweise stehen(S. 200): „N. N. hat einen seiner Mitschüler gerettet dadurch, daß er sich selbst zueiner Schuld bekannte, wegen der jener im Verdacht war. — Hat auch einem seineroffenbarsten Feinde (!) einen unerwarteten Dienst geleistet." Man ermesse selbst, ob esdiesen Philanthropen gelingt, den Verdacht, es werde dadurch eine eigennützige Tugendeingeführt werden, durch die Bemerkung vollständig zu beseitigen (S. 203): „DasGute um sein selbst willen!" — Freunde — denkt selbst nach! Es ist ästhetischer (mo!)Klingklang, und weiter nichts. Es ist ebenso, wie jene mystische Liebe gegen Gott,deren Vertheidiger von uns fordern, man solle Gott um sein selbst willen lieben, nichtdeswegen, weil er uns glücklich macht und glücklich machen will. Wie? möchte manda fragen: Wenn ich nun Gott liebe, weil er ein so guter, liebreicher Gott ist, lieb'ich ihn dann nicht um sein selbst willen? — Versteht ihr das „um sein selbst willen"anders: so ist eure Moral transcendental, das heißt — unfruchtbar." Jene Uebertreibungund Verschwendung deS Lobes, wie sie bei Bahrdt im rohesten und lächerlichsten Extremerscheint, muß das Streben nach menschlicher Anerkennung in dem Zögling so über-spannen, daß das edlere Streben nach dem göttlichen Wohlgefallen dadurch völlig unter-drückt wird und freilich weder von mystischer, noch von praktischer Liebe zu Gott alseinem sittlichen Motiv mehr die Rede sein kann. Vielmehr wird die Sucht nach Lobso sehr die einzige Triebfeder zum pflichtmäßigen Handeln, daß wo das erwartete Lobeinmal ausbleibt, die Thatkraft sofort erlahmt, und baß andererseits der mit diesemunreinen Mittel bewirkten äußerlichen Pflichterfüllung ein sittlicher Werth kaum zuzu-schreibcn ist. Der Erzieher wird sich also vor einer solchen Jsolirung des Lobes,wodurch dieses an und für sich und ganz abgesehen von der Pflichterfüllung, als derenSymptom nur es Werth hat, als das Begehrungswürdigste hingestellt wird, sorgfältighüten und darnach trachten, dem Zöglinge zum lebendigen Bewußtsein zu bringen, daßder Mensch den Willen Gottes und damit seine Pflicht erfüllen müße, weil dieses demwahren Wesen und der Würde des Menschen entspricht, und es wäre traurig, wenndie Zöglinge nicht wenigstens aus einzelnen Erfahrungen die alles übertreffende Befriedi-gung könnten kennen lernen, welche in dem Bewußtsein einer solchen Pflichterfüllung liegt.Tritt dann als das Zeichen der Anerkennung, welche ihnen dafür entgegenkommt, dasLob hinzu, und zwar nicht gerade jedesmal in ausdrücklichen Worten, sondern beschränktsich der Erzieher in vielen Fällen darauf, durch einen zustimmenden Blick, durch seingesammtes Verhalten seiner Zufriedenheit ihren Ausdruck zu geben, so wird der Zöglingsich daran gewöhnen, das Lob als ein zwar natürliches, aber nicht unbedingt noth-wendiges Zeichen der Zufriedenheit anzusehen, durch welche ihm zu seiner Ermuthigungsein pflichtmäßiges Verhalten bezeugt wird: er wird das Lob als eine Folge undals ein Zeichen der Pflichterfüllung betrachten, welche ihm als seineigentliches Ziel gilt, nicht die Pflichterfüllung als ein bloßes Mittelzur Erreichung des Lobes, welches ihm zum eigentlichen Zweck seinerThätigkeit geworden ist.
Soll nun aber das Lob dem Zöglinge als ein ermunterndes Zeichen davon gelten,daß er der Bestimmung näher gekommen ist, welche Gottes Gesetz ihm vorhält, so mußes von solchen ausgehen, welche ihm als Vertreter des göttlichen Ge-setzes gelten können. Als solche sollen aber die Erzieher, sollen Eltern und Lehrerdem Zöglinge gelten. Und nur wenn sie ihres heiligen Berufes sich würdig erweisen,Päd-g, kzncykwpüdie. IV. 2Z