Leseunterricht.
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Lehrgcschick ausgerüsteter und unermüdet eifriger Mauu sein müße. So allein könnenwir uns die Resultate, welche Seltzsam erzielt haben soll, erklären; aber freilich wirdein solcher Mann auch bei einer andern Methode, die seiner Individualität entspricht,Erhebliches leisten. Der Lehrer ist am Ende doch die Hauptsache bei jeder Methode. —Zum Schlüsse dieser Darstellung der verschiedenen Methoden des elementarischen Lese-unterrichts veranlaßt uns aber eben der Bericht über die Zacototsche Lesemethode zudem Urtheil, daß, soviel auch in diesem Unterrichtsfcld schon gcthan worden ist, dieActen doch noch nicht als geschlossen angesehen werden dürfen, sondern immer weitereFortschritte in der elementarischen Lesemethode zu erwarten sind. Sie werden kommen,wenn die Worte Fr. Scholz'S gebührend beachtet werden: „Nur um eins wollen wirbitten: Laßt uns Lehr- d. h. Methodenfreiheit! Methodenzwang ist so drückend undverderblich als Glaubenszwang!" (Nacke, Päd. Jahresb. 1847. S. 89.)
Mit dem Bisherigen haben wir es versucht, von den vielen Methoden des ersten(elementarischen) Leseunterrichts die wesentlichsten in ihren charakteristischen Repräsen-tanten darzustellen, zu ordnen und zu beurtheilen. Welche von ihnen nun anznwendensei, müßen wir den einzelnen Lehrern überlassen; wir sind aber der Ansicht, die bestesei die, welche der geistigen Entwicklungsstufe der Schüler am angemessensten ist, ihreSelbstthätigkeit am besten in Anspruch nimmt und am sichersten, schnellsten und nach-haltigsten zum Ziele ^ führt. Dieses Ziel ist aber immerhin noch ein niedriges; dieSchüler können nicht weiter als (abgesehen vom Schreiben) die durch die Buchstabenbezeichnten Laute in ihrer Verbindung zu Sylben, Wörtern, Sätzen aussprechen. Bissie im vollen Sinne des Wortes recht lesen können, ist wahrlich noch viel zu thun, undes ist schwer zu verantworten, wenn Lehrer, nachdem das erste Ziel erreicht ist, ansihren Lorbeeren ansruhen wollen in der Meinung, es bedürfe jetzt weiter nichts alsdie Schüler viel lesen zu lassen. Diese Meinung scheint jedoch noch weit verbreitetzu sein, da in nicht wenigen Schulen nach den schönen Fortschritten der Kinder imersten Schuljahr am Ende einer sieben- bis achtjährigen Schulzeit ein gar unbefriedigen-des Ziel des Leseunterrichts erreicht erscheint. Soll es dahin kommen, daß die Schülerbeim Austritt ans der Schule im vollen Sinne lesen können, so ist nach dem erstenelementarischen Leseunterrichte noch ernstlich und weise weiter fortzufahren.
Es ist ans dieser ersten Stufe noch nöthig, die Schüler dahin zu bringen, daß siealles richtig, sicher und fertig lesen. Nichtig lesen heißt aber nicht alleinalle Laute rein, sondern auch in der Ordnung, in welcher die Buchstaben vor denAugen sind, in der rechten Verbindung mit einander anssprcchen, ohne einen Laut ans-zulasscn, mit einem andern zu verwechseln oder einen andern hinzuznthun. Dies allesist keineswegs schon erreicht, wenn die Kinder am Ziele des ersten elementarischen Lese-unterrichts angelangt sind. Die Reinheit der Anssprache der Laute ist nicht nur beieinzelnen Schülern durch ungünstige Beschaffenheit ihrer Sprachorgane, sondern auchbei ganzen Schnlclassen durch die herrschende Volksmnndart nicht selten erschwert, nndes gehört nicht wenig Fleiß und Geschick des Lehrers dazu, diese Schwierigkeiten zubesiegen. Aber auch die Verhütung sog. Lesefehler hat besonders in der Achtlosigkeit,Flatterhaftigkeit, Trägheit und Vergeßlichkeit der Schüler einen stets wiederkehrendenHemmschuh. Und doch darf man keine solche Lesefehler hingehen lassen, nnd wäre esauch nur um des formalen Grundsatzes willen, daß die Schüler angehalten werdenmüßen, alles, was sie thun, genau und recht zu thnn. Dazu aber genügt es nicht,daß der Lehrer nur die Schüler lesen läßt und etwa mit halber Aufmerksamkeit danebenetwas anderes treibt, noch daß er, wenn ein Schüler falsch gelesen hat, das Wortrichtig vorspricht und den Schüler nachsprechcn oder vielleicht gar ohne Nachsprechenweiter machen oder statt dieses Schülers, der den Fehler gemacht hat, einen anderndas Wort richtig anssprechen läßt. Man muß den Schüler durchaus anhalten, denFehler selbst zu corrigiren und zu diesem Zwecke die Buchstaben genau anznsehen,wobei man, wenn es nicht anders gehen will, fordert, daß er die Laute der einzelnen