Lippe.
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Schule) einiger Interessenten abgeholfen werden kann, ein Nebenlehrer angestellt. —Die dem bei weitem größten Theile nach evangelischen Volksschulen stehen zunächstunter einem Schulvorstande, welcher die Rechte und Interessen der Schulgemeindevertritt und für das Wohl der Schule Sorge zu tragen hat. Er besteht theils ausständigen (dem betreffenden Geistlichen, dem Berwaltungsbeamten und dem Haupt-lehrer der Schule), theils ans 6—8 von der Schulgemeinde gewählten Mitgliedern,deren Amt ein Ehrenamt ist und der Regel nach 6 Jahre unentgeltlich verwaltet wer-den muß; doch findet alle drei Jahre eine Nenwahl der einen Hälfte des Schulvor-standes statt. Dem Pfarrgeistlichen, welcher gewöhnlich auch zum Vorsitzenden erwähltwird, liegt die specielle Beaufsichtigung der Schule ob, und halbjährlich hat der Schul-vorstand über den Ausfall der vorgenommenen Prüfung an das Consistorinm zu be-richten und diesem Berichte das Verzeichnis der absolvirten Lehrgegenstände, denLectionsplan für das nächste Semester, eine Abschrift der halbjährigen Fleißliste und,wenn in der Schule auch Jndustrieunterricht (Anleitung zum Stricken, Mhen u. s. W.)gegeben wird, auch eine Tabelle über die verfertigten Arbeiten beizulegen. Dazu mußalljährlich eine Abschrift der vom Rechnungsführer aufgestellten und vom gesummtenSchulvorstande revidirten Schulrechnung eingeschickt werden.
Die Zahl der Einwohner unseres Landes nach der vor drei Jahren stattgefundenenZählung zu 105,500 und die Zahl der die Volksschulen besuchenden Kinder zu 15,500angenommen, ergiebt sich, daß 14M» "/<> unserer Bevölkerung die Volksschule besuchen,und diese Ziffer wird bei der geringen Zahl der zum Schulbesuche unfähigen Kinderauck als die der schulpflichtigen angesehen werden können, und bringt man dazu nochdiejenigen mit in Anschlag, welche auf den Gymnasien und Realschulen gebildet wer-den, so dürften es wohl 15 °/° der Bevölkerung sein, die überhaupt Unterricht erhalten.
Volksschulen befinden sich an 108 Orten, und sind dieselben entweder Land- oderStadtschulen (Bürgerschulen), an denen 130 Hauptlehrer, 33 Nebenlehrer und 8 Ge-hülfen, im ganzen also 171 öffentliche Elementarlehrer arbeiten. Außerdem giebt es 10israelitische (von jüdischen Gemeinden angestellte) Lehrer. — Zu dem Gesammtaufwandedes Landes für das Volksschulwesen steuert jedes Schulkind (die Mindestbesteuertenbrauchen nur für zwei ihrer die Schule zu gleicher Zeit besuchenden Kinder zu zahlen)jährlich 20 Sgr. Schulgeld bei, welches aber in die Staatskasse fließt, da das Ein-kommen der Lehrer sixirt ist. — Die Unterhaltung der Schulhäuser, sofern die darinwohnenden Lehrer nicht auch Kirchendiener sind, sowie die Anschaffung und Unterhaltungdes nöthigen Schulapparats liegt der Schulgemeinde ob.
Was nun die innere Organisation unserer Volksschulen betrifft, so bestehtbei allen die Eintheilung in drei Classen, welche aber nur an denjenigen Orten getrenntunterrichtet werden, wo ein Neben- oder Hülfslehrer angestellt ist (Nebenlehrer werdenangestellt, wo eine Ueberfüllung der Schule stattfindet, Hülfslehrer oder Vicare, wennein Lehrer durch Krankheit oder andere Umstände längere Zeit verhindert wird, seinesDienstes zn warten); in allen übrigen muß die Mittelclasse den Unterricht sowohl derOber-, als auch der Uuterelasse theilen. Nach den Geschlechtern sind die Schüler nurin den Städten und denjenigen Orten geschieden, wo zwei oder mehrere Hauptschulenbestehen. — Gesetzlich sind die Hauptunterrichtsgegenstände: Lesen, Schreiben, Kopf-und Tafelrechnen, Singen, Religion nebst biblischer Geschichte, deutsche Sprache, sowiedas allgemein Wissenswerthe ans der Natur-, Welt- und Menschenkunde; doch könnenfür die letztangeführten sogenannten gemeinnützigen Kenntnisse meist nur zwei Stundenwöchentlich erübrigt werden, und nur, wo, wie in den Bürgerschulen, die Oberclasseeinen besonderen Lehrer und folglich mehr Unterrichtsstunden hat, werden 6 wöchentlicheStunden darauf verwandt, und fallen für das Zeichnen, hie und da auch für Declamir-übungen, einige Stunden ab. — Jeder Lehrer ist verpflichtet, wöchentlich 26 StundenUnterricht zu ertheilen; da diese Stundenzahl aber nur selten für die dringendsten Be-dürfnisse ihrer Schüler ausreicht, so sehen sich die meisten Lehrer genöthigt und sind