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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Liederbuch.

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taugen, ist Scheidung und Ncuvcrmählung zulässig. Schon manches „Schelmcnlicd"ist auf solche Weise ehrlich gemacht worden; doch ist Vorsicht nöthig, daß der geschie-dene Schelm nicht etwa mittelst der Erinnerung wiederkehre und die neue Verbindungstöre. Das Verfahren ist alt; schon Georg Förster bekennt sich dazu in der Vorredezu seinem „Außbund schöner teutscher Liedlein (1546): Wie wol wir auch etlich textmit Fleyß, als die fast ungerämbt gevest, hinweggethon und andere dafür gemachet,welchs, diveils kein Todsünd ist, achten wir, man werdts uns nit verargen." — DerSatz sei, wo über die Einstimmigkeit hinansgeschritten wird, unr zweistimmig. Drei-oder gar Vierstimmigkeit übersteigt die Aufgabe der Schule. Für zwei Stimmen hatsie das Material in den Diseant- und Altstimmen, für drei oder gar vier Stimmenfehlt dasselbe; die Kunst aber soll den gegebenen Stoff nach den Gesetzen der Schönheitformen und veredeln, nicht hcreinzerren, was nicht als Gabe vorhanden ist. Eine dritteStimme würde aber wohl bei gar manchen Liedern für den Lehrer passend sein, undes klingt fein und lieblich, wenn er sich mit seiner Mannesstimme den Kinderstimmenharmonisch anschließt. So könnte immerhin für manche Lieder eine der Schule ganzangemessene Dreistimmigkeit erzielt werden. Im ganzen müßte aber der Satz auchsolcher dreistimmigen Lieder doch von der Art sein, daß die Lehrerstimme als drittedazu nicht unentbehrlich wäre, sondern die beiden Jugendstimmen für sich harmonischbefriedigten; denn der Lehrer begleitet seine Schüler nicht ins Leben; die Lieder aber,Welche die Schule übt, sollten namentlich auch nach der Schule noch bei der Arbeit wiein Stunden der Muße erklinge». Was über eine leichtfaßliche Zweistimmigkeit hinaus-geht, ist diesem Zwecke hinderlich. iMn sollolao, ssä vitss, warum soll das nicht auchfür den Licdergcsang gelten? Nur ein Liedergesang mit fest eingeübter Melodie, sozwar, daß auch die Secnndsänger in der ihnen bequemen Stimmregion die eigentlicheMelodie üben, hat eine Zukunft für das Leben und darf hoffen, auch lange nach derSchule noch nachzutönen, „daheim in Häusern, Buden und Kellern, auf dem Felde undWasser, in Büschen und Wäldern," wie Henrich Knanst in der Vorrede zu seinen„Gassenhawer-, Reuter und Bergliedlein" (Frankfurt 1571), sagt. Das schließt nichtaus, daß einzelne dazu geeignete Stimmen auch zu knnstmäßigem, vier- und mehrstim-migem Gesänge in besonderem Singchor hcrangezogen werden, je nachdem dazu Zeit undOrt und Umstände winken, die Schule als solche aber fordert in dem Maße, als sienachhaltig ans das Leben des Heranwachsenden Geschlechts wirken will, Selbstbeschrän-kung und Befestigung innerhalb des ihr angewiesenen engeren Gebietes.

Anders gestaltet sich die Sache in der höheren Schule, in Gymnasien und in denihnen zur Seite gehenden realistischen Schul- und Erziehungsanstalten. Hier ist auch beialler Rücksicht, die ans die Umbildung der Stimmen und die Entwicklung des jungenKörpers zu nehmen ist (s. Gesang, S. 761. 4.), doch in der Regel ein zureichendesMaterial vorhanden, um vierstimmige Lieder, Chöre, Motetten, Oratorien oder wenig-stens Stücke aus denselben ausznführen. Die Thomasschule in Leipzig z. B. liefertden Beweis, was da mit den begabteren Schülern zu leisten ist. Die ErziehungsanstaltStetten im Remsthale hat ihrer Zeit mehrmals die Glocke von Schiller und Romberg,die Schöpfung von Haydn, den Messias und Judas Maccabäns von Händel n. a.unter tüchtiger Leitung mit ihren eigenen Kräften ansgeführt.

Noch fragt es sich, ob ein Schulliederbuch, wie wir es im Auge haben, fürbeide Geschlechter ansreichen dürfte? — Wir glauben, für die Volksschule undüberhaupt das Alter unter 14 Jahren: Ja. Knaben und Mädchen sind vor der Ge-schlechtsentwicklung eben Kinder, und wenn auch der Geschlechtsunterschied in Sinnund Art, in Geist und Gemüth, in Spiel und Unterhaltung sich vielfach geltend macht,so geht doch dieser Unterschied nicht so weit, daß sie nicht in dem menschlich Schönender allermeisten Lieder, die überhaupt für die Jugend passen, sich zusammenfinden, zn-sammensingen und bei getrennten Geschlechtern einerlei Liederbuch benützen könnten.

Das Liederbuch dürfte seinen Zusammenhang mit der christlichen Schule nicht