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Lessing.
gegen den Meister; abschreckend und positiv gegen den Stümper; höhnisch gegen den Prahlerund so bitter als möglich gegen den Cabalenmacher" — das waren die Grundsätze der Taktikin seinen kritischen Kämpfen. Zugleich aber kam durch die unerschütterliche Sicherheit,womit er in allem Streit das letzte und höchste Ziel unverrückt im Auge behielt, in seinganzes Leben, trotz dessen äußerer Unruhe und Unstätheit, eine wunderbare Stätigkeitseines geistigen Entwicklungsganges und seiner geistigen Thätigkeit. Nachdem er zuerstdurch eine allen Erscheinungen des literarischen Marktes sich zuwendende discursivekritische Thätigkeit auf seinem Terrain sich orientirt hat, concentrirt er mehr undmehr seine Kraft und jeder bedeutenderen kritischen Arbeit tritt die positive Leistungeiner dichterischen Schöpfung zur Seite. Den Grundsatz, welchen er in der Schrift„Pope ein Metaphysiker!" theoretisch erörtert hat, exemplificirt er gleichsam in MißSara Sampson. Im Laokoon hatte er der bildenden Kunst die Darstellung des imRaume der Betrachtung stillehaltenden Zustandes, der Poesie den durch die wechselndenZeitmomente hindurch sich entwickelnden Proceß der Handlung zugewiescn, und inMinna von Barnhelm erfüllt er selbst im raschesten Fortschritte der Handlung und inder epigrammatischen Schlagfcrtigkeit des Dialoges diesen Beruf der Poesie. DerTheorie der Hamburgischen Dramaturgie folgt in Emilia Galotti die technisch vollen-detste dramatische Leistung des Meisters, und die durch den Sturm des Fragmenten-streites aufgewühlten Elemente finden im Nathan ihre ruhige poetische Ablagerung.Das Göthesche Wort: „Ein echter Mensch in seinem dunkeln Drange ist sich desrechten Weges Wohl bewußt" findet in L.s Lebcnsgang eine glänzende Bestätigung.Man hat treffend bemerkt, daß man über irgend einen wissenschaftlichen Gegenstandsich nicht besser orientircn könne, als an einer bezüglichen Schrift L.s. Wir dürfenaber wohl einen Schritt weiter gehen und sagen, daß die ganze Persönlichkeit diesesechten Menschen in hohem Grade geeignet sei, uns selbst an ihm zu orientiren, indemer vor uns als ein Muster dasteht selbstverleuguendcr Unbefangenheit, männlicherSelbständigkeit, klarster Einsicht in seinen Beruf und seine Kräfte, unermüdlicherThätigkeit und edelster Freimüthigkeit, und darin eben liegt die pädagogische Bedeutung,welche die gesammte Persönlichkeit des Mannes für Jung und Alt haben kann. Eine„Umkehr der Wissenschaft" zu der sichtenden und erfrischenden Klarheit und Wahrhaf-tigkeit L.s wird man in diesem Sinne sich gerne gefallen lassen dürfen, und je mehrman an ihm sich orientiren gelernt hat, desto weniger wird man versucht sein, aufseine Auctorität hin auch die Jrrthümer und Unzulänglichkeiten festzuhalten, denen aucher nach dem allen Sterblichen gemeinsamen Loose verfallen ist.
Biel kürzer werden wir uns bei Betrachtung der Ansichten fassen können,welche L. in seinen Schriften über pädagogische Fragen gelegentlichausdrücklich ausgesprochen hat. Es kann unsere Aufgabe nicht sein, alle diesegelegentlichen Aeußerungen zusammenzustellen, an welchen es natürlich in den Schrif-ten eines Mannes nicht ganz fehlen kann, der fortwährend mit solcher Sorgfalt ander eigenen Erziehung arbeitete und bei dem, was er zur Belehrung anderer that, mitso trefflicher und bewußter Methode verfuhr, sondern nur einzelnes besonders charak-teristische oder durch seine Beziehung zur Geschichte der Pädagogik wichtige werdenwir hervorzuhcben haben. Am nächsten liegt es an die „Erziehung des Menschen-geschlechtes" zu erinnern. In der That steht diese wunderbare und in ihrer Be-deutung für eine tiefere Erkenntnis der religiösen Entwicklung der Menschheit noch langenicht gehörig gewürdigte Schrift nicht bloß durch ihren Titel in einer Beziehung zurPädagogik. Es ist für die stets auf Entwicklung des Geistes zu selbstthätigem Ver-stehen und Ergreifen der Wahrheit gerichtete Tendenz L.s bezeichnend genug, daß erdie Offenbarung auffaßt als „die Erziehung, die dem Menschengeschlechte geschehen istund noch geschieht," die Erziehung aber als „die Offenbarung, die dem einzelnenMenschen geschieht" 2), und daß er somit Gott selbst dem Erzieher als das höchsteVorbild vor Augen stellt. Im einzelnen hebt er hervor, wie der göttliche Erzieher