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Liederbuch.
verleugnen. Wie das Gesangbuch in manchen seiner Lieder in das Gebiet der Natur,des bürgerlichen und häuslichen Lebens greift und dadurch bezeugt, das; der Geist desChristenthnms alles natürliche zu heiligen und zu weihen berufen ist, so dürfte unserLiederbuch, das vom Begriffe des weltlichen Liedes ausgeht, diesen nicht so eng fassen,als ob das Religiöse, das Geistliche einen absoluten Gegensatz bildete von dem, waswir weltliches Lied nennen. Wie sehr auch Geist und Welt, Gnade und Natur voneinander verschieden sind, die geistlichen und weltlichen Lieder eines christlichen Volkesberühren einander oft und innig, die Grenze zwischen beiden ist eine fließende und eswürde sich gar manches seinem Grunde nach geistliche Lied in der Sammlung der welt-lichen Lieder einreihen und ihnen zur Zierde, und Würze dienen.
Es hat sich mehr und mehr zwischen den eigentlich geistlichen Liedern mit Choral-melodien und den weltlichen Liedern eine Zwischengattnng gebildet, die man geistlicheVolkslieder genannt hat, geistliche Lieder mit gefälligeren, volksliedcrmäßigen Me-lodien. Es lauft bei diesen Arien, wie man sie wohl auch nennt, viel mattes, plattesund sentimentales mit unter, und wenn man sich gar unterwindet, auch eigentlicheKirchenlieder statt in den ihnen znkommenden Choralmelodien in solch schöner seinsollender Arienform zu singen, so kann dies vom Standpnncte des guten Geschmacksaus nicht ernst genug abgewehrt werden; aber das Bestehen solcher „geistlichen Volks-lieder" bezeugt doch auch seinerseits, wie nahe Geistliches und Weltliches auf dem Ge-biete des Liedes zusammenhängt. Es würde übrigens manchen solchen krankhaften Ge-lüsten nach lieblicheren Melodien für Kirchenlieder vorgebeugt werden, wenn man dieursprünglichen Melodien, was in der Schule unbeschadet ihrer Stellung zur Kirchegar wohl thunlich wäre (z. B. nach Layritz 117 zweistimmigen Melodien für Schuleund Haus, 1839), auch in ihrer ursprünglichen Form sänge; denn es ist wohl wenigerdie Choralmelodie an sich als vielmehr die von der Trägheit der singenden Gemeindeverschuldete Entkleidung von ihrer ursprünglichen Schönheit, so wie der lendenlahme,oft in unerträglicher Langsamkeit und Ausdruckslosigkeit hinschleichende Vortrag desChorals, was christlich augeregte Gemüther nicht selten von ihm ab- und der mehrins Ohr fallenden Arie zuführt.
Außer dem christlichen Charakter wünschen wir namentlich auch den vaterlän-dischen mit passenden Liedern vertreten. Namentlich sollte die große Zeit des Frei-heitskriegs auch mittelst des Liedes im Andenken der Jugend erhalten, oder — mußman leider fast sagen — wieder in sie gepflanzt werden. Das deutsche Land ist vielzu mannigfaltig und viel zu reich an Liedern, als daß man hoffen könnte, es möchteeinerlei Liederbuch für die Schuljugend im Reiche der Möglichkeit liegen. Wir ließenuns fürs erste eine Mannigfaltigkeit, wie sie auch das geistliche Liederbuch der deutsch-evangelischen Kirche trägt, wohl gefallen: so viel deutsche Landesoberschulbehörden, soviele Liederbücher. Gewiße Kernlieder mit ihren Weisen würden sich da, wie dort ge-schah, in allen Landesliederbüchern einbürgern und so die Einheit vertreten neben deruns Deutschen nun einmal zum Bedürfnisse gewordenen Mannigfaltigkeit. OhnehinWürde selbst in ein und demselben Lande schon die Verschiedenheit der Confession dasZusammengehen erschweren. Man denke nur z. B. an Marienlieder. Lieder aber,wie die folgenden, würden wohl in keinem deutschen Schulliederbuche, cs sei preußischoder reußisch, sächsisch oder bairisch, hannöverisch oder württembergisch, fehlen: Bei einemWirthe wnndermild. Es ist ein Schnitter, der heißt Tod. Turner ziehn. Dort untenin der Mühle. Stimmt an mit Hellem, hohem Klang. Was ist des Deutschen Vater-land'? Preisend mit viel schönen Reden. Was blasen die Trompeten? Ich Hab michergeben. Hinaus in die Ferne. Morgenroth. Mit dem Pfeil und Bogen. EinGärtner geht im Garten. Ich hatt' einen Kameraden. Der beste Freund ist in demHimmel. O du selige rc« und noch manche andere.
Die Nückstcht auf Alters- und Entwicklungsstufe der Jugend gebietet eine Glie-derung in mehrere Abtheilungcn: die erste, für das Alter etwa bis zum 10. Jahre