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Lessing.
geben, als ihm sagen: thue das, thue jenes. Wer seine Jahre hat, muß selbst wissen,was er thun kann, was er thun muß; und wer erst hören will, was andere Leutezu seinen Anschlägen sagen, der hat bloß Lust, Zeit zu gewinnen, und indes anderezu fassen." Ausdauer schätzt er nicht geringer, als angebornes Talent, und in demAusspruche Rousseaus, daß der Eifer eher das Talent als das Talent den Eifer ersetze,und in dem F. A. Wolfs, daß das Genie der Fleiß sei, würde er den Ausdruckseiner eignen Ueberzeugung erkannt haben. Doch wußte dieser große männliche GeistKind zu werden im Kreise der Kinder, und sein Stiefsohn rühmt die Freundlichkeit unddas väterliche Wohlwollen, womit L. für seine Kinder sorgte. Er suchte mehr durchErmunterung und Anregung, als durch körperliche Züchtigung zu wirken, und nurzweimal hatte der Sohn eine solche zu erfahren: beidemal für das, was in L.s Augendie Kapitalsünden des Mannes waren, Unwahrheit und Feigheit. „Er applicirte da-her seinem Fritzchen eine eben so derbe Maulschelle, als ihn dieser einmal mit Unwahr-heit berichtete, wie eine solche erfolgte, als derselbe sich nicht gegen die Angriffe einesbösen Buben gewehrt hatte" (Guhrauer a. a. O. II, 2, S. 325).
. Zu einer in der Geschichte der Pädagogik bedeutend gewordenen Erscheinung tratL. zuerst dadurch in Beziehung, daß er bereits 1751 in den als Beilage zu den Ber-linischen Staats- und Gelehrten-Zcitungen erschienenen Monatsblättern „das Neuesteaus dem Reiche des Witzes" gleich im ersten Blatte das Werk Rousseaus anzeigte,welches die Grundgedanken aussprach, die dann im Emil ihre pädagogische Anwendungfanden, und eine so zuversichtliche Anwendung gewiß auch in Folge des Beifalls, wel-chen ein wissenschaftliches Institut Frankreichs jenen exorbitanten Behauptungen gezollthatte: die so höchst einseitige und gleichwohl von der Akademie zu Dijon gekrönteverneinende Antwort, welche Rousseau auf die Preisfrage gegeben hatte: „81 lerstablisssrnsnt des solsuoss st des arts a ooutrlbus ä spurer Iss raosars." L. er-kannte das gewaltige Pathos an, wodurch diese Schrift von denen Voltaires und derEncyklopädisten sich so wesentlich unterschied: „Herr Rousseau, so sagt er (III. S. 202),hat so erhabene Gesinnungen mit einer so männlichen Beredsamkeit zu verbinden ge-wußt, daß seine Rede ein Meisterstück sein würde, wenn sie auch von keiner Akademiedafür wäre erkannt worden." Aber der zweiundzwanzigjährige deutsche Kritiker besaßauch die Nüchternheit, welche noch hundert Jahre später manchem „gewiegten Pädago-gen" abgieng, die gefährlichen Verirrungen nicht zu verkennen, zu welchen eine Ansichtvon der Gesellschaft, wie die Rousseaus, nothwendig führen mußte. Seine eigene An-sicht faßt L. bündig in sein Schlußwort zusammen: „Die Künste sind das, zu waswir sie machen wollen. Es liegt nnr an uns, wenn sie uns schädlich sind;" und ganzdasselbe konnte in Bezug auf die Gesellschaft gesagt werden, von welcher den Zöglinggänzlich loszureißen Rousseau später den unausführbaren Versuch machte, statt sie durchdie Erziehung zu reformiren, ganz wie er Wissenschaften und Künste verdammt hatte,statt ihre Reinigung und Weihe zu fordern. Merkwürdigerweise traf L. neun Jahrespäter auch mit dem Manne in literarischem Kampfe zusammen, welcher die in dengenialen Declamationen Rousseaus enthaltenen pädagogischen Principien in die nüch-ternen Grundsätze seines eigenen philantropischen Utilitarismus übersetzte und in dieserGestalt sie auf deutschen Boden zu verpflanzen suchte, mit Basedow, der eben damalsseine pädagogischen Neuerungen begann. Der Oberhofprediger Johann AndreasCramer zu Kopenhagen gab seit Anfang des Jahres 1758 in Verbindung mit Klopstock,Basedow u. a. den Nordischen Aufseher heraus und hatte (Stück 46 ff.) darin auchseine pädagogischen Ansichten entwickelt, indem er unter der Maske eines Arthur Jron-side erzählt, wie sein Vater, Pastor Jronside, ihn erzogen habe. „Er erzählt z. E. —so berichtet L- selbst — als ihn sein Vater mit den Lehren der Nothwendigkeit undmit dem Dasein eines Erlösers der Menschen und einer Genugthuung für sie bekanntmachen wollen: so habe er auch hier der Regel, von dem Leichten und Begreiflichenzu dem Schwereren fortzugehen, zu folgen gesucht, und sei einzig darauf bedacht gewesen,