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Lcssing.
schied zwischen einem Dichter und Versemacher durch den Vergleich zwischen Shakespeareund den Franzosen illustrirt wird u. s. w. Beispielsweise mag nur ans die Besprechungvon Voltaires SemiramiS (Stück 10 ff., VII, S. 47 ff.), Zaire (St. 15 ff., VII,S. 65 ff.) und Merope (St. 36 ff., VII, S. 152 ff.), von Corneilles Essex (St. 22 ff.,VII, S. 95 ff., vrgl. St. 54 ff., VII, S. 227) und Rodogune (St. 29 ff. VII,S. 124 ff.) und namentlich auf das kräftige Schlußwort (St. 101—104, VII, S.415 ff.) hingewiesen werden.
Von den eigenen Dichtungen L.s sind, von den bereits erwähnten Fabeln abgesehen,nur seine Dramen von Bedeutung, wie denn diese Dichtungsart seiner kritischen Natur,die gerne die verschiedenen Stimmen zum Worte kommen ließ, und seinem Drange,aus das Publicum kräftig zu wirken, am reinsten entsprach. Der Minna von Barn-helm ist in der Reihe der zum Gegenstände der Schullectüre zu machenden Meisterwerkeder deutschen Dichtkunst von einem competenten Beurthciler ihr Platz bereits zuerkanntworden (s. den Art. Deutsche Sprache, I, S. 922). Er gebührt ihr schon als demersten eigentlich nationalen Drama, welches seine deutsche Gesinnung uns dadurch ver-räth, daß cs zwar die Ehren, die Preußen durch seinen großen König gewonnen hat,bereitwillig anerkennt, doch aber auch die Vermählung zwischen Minna und dem Majorzugleich zum Symbol einer Versöhnung und Verbindung zwischen Preußen und denübrigen deutschen Stämmen werden läßt. Der prosaische Dialog erinnert hier, wie inEmilia Galotti, die ihrem ganzen Inhalte nach dem jugendlichen Verständnisse zu fernliegt, als daß sie ihm in der Schule anders, als bruchstückweise dargeboten werdenkönnte, in seinem raschen Gange, seiner lebendigen Elasticität und epigrammatischenKnappheit an die glänzenden Eigenschaften der Prosa des Dichters. Dem Nathanallein hat L. durch die poetische Form das Siegel einer höheren Weihe aufgedrückt,als dramatisches Kunstwerk im ganzen genommen aber steht dieses Stück infolgeseiner didaktischen Absichtlichkeit den beiden genannten nach, und bekanntlich hat sichunter Pädagogen die Frage erhoben, ob man eS nicht um seiner Tendenz willen ausdem Kreise der Schullectüre entschieden verbannen soll, oder ob nicht vielmehr die Schuledafür zu sorgen hat, daß „die Würdigung dieser Dichtung nicht dem Zufall und demdarüber vielfach irregeleiteten Zeitgeiste überlassen" werde (s. o. S. 924). Wir stehennicht an, uns aus vollster Ueberzeugung zu dieser letzteren Ansicht zu bekennen. Nathander Weise ist durch den reflectirenden Charakter der Poesie, durch den geschichtlichenSchauplatz, auf welchem er spielt, und namentlich durch den Zusammenhang mit demgeschichtlichen Boden, auf welchem er erwachsen ist, ganz besonders geeignet, in derSchule commentirt zu werden (vgl. E. Niemeyer, Lessings Nathan der Weise durcheine historisch kritische Einleitung und einen fortlaufenden Commentar besonders zumGebrauch auf höheren Lehranstalten erläutert. Leipzig 1855). Diesen ZusammenhangdeS Gedichtes mit seiner Zeit und des Verfassers Stellung innerhalb derselben hat derLehrer nachzuweisen und zu erläutern, zu zeigen, wie nach Lessings eigenem Ausdrucke,Nathan ein Kind der Polemik ist, und wie ihm in der Thal noch viel Erde von demBoden, welchem er entsprossen ist, an der Wurzel hängt. L. ist hier im Gegensätzezu der Intoleranz christlicher Zeloten bis zu jener äußersten Grenze der andern Seitehinübergetreten, an welcher die Gerechtigkeit gegen die Nichtchristen in Ungerechtigkeitgegen die Christen umzuschlagen droht. Nicht nur hat er den glänzenden Repräsen-tanten des Judenthums und des Muhamedanismus im ganzen sehr wenig empfehlendeVertreter des Christenthums gegenübergestellt — neben abergläubischer Beschränktheitund pfäffischer Verruchtheit nur die fromme Einfalt und das von augenblicklichen Ein-drücken abhängige, noch völlig ungezügelte Ungestüm eines trotzigen JünglingsherzenS—;sondern die ganze Art, wie die drei Religionen nebeneinander gestellt sind, das Christen-thnm, dann das nach L.s eigener Darlegung in der Erziehung des Menschengeschlechtesnur zur Vorbereitung auf jenes bestimmte Judenthum und endlich der ans beiden undaus altarabischem Aberglauben menschlich gemachte Muhamedanismus, diese ganze