Lippe.
427
lichen Stunden unterwiesen, und die beiden Realclafsen erhielten außerdem noch in 2besonderen Stunden Anleitung im geometrischen, technischen und Situationszeichncn.Zu den Gesangübungen ist VI und V wöchentlich in 1 St. vereinigt; IV hat zu die-sem Zwecke ihre besondere Stunde, und in einer andern sind III, II, die beiden Real-classen, I und das Seminar zu vierstimmigem Gesang verbunden. Ans das Turnenwerden 6 St. wöchentlich in verschiedenen Abtheilungen verwandt. — KörperlicheZüchtigungen sind nur in den drei unteren Nassen erlaubt, und in den beiden oberenNassen, sowie auch in der ersten Realclasse, stillt das vertrauliche Du weg. DerBesuch von Wirthshüusern in der Stadt ist gänzlich verboten, und nur die beidenoberen Nassen erhalten im Sommer die Erlaubnis, einen öffentlichen Garten zu be-suchen. Oeffentliches Tabakrauchen ist verpönt. Die auswärtigen Schüler werdentheils bei einzelnen Lehrern, deren Häuslichkeit sich dazu eignet, theils bei Bürgernin der Stadt nntergebracht, doch muß im letzten Falle dem Direktor Anzeige davongemacht und seine Genehmigung nachgesucht werden; auch sind die Ordinarien zuminspicirenden Besuche der einzelwohnenden Schüler verpflichtet. Auf Ostern, am Schlußdes Schuljahrs, wird ein Programm erlassen und werden dreitägige öffentliche Prüfun-gen gehalten, die mit einem Redeact der Schüler und einer Entlassungsrede des Direc-tors an die Abiturienten endigen. — Bloß der Director des Gymnasiums hat freieWohnung, dazu ein jährliches Gehalt von 1000 Thlr. Die Besoldungen der übrigenLehrer sinken stufenweise bis ans 400 Thlr. herab. DaS Schulgeld von jährlich5 Thlr. in V bis 12 Thlr. in I, nebst 2—3 Thlr. für den Unterricht im Englischen,fließt in die Schnlbndgetkasse. — Die definitiv angestellten Lehrer, hoffähig, wenn ihnender Titel Professor ertheilt ist, werden nach dem Staatsdienergesetz pensionirt.
Bei weitem älter als das Dctmolder ist das Gymnasium zu Lemgo. Schonvor der Reformation bestand es und erhielt 1591 eine besondere Schulordnung, sowie1631 neue Schulgesetze, die 1749 und 1759 verbessert wurden. Seine höchste Blüteund Frequenz erreichte es in den beiden ersten Decennien des gegenwärtigen Jahr-hunderts unter dem Nectorate Reinerts, der es allein durch seine ausgezeichnete Per-sönlichkeit hob und hielt. Bis zu dem Abgänge dieses von seinen Mitbürgern undankbarbehandelten Mannes nach Soest im I. 1819 war es ein rein städtisches und deshalbnur dürftig fundirtes und mit geringen Lehrkräften versehenes Institut; aber wenn seit-dem, hauptsächlich durch die herrliche Fürstin Panline, die nach Niederlegnng ihrerRegentschaft die erste Bürgermeisterstelle der mit vielen Privilegien versehenen ehema-ligen Hansestadt Lemgo angenommen hatte, auch manches zur Verbesserung der finan-ziellen Hülfsmittel geschah, so hat es doch, da um dieselbe Zeit ringsumher mehrereneue Gymnasien anfblühten, nie wieder seinen alten Ruhm und großen Zufluß aus-wärtiger Schüler erlangt. —- Der Magistrat der Stadt (in spaoia die beiden Bürger-meister) und ein Regierungsmitglied (der bei den halbjährigen Prüfungen meist gegen-wärtige landesherrliche Eommissarins) machen die obere Behörde des Gymnasiums aus,dessen unmittelbare Leitung dem Rector und dem Lehrerkollegium zusteht. Zu dem Ge-sammtaufwand von 4000 bis 4300 Thlr. trägt die Landeskasse 1475 Thlr. bei; dasIlebrigc fließt theils aus eigenen Fundationcn (Grundstücken), theils ans Zuschüssenaus dein städtischen Aerar. Zur Benützung für Lehrer und Schüler ist eine Bibliothekvon etwa 6000 Bänden vorhanden, für die Leibesübungen der Gymnasiasten ein Turn-platz. Die v. Dohmsche Stiftung macht es möglich, daß jährlich eine Prämie für diebeste vom Rector aufgegebene lateinische oder deutsche Abhandlung ertheilt werden kann.Die Lehrer pflegen auf Vorschlag des RectorS und nach eingehvlter Zustimmung desMagistrates und der Stadtverordneten von der Regierung Namens Serenissimi er-nannt zu werden. Als Staatsdiener haben sie auf Pension Anspruch und sind Mit-glieder der städtischen und der Landeswitwenkasse. In ähnlicher Weise wie zu Detmoldherrscht im Unterrichte das Nassensystem vor, und sind auch mit dem Lemgoer Gym-nasio Realclafsen verbunden, welche mit 8scmncka und lortia parallel laufend, gemein-