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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lcssing.

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Begriff, eine Reise nach Rom zu machen, beschließt er, der ihm angebotenen Empfeh-lungsschreiben sich nicht zu bedienen, „was ich zu sehen, und wie ich zu leben gedenke,das kann ich ohne Cardinäle re.," und als der kurpfälzische Minister von HompeschMiene machte, den Kritiker von großem Namen für seine kleinen Zwecke zu benutzen, dabrach der arme Bibliothekar trotz der ihm eröffneten glänzenden Aussichten die Unter-handlungen augenblicklich ab und ließ den Herr Minister fühlen, daß ein tüchtigerSchriftsteller auf seine Würde und Ehre nicht weniger hält, als ein Freiherr, sondernunter Umständen mehr. Nach diesem allem aber werden wir nicht etwa in einer leicht-sinnigen Unflätigkeit seines Wesens, sondern in dem innersten Triebe seines Geistes,der ihn auf seinen eigentlichen Beruf hinweist, den Grund dafür erkennen, daß L. dasbegonnene Fachstudium bald wieder verließ, nur dem Vater zu Liebe den Vorbedingun-gen zu einem akademischen Lehramte genügte, ohne daran zu denken, sich ernstlich umein solches zu bemühen, bei Tanenzien so wenig aushielt als bei dem HamburgerTheater, und erst im späteren Mannesalter zur Annahme eines Amtes sich entschloß,das ihm, während es ihm einerseits eine sorgenfreiere äußere Existenz sicherte, anderer-seits doch für seine literarischen Beschäftigungen volle Freiheit ließ.

Daß in der That seinem unstäten äußern Leben die größte Stätigkeit des seinesZieles sich klar bewußten inneren Strebens zu Grunde lag, das beweist die unabläßigeund unermüdliche wahrhaft staunenswerthe Thätigkeit, womit er des zur Erforschung derWahrheit erforderlichen gelehrten Materials im ausgedehntesten Maße sich zu bemächtigensuchte. Schon der Knabe wünscht neben eineni Tisch voll Bücher abgebildet zu werden, undauf der Klosterschule zu Meißen giebt ihm sein Rector das Zeugnis: „Er ist ein Pferd,das doppeltes Futter haben muß. Die Usotiones, die andern zu schwer sind, sind ihmkinderleicht; wir können ihn fast nicht mehr gebrauchen." So tritt uns denn auchin seinen ersten schriftstellerischen Versuchen schon der Jüngling als ein är-h« ircwav^chentgegen. Aus einer reichen Fülle von Gelehrsamkeit ist ihm für seinen jedesmaligenZweck aus den verschiedensten Wissenschaften auch das Entlegenste in voller Klarheitund Sicherheit zur Hand. Das Schleiermachcrsche Wort: „Gedächtnis ist Interesse"ist keines anderen Beispiel in solchem Grade zu illustriren und zu bestätigen geeignet,als das L.s. Das Interesse aber, welches ihn die mannigfaltigsten Kenntnisse so eifrigsuchen und so sicher festhalten lehrte, und welches sie ihm in jedem Augenblicke präsenterhielt, ist nicht aus die Gelehrsamkeit als solche gerichtet, sondern auf die wissenschaft-liche Erkenntnis der Wahrheit. Die Gelehrsamkeit ist ihm nur Mittel zu diesem Zweck.Er verbittet daher ausdrücklich den Namen eines Gelehrten, er möchte nicht gelehrtsein, und wenn er es im Traum werden könnte, sondern alles, wornach er trachtet, „istim Falle der Noth ein gelehrtes Buch brauchen zu können;" denn „der aus Büchernerworbene Reichthum fremder Erfahrung heißt Gelehrsamkeit. Eigene Erfahrung istWeisheit. Das kleinste Kapital von dieser ist mehr Werth, als Millionen von jener."L. war ein großer Bücherkcnuer und auch ein Bücherfreund, und seiner Sachkenntnisund Umsicht gelang es, ihn in den Besitz von für seine Verhältnisse sehr bedeutendenBücherschätzen zu setzen. Aber auch diese besaß er nur, um sie zu gebrauchen. Erwar in seine Bibliothek nicht verliebt, sondern wußte, wenn die Umstände es forderten,guten Muthes von ihr sich zu trennen, ähnlich wie der Minister Stein es für die Un-abhängigkeit und Selbständigkeit des männlichen Geistes förderlich fand, wenn manzuweilen in den Fall komme, sein Gepäcke zu verlieren. In solchem Geiste hat L.ganz besonders dazu beigetragen, uns von dem Banne einer todten Gelehrsamkeit zurwahren, auf selbstthätiger Erforschung und Anregung der Wahrheit beruhenden Wissen-schaft hindurchzuführen. — Darauf auch bei andern hinzuarbeiten, war denn auch beiseiner ganzen kritischen und polemischen Thätigkeit sein letzter Zweck. Weil ihm nundie selbstthätige Anregung der Wahrheit den Werth des Menschen und die wahre Weis-heit begründete, so suchte er die selbstzufriedene Sicherheit des gewohnheitsmäßigenBesitzes einer wirklichen oder eingebildeten Wahrheit zu stören, er liebte es dann, auch