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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Lcssing.

Liederbuch.

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Art ist unberechtigt. Und nicht allein aus den religionsphilosophischen Ansichten, dieL. selbst anderwärts ausgesprochen hat, geht dies hervor, sondern das Gedicht selbstmuß diesem Beweise dienen. Auf die Frage, ob innerhalb der beiden andern Religions-gemeinschaften eine solche Kundgebung einer so großartigen und gegen das eigene Be-kenntnis so rücksichtslosen Toleranz auch nur denkbar wäre, wird man antworten müßen,daß ein Gedicht, wie Nathan, nur auf dem Boden des Christenthums habe entstehenkönnen, und so hilft es selbst verbürgen, daß das Christenthnm im Besitze des echtenRinges sich befinde. Sehr richtig sagt Carriere (a. a. O. S. 26): „Wenn Lessingdas Wesen der Religion in der Heiligung der Gesinnung sah und mit Christus sagte:an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen; wenn er demgemäß für den rechten Ringden Beweis des Geistes und der Kraft fordert, so hat den die Geschichte siegreich fürdas Christenthnm geführt, das seine Bekenner sittlich wiedergeboren, sie dauernd zuden Trägern der Cultur gemacht und in allen Zweigen der Kunst und Wissenschafteine neue Blüte hervorgerufcn hat." Uebrigens ist Nathan nicht Lessings Testament,sondern als solches hat er selbst ein Jahr später „die Erziehung des Menschengeschlech-tes" veröffentlicht, welche, wenn auch zum Thcil der Zeit nach früher, doch von einemhöheren, freieren, von den Stürmen der Polemik minder berührten und bewegten Stand-pnncte ans verfaßt ist.

Zum Schluffe aber möge ein Wort Herders hier stehen aus jenem Nachruf,welcher so beachtenswerth ist, weil er, noch im Todesjahre L.s geschrieben (zuerst im deut-schen Merkur 1781 veröffentlicht), den vollen, frischen Eindruck des Wirkens des großenMannes abspiegelt und zugleich von einem Manne verfaßt ist, der mit allem Fugvon sich sagen durfte: „Ich bin auch ein Theolog, und die Sache der Religion liegtmir so sehr am Herzen als irgend jemanden." Herder sagt am Schluffe seinesAufsatzes,) den Hingeschiedenen apostrophirend: „Viele Stellen in deinen Büchern vollreiner Wahrheit, voll männlichen, festen Gefühls, voll goldener, ewiger Güte und Schön-heit werden, so lange Wahrheit Wahrheit ist und der menschliche Geist das, Wozu ererschaffen ist, bleibet — sie werden aufmuntern, belehren, befestigen und Männer wecken,die auch, wie du, der Wahrheit durchaus dienen, jeder Wahrheit, selbst wosie uns im Anfang fürchterlich und häßlich vorkäme, überzeugt, daß sie am Ende dochgute, erquickende, schöne Wahrheit werde. Wo du irrtest, wo dich dein Scharfsinnund dein immer thätiger, lebendiger Geist auf Abwege lenkte, kurz, wo du ein Menschwarst, warst du es gewiß nicht gern und strebtest immer, ein ganzer Mensch,ein fortgehender, zunehmender Geist zu werden.," G. Baur.

Liberale Erziehung, s. servile und, liberale Erziehung.

Liebe, s. Erzieher.

Liederbuch. Gesang ist die einfachste, natürlichste Kunst. Das Kind schon lerntsie der Mutter ab. lieber alles Getöne der Instrumente hinaus tönt als höchsteVollendung der Musik der mit der Blüte des Geistes, dem Worte, verbundene Men-schengesang. Unter dem, was der Mensch singt, ist wieder das einfachste, natürlichsteund zunächst aus dem Herzen quellende das Lied. Es tönt darum durch alle Völkerund Zeiten, das Geistes- und Gemüths- und Berufsleben bezeugend, veredelnd, ver-schönernd, ein Spiegel ihres innersten Wesens.

Es war eine Zeit, wo der Schatz der Lieder sich nur in dem Gedächtnisse derMenschen ansammelte und von Mund zu Munde gieng, und diese Art ihrer Verbrei-tung hat nie ganz aufgehört und wird nie ganz aufhören. Allein sobald es einemVolke geläufig geworden ist, seine Worte und Töne in Zeichen zu bannen, ist auch dieAufforderung gegeben, die im Gedächtnis und Munde lebenden Lieder nach Wort undTon schriftlich festzuhalten und so die Reihe von Liedersammlungen und Liederbüchernzu eröffnen, dw sich nun durch die Geschichte der Völker und namentlich unseres deutschenVolkes hindurchzieht. Die auf Befehl des Königs Maximilian von Bayern veranstalteteSammlung von oberbayerischen Liedern- die Fr. von Kobcll dem Munde der ober-