Leseunterricht.
Lessing.
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m ihnen genährt und gestärkt werde. Es ist dies eine so anerkannte Forderung, daßauch in höheren Schulen und Unterrichtsanstalten, wo die Schüler in den Lehrbüchern,die sie für verschiedene Fächer zur Hand haben, des Lesestoffs genug finden, doch dieEinführung eines eigentlichen Lesebuchs für gewisse Clasfen als nothwcndig oder dochsehr zweckdienlich erkannt wird. Die Befürchtung aber, welche sich noch hie und davernehmen läßt, daß dadurch der Sinn für andere, anstrengendere Lectüre und beson-ders für das Bibellesen abgeschwächt werden möchte, wird durch die Erfahrung wider-legt, daß Kinder, welche am Lesebuch mit fortgesetztem Verlangen nach Verständnisdessen, was sie anzieht, mit Aufmerksamkeit und Nachdenken lesen gelernt haben, auchin der Bibel und in den anderen Lehrbüchern weit mehr denkend lesen, als diejenigen,welche durch das ununterbrochene Einerlei, und wäre es auch das Einerlei des WortesGotteS, innerlich ermattet und gleichgültig geworden sind. Wie uns etwa in einemOratorium, nachdem wir sonst des Schönen viel gehört haben, ein Choral noch weitmehr anspricht als jenes und als sonst, wenn wir nur Choräle nach einander hörenoder spielen: so geht es unseren Kindern mit dem Lesebuch und der Bibel. Der In-halt von dieser zieht sie nachher nur um so mehr an und dringt durch die geöffnetenPforten des Geistes und Gemüthes nur um so kräftiger ein.
Wir können diesen Artikel nicht schließen, ohne den Wunsch anszusprechcn, esmöchte in allen Schulen dem Leseunterricht um seiner großen Bedeutung willen wennauch nicht mehr Zeit, denn an dieser fehlt es ihm gewöhnlich nicht, so doch immer mehrSorgfalt zugewendet werden, und zwar nicht bloß auf der untersten Stufe des elemen-tarischen Lesens, auf welcher gewöhnlich noch am meisten Methode und Fleiß des Lehrerszu finden ist, sondern auch ans den höheren Stufen bis zum Austritt aus der Schule.Denn wenn gleich die Schule niemals Lesekünstler wie Ticck, Grnnert und ähnlicheMänner bildet, so kann und muß man doch die bescheidene Forderung stellen, sie solleihre Schüler dahin bringen, daß sie immer gerne und mit Nachdenken lesen, und wosie zur Erbauung oder zur Unterhaltung vorlesen, gerne gehört werden und durch dieArt, wie sie vorlesen, bei den Hörern eine gute Frucht schaffen helfen. Stockmayer.
Lessing. Wenn es sich hier auch nicht um eine Biographie Lessings handelt,sondern nur um die Herausstellung seiner Bedeutung für vie Pädagogik, so wird esdoch auch zu diesem Behufe und zugleich zu vorläufiger Orientirung zweckmäßig sein,an die Hanptdata seines Lebens und seiner schriftstellerischen Laufbahn zu erinnern.
Gotthold Ephraim Lessing war am 22. Januar 1729 zu Kamenz in derLausitz, an der schwarzen Elster, nordöstlich von Dresden, geboren, wo sein Vater,Johann Gottfried Lessing, erster Stadtpfarrer war. Nachdem L. auf der Fürstenschulezu Meißen seine Vorbildung erhalten hatte, bezog er 1746 die Universität Leipzig.Hier verließ er gegen den Wunsch seiner Eltern das ausschließliche Studium der Theo-logie und bemühte sich um eine allgemeine wissenschaftliche, literarische, ästhetische undweltmännische Bildung, indem er auch die Gelegenheit nicht verschmähte, welche ihnzu dem letztgenannten Zwecke das damals in Leipzig blühende Theater der CarolineNeuber darbot. Von den Bühnenstücken, welche er schon damals schrieb, ist der jungeGelehrte (1747) das charakteristischste. Dem Drange seines Geistes nach Unab-hängigkeit folgend, nahm er dann, gleichfalls auf eigene Faust , 1748 seinen Aufenthaltin Berlin, wohin er auch, nachdem er 1752, um mehr nach dem Wunsche seines Vatersals aus eigner Neigung die Vorbedingung zur Erlangung eines akademischen Lehramteszu gewinnen, in Wittenberg Magister geworden war, zurückkehrte (1751: Das Neuesteaus den: Reiche des Witzes). Von 1755—1758 finden wir ihn inLeipzig. Einegrößer angelegte Reise, auf welcher er einen Kaufmann hatte begleiten sollen, führtemir bis nach-Amsterdam (1755: Pope ein Metaphysiker! und Miß SaraSampson). In der Mitte des zuletzt genannten Jahres begab er sich wieder nachBerlin und tauchte dann 1760 zum Erstaunen seiner Freunde plötzlich als Gouverne-Mdag. EncyklopSbi-. IV. 26