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Leseunterricht.
aber ist diese Mannigfaltigkeit in materialer Hinsicht von Wichtigkeit. Die Bibel, inwelcher der Geist GotteS wie sonst nirgends Weht, durch welche er dem menschlichenGeiste nnd Gcmüthe unmittelbar sich mittheilt, ist wie überall so auch für die Schuleund zwar nicht nur für die Volksschule, sondern auch für die Real- nnd Gelehrten-schnle, das oberste nnd beste Lesebuch, und ihre Geschichten, Lehren, Ermahnungen,Tröstungen und Verheißungen bieten, wenn man nur richtig auswählt, ebenso fürjüngere wie für ältere Schüler angemessenen Lesestoff. Nur würde man sich an ihrund an den Schülern oersündigen, wenn man sie bloß zur mechanischen Leseübung be-nützen oder vielmehr herabwürdigen würde, und wenn irgendwo, so ist es hier geboten,ans ein verständiges und gutes Lesen mit aller Sorgfalt zu halten. Wenige Stundenoder Halbstunden in der Woche, in welchen so die Bibel gelesen wird, gewähren demInnern der Schüler mehr Gewinn, als wenn die halbe Schulzeit mit gedankenlosemBibellesen ausgefüllt wird, durch welches die Kinder nur gelangweilt, zu Unarten ge-reizt, an Gedankenlosigkeit gewöhnt und großentheils auf Lebenslang gegen das Bibel-lesen eingenommen werden. Ein einziges göttliches Wort, recht ins Innere ausgenommen,wirkt mehr als tausende, die bloß durch den Mund oder die Ohren gegangen sind.Nächst der Bibel bieten das Gesangbuch nnd der Katechismus den wichtigsten Lesestoff,jenes, weil das Kirchenlied die poetische Darstellung göttlicher Gedanken, dieser, weiler die allgemeinfaßliche, confessionsmäßige kurze Darstellung der Grundwahrheiten nndGrundgebote des Christenthums ist. Mit beiden ist unsere gesammte Schuljugend be-kannt zu machen, nnd wo dies nicht geschieht, da ladet man sich eine große Verant-wortung auf. Wenn wir aber zu diesem Behufs das Gesangbuch in der Schule be-nützen, so sollte, wie schon bemerkt, nicht Lied für Lied der Reihenfolge nach gelesenWerden, sondern nur das, und das zu wiederholten Malen, was für die Schüler paßt.Dieses sind aber nicht die schwachen, auf der Oberfläche schwimmenden nnd darumscheinbar leicht verständlichen Lieder, die sich noch in manchen Gesangbüchern in größereroder kleinerer Zahl finden, sondern die besten sind es, die kräftigsten, in die Tiefegehenden, die glaubensfrendigsten Kernlieder, welche theilS wegen ihrer einfachen Sprache,thcils wegen ihrer Kraft und Entschiedenheit mehr als jene ansprechen und ebendamitden Eingang ins Innere der Schüler, bald durch den Verstand zum Herzen, bald durchdas Herz zum Verstände finden. Ans demselben Grunde kann der Katechismus alsLesestoff dienen und gewährt, weil die Begriffe in ihm sich ungewöhnlich znsammen-drängen, eine ganz besondere llebnng im Lesen, besonders im verständigen und gutenLesen. Neben diesen Büchern aber kann der gehobene Leseunterricht eines besonderenLesebuchs nicht entbehren. Die Neuzeit hat dasselbe gebieterisch gefordert, in großerMannigfaltigkeit hervorgebracht und in einer fast beispiellosen Zeitkürze in sehr vielenSchulen einheimisch gemacht. Abgesehen von dem Zwecke des Sprach- nnd Realunter-richts, dem es auch zu dienen hat, von dem aber zu reden hier nicht der Ort ist, istes der Leseunterricht, dem es, wie sein Name sagt, zuvörderst dienen soll. Denn dieSchüler können zu einem befriedigenden Ziele des Leseunterrichts nicht gelangen, wennsie sich, was die Form betrifft, nur an der Sprache der lutherischen Bibelübersetzungund dem in sprachlicher Hinsicht damit enge verwandten Katechismus oder auch anEiner Art von Dichtung, der religiösen, üben. Ebenso ist eS aber auch um des ver-ständigen nnd guten Lesens willen nöthig, daß der Inhalt dessen, was sie lesen, mannig-faltig sei, nnd zwar so, daß ihnen die Wahl unter den Lesestücken schwer wird, weilimmereines wieder mehr sie anzieht als das andere. Ob die Lesestücke zugleich Belehrungin den Realien enthalten oder nicht, das ist, wenn wir bloß das Lesen im Auge haben,ziemlich gleichgültig. Aber das Lesebuch soll ebensowenig ein trockenes Compendiumrealistischen Wissens als etwa eine Beispielsammlung für den grammatikalischen Unter-richt sein. Denn sonst wäre es mit Einem Worte kein Lesebuch. Das Beste nachForm und Inhalt, was man Kindern geben kann, soll es enthalten, damit ihr Geistdaran erwache und sich hebe nnd der Sinn für gute Lectürc, für das Lesen res Besten