224
Lippe.
auch gern bereit, noch einige Stunden mehr zu geben. — Drei Stunden sollen aufdie Vormittags- und zwei Stunden, mit Ausnahme des Mittwochs und Sonnabends,auf die Nachmittagszeit fallen. Die Oberclasse ist vorzugsweise in den Morgenstundenzu unterrichten, jedoch ist es dem Schulvorstande gestattet, die Einrichtung zu treffen,daß in den Sommermonaten die Oberclasse auch des Nachmittags unterrichtet werdenkann. Die sogenannten Hirtenschulen in den Mittagsstunden sollen thunlichst nichtWeiter stattfinden, mit welchem „thunlichst" aber leider nur ein frommer Wunsch aus-gesprochen ist.*) — Der Unterricht beginnt jeden Morgen mit Gesang und Gebet.
— Der Religionsunterricht wird von dem Lehrer selbst ertheilt; der Geistliche hat die-sen Unterricht nur zu überwachen und beschränkt sich auf seinen Confirmandenunterricht.
— Die bei dem Unterrichte zu benützenden Schnl- und Lehrbücher bestimmt die Ober-schulbehörde. Gegenwärtig werden außer Bibel und Gesangbuch nur die biblischenGeschichten von Kohlrausch, hie und da auch eine andere biblische Geschichte als Lese-bücher in den Oberclassen benützt, und nur in den Bürgerschulen existirt ein eigentlichesLehr- und Lesebuch, welches als Muster des Stiles dienen, und an welches der Lehrerseinen Unterricht in den Realien anknüpfen kann. Dagegen sind fast überall Wand-karten für den geographischen Unterricht vorhanden. Nur für die Mittelclasse ist inneuester Zeit ein angemesseneres Lesebuch, als der bisher meist übliche Kinderfreund vonRochow, Wilmsen, Schlez u. s. w., abgefaßt; die Unterclasse hat ihre vom Lehrer Kotzen-bcrg für Lautiren und Buchstabiren eingerichtete Lesefibel und daS schon lange mitbestem Erfolg gebrauchte Schwelmer Buchstabir- und Lesebuch. Aus dem Religions-unterrichte ist der Weerth'sche Leitfaden vor einigen Jahren auf Cabinetsbefehl verbanntund dafür wieder der Heidelberger Katechismus cingeführt worden. Dein Rechcn-unterrichte in allen Elasten liegt meist das unlängst vom Cantor Sünerländer ver-faßte Rechenbuch zu Grunde, und durch die lithographirten Kotzenbergischen Vor-schriften wird eine deutliche und gefällige Handschrift erzielt. — Mit Sonntags-,Abends- und Winterschulen sind nur an einigen Orten schwache Versuche gemacht,und eigentliche Privatschulen existiren nicht, wenn man nicht die Kleinkinderbewahr-anstalten, Näh- und Strickschnlen in einigen Städten, so wie die hin und wieder durchPrivatwohlthätigkeit eingerichteten Armenspinnschulen dahin rechnen will.
Für die Heranbildung der Lehrer, die sich meistens aus dem Bauern- und mittlerenBürgerstande recrutiren, wird eigentlich nur durch das Seminar zu Detmold gesorgt,da eine Präparandenanstalt nicht vorhanden ist. Für die Aufnahme ins Seminarwelches ein Internat mit dreijährigem Cursus ist, genügt jetzt außer etwas Zeichnenund Clavierspielen ein Bildungsgrad, wie ihn die Volksschule fähigen Schülern gewährt,nur die Aspiranten aus den Städten bringen mitunter auch einige Kenntnis fremderSprachen mit. Gegenwärtig steht das im I. 1789 nach langen Vorberathnngen er-öffnete Seminar unter einem Theologen als Director und Hauptlehrer, dem außerdemdie Generalinspection der Volksschulen obliegt, und der als Consistorialrath nicht nur Sitzund Stimme im Consistorium, sondern darin auch den Vortrag über Sachen des Schul-wesens hat, und maßgebend für die Seminarbildung scheinen jetzt die preußischen Re-gulative zu sein. Durchschnittlich beläuft sich die Zahl der Seminaristen auf 20, vondenen 4 auch freie Beköstigung, die übrigen nur Lehre, Wohnung und Licht Zratisbekommen. Bei der Aufnahme sowohl als bei dem Abgänge finden entscheidende Prüfun-gen statt, und unmittelbar nach Absolvirung des Seminarcursus kann die AnstellungNamens des Fürsten durch das Consistorium erfolgen. Nur einigen Stadtgemeinden istihr altes Wahlrecht verblieben, den übrigen Schulgemeinden aber das ihnen 1849 ver-liehene Recht, unter drei von der Oberschulbehörde vorgeschlagenen Candidaten zu wählen,
*) Um der zum Viehhüten verwendeten Kinder willen wird immer noch an einigen Ortenein Theil des Unterrichts in die Mittagsstunden verlegt, weil über diese Zeit das Vieh in dieStälle getrieben wird.