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Liederbuch.
bayerischen Hirten und Jäger abgelanscht und im I. 1860 mit Text und Melodienherausgegeben hat, vergegenwärtigt uns den ganzen seit Sammlung der HomerischenGesänge durch die Jahrhunderte fortgehenden Proceß der Entstehung von Liederbüchern.Schon vor dem 16. Jahrhunderte finden sich geschriebene Liedersammlungen, z. B. diePariser oder Mannessische, die Weingartener, 1843 in Stuttgart von Pfeiffer vollständigherauSgegcben; die Jenaer, Pfälzer (Heidelberger), Colmarer. Mit Noten erschiendie Augsburger (1512), die Mainzer (1513). Zu den ältesten im Druck erschienenenLiederbüchern gehört das Liederbuch der Clara Hätzlerin in Augsburg (1471), vonHaltaus herausgegeben (1840). — In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sprudeltder Quell der Lieder und Liedersammlnngen lebhaft. Da erschienen z. B. 58 Liedermit dem Titel: „Bergkreyen. Etliche Schöne Gesenge, nevlich zusammengebracht, ge-mehret und gebessert" (1533); Georg Försters „Außzug guter alter und neuer teutscherLiedlein, einer recht deutschen Art, aufs allerley Instrumenten zu brauchen auserlesen.Nürnberg 1539", später (1552 und 1560) unter dem Titel: „Frische Liedlein". Förstersagt in seiner Vorrede von „mancherley Teutschen Liederbüchlin", die in etlichen Jahrenausgegangen seien. „Gassenhauer und Reutterliedlin", 88 Nnmern mit Notendruck,„Graßliedlein" u. s. w. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts traten u. a.„Neve Tcutsche Liedlein mit fünf stimmen rc. von Orlanäo äi Imssus (Lasso)", München(1560) ans Licht. Johannes Eccard gab „neue deutsche Lieder" (1578), und im I.1584 faßte das Frankfurter Liederbuch als Sammelwerk einen größer» Kran; vonLiedern zusammen. Es hat den Titel: „Liederbüchlein, darin begriffen sind, Zweihundert Zwey und sechtzig, Allerhand schöner veltlicher Lieder, Allen jungen Gesellenund Züchtigen Jnngfraven zum nenven Jar, im Druck verfertiget. Auffs neuv ge-mehret mit viel schönen Liedern, die in den andern zuvor anfgegangenen Drücken nichtgefunden werden. Gedruckt zu Frankfurt am Mayn 1584." Uhlands „alte hoch- undniederdeutsche Volkslieder" (1844 und 45) lassen uns den Reichthnm und die Mengeder Stimmen im altdeutschen Liederwald ahnen. Wie Texte und Melodien der Volks-lieder mehrfach auf die geistliche und kirchliche Dichtkunst gewirkt, wie manche weltlicheVolkslieder vergeistlicht und manche schöne Gassenhauermelodie von der Kirche ausge-nommen ward und noch heute in der Reihe unserer Choräle glänzt, weist u. a. PhilippWackernagel in seinem „deutschen Kirchenlid" (1841) nach. — Schon im I. 1571 er-schien zu Frankfurt eine Liedcrsammlung unter dem Titel: „Gassenhauer-, Reiter- undBergliedlein, christlich moraliter und sittlich verändert, damit die böse ärgerliche Weiß,unnütze und schambare Liedlein auf Gassen, Feldern und anderswo zu singen, mit derZeit abgehen möchte, wenn man geistliche, gute und nützliche Texte und Wort darunterhaben könnte." (Vgl. den Art. Gesang S. 767.)
Der Strom der Liederbücher mit und ohne Melodien, wenn er auch zeitenweiseWeniger reichlich floß, gicng doch nie versiegen, ja er hat in unserer Zeit eine kaumübersehbare Breite erreicht. Wo einem Stande nur halbwegs etwas von Poesie an-hängt, da hat er sein besonderes Liederbuch gefunden. Wir haben dergleichen für Sol-daten, Jäger, Turner, Künstler, Freimaurer, Architekten, Handwerker; wir haben eineganze Reihe von Liederbüchern für unsere stndirende Jugend, „Commcrsbücher", rechteSpiegel ihres Geistes oder Ungeistes und Spiegel der Zeit, bald in Sauf- und Ranf-liedern, bald in Lieb und Freundschaft und allerlei „süßen Albernheiten" sich ergehend,bald die großen Erinnerungen, die Wehen und Hoffnungen des deutschen Vaterlandesanssingend. Wir haben Liederbücher, aus dem Bedürfnisse von einzelnen Schulen undErziehungsanstalten hervorgegangen, z. B. aus der Dittmar-Ranmcrschcn Anstalt inNürnberg (Jos. Gersbachs Wandervögelein 1822), ans Stetten im Remsthal (Strcbels Liederlnst 1839), aus Bönnigheim und Salon bei Ludwigsbnrg (Liederhalle deutscherTurner), ans dem rauhen Hause bei Hamburg („unsere Lieder". 3. Ausl. 1861).
Die gelehrte Schule war bis in das 18. Jahrh. mit ihrem Gesänge noch fastganz mit der Kirche verflochten. So liegt uns ein lateinisches Liederbüchlein ans dem