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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Lessing.

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fern von dem „Fehler des eitlen Pädagogen, der sein Kind lieber übereilen und mitihm prahlen, als gründlich unterrichten will," ihm keine Dinge, welchen seine Vernunftnoch nicht gewachsen war (H 17), offenbart, sondern mit der Erziehung begonnenhabe, welche „dem kindlichen Alter entspricht, der Erziehung durch unmittelbare sinnlicheStrafen und Belohnungen" 16) und durch ein angemessenes Elementarbuch, dessennegative Vollkommenheit darin besteht, „daß es den Weg zu den noch zurückgehaltenenWahrheiten nicht erschwere oder versperre," während seine positive Vollkommenheitin Vorübungen, Anspielungen, Fingerzeigen liegt, womit es ans diese Wahrheitbereits hinweist 47). Denn „die Erziehung hat ihr Ziel: bei dem Geschlechtsnicht weniger, als bei dem Einzelnen. Was erzogen wird, wird zu etwas erzogen"(8 82). Die Erreichung dieses Zieles darf nicht übereilt, nicht der Zögling vor derZeit auf eine Stufe erhoben werden, auf welcher er doch nicht eigentlich heimisch wer-den kann: hüte dich, es deine schwächeren Mitschüler merken zu lassen, was du witterstoder schon zu sehen beginnest; bis sie dir nach sind, diese schwächeren Mitschüler, —kehre lieber noch einmal selbst in dieses Elementarbuch zurück und untersuche, ob das,was du nur für Wendungen der Methode, für Lückenbüßer der Didaktik hältst, auchwohl nicht etwas mehreres ist" (8 68 und 69). Aber die Zeit fordert ihr Recht,„das Kind wird Knabe. Leckerei und Spielwerk weicht der aufkeimenden Begierde,eben so frei, eben so geehrt, eben so glücklich zu werden, als es sein älteres Geschwistersieht" 55). „Die schmeichelnden Aussichten, die man dem Jünglinge eröffnet,die Ehre, der Wohlstand) die man ihm vorspiegelt: was sind sie mehr, als Mittel,ihn zum Mann zu erziehen, der auch dann, wenn diese Aussichten der Ehre und desWohlstandes wegfallen, seine Pflicht zu thun vermögend sei" (8 83). Die fort-schreitende Erziehung hat mit Hülfe eines vollkommenen Elementarbuchs den Zöglingdahin zu führen, daß er das Gesetz, welches er früher in der Zucht eines äußerenGehorsams befolgt hat, als die innere Triebkraft seines Handelns in den eigenen Willenaufnehme. — Mit diesem Gedanken stimmen dann auch die pädagogischen Grundsätzeüberein, welche L. sonst ausspricht. Nichts widerspricht seinem ganzen Wesen mehr,als die Erniedrigung der Erziehung zu einem Abrichten für die Gewinnung der äußerenGüter, „der Ehre und des Wohlstandes", immer ist ihm die wahre Befreiung desGeistes zur Selbständigkeit das Ziel, und seine Forderung ist darauf gerichtet, daß einjeder über den besondern Weg, auf welchem er diesem Ziele zuzustreben hat, sich voll-kommen klar werde und seine ihm zu diesem Zwecke zu Gebote stehenden Mittel weislichund namentlich mit Ausdauer zu Nathe halte. Schon der erste seiner Briefe, welcheruns überliefert ist und welcher überhaupt so interessant ist, weil er schon den ganzen künf-tigen Lessing ankündigt, spricht diese Gesinnung aus. Der fünfzehnjährige Knabe schreibtan die ältere Schwester, die ihm Antwort auf einen früheren Brief schuldig war, nach-dem er zuvor die Alternative erörtert hat, daß sie entweder nicht schreiben könne, odernicht schreiben wolle: „Du bist zwar Deinem Lehrmeister sehr zeitig aus der Schulegelaufen, und schon in Deinem 12. Jahre hieltest du es vor eine Schande, etwasmehres zu lernen; allein wer weiß, welches die größte Schande ist? in seinem 12.Jahre noch etwas zu lernen als in seinem 18. oder 19. noch keinen Brief schreibenkönnen. Schreibe ja! und benimm mir diese falsche Meinung von Dir!" Und dannschließt er mit dem für ihn höchst charakteristischen Ncujahrswunsch. „Ich wünscheDir, daß Dir Dein ganzer Mammon gestohlen würde. Vielleicht würde es Dirmehr nützen, als wenn jemand zum neuen Jahre Deinen Geld-Beutel mit einigen 100Stück Dukaten vermehrte." So bereit L. immer seinen Geschwistern zu Rath und HülfeMar, so verlor er doch niemals den pädagogischen Zweck aus den Augen, sie dahin zubringen, daß sie sich selbst helfen könnten. In diesem Sinne schreibt er im Jahre 1763in Bezug auf seinen Bruder Gottlob an den Vater: „So ungern ich selbst jederzeitvon andern Leuten sogenannten guten Rath angenommen habe, so zurückhaltend binich mit meinem eigenen, und ich will lieber jedem, der es bedarf, meinen letzten Groschen