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Leseunterricht.
Buchstaben nach einander und dann das Wort im Zusammenhänge laut ausspreche.Gut ist es dann, denselben Schüler ein solches Wort öfter in verschiedenem Zusammen-hänge unv ebenso ähnliche Wörter öfter lesen zu lassen. Denn die Uebung ist keingeringes Mittel zum Richtiglesenlernen. Aber sie allein reicht nicht aus. Man machtbei vorgerückteren Schülern häufig die Warnehmung, daß sie größere und schwerereWörter richtig, aber kleine und leichte falsch lesen, daß es also nur an Aufmerksamkeitund Genauigkeit bei ihnen fehlt. Darum ist darauf zu dringen, daß sie anfangs,nachdem sie auf den Fehler aufmerksam gemacht worden sind, später aber, ohne daßdies geschehen ist, denselben Satz so oft wieder lesen, bis sie keinen Fehler mehr machen.Wenn sie auch darüber ungeduldig werden wollen, und wenn auch die anderen für denAugenblick scheinbar gelangweilt werden: es ist das ein Mittel, das consequent fort-gebraucht auf den einzelnen achtlosen Schüler und auf die ganze Classe von der bestenWirkung ist. Besonders aber thut es noth, in den unteren Classen unerbittlich aufdurchaus richtiges Lesen zu halten, weil sich sonst die Achtlosigkeit und Flüchtigkeit soleicht angewöhnt und in den späteren Jahren zur Macht geworden kaum mehr zu über-winden ist. Schließlich bedarf es kaum noch der Bemerkung, daß man den Schülern,um sie zum Richtiglesen zu bringen, nicht zu Schweres aufgeben, sondern wie überallso auch hier vom Leichten zum Schweren aufsteigen soll, wobei man sich ja zunächstnur an eine gute Fibel zu halten hat. ^
Mit dem Richtiglesen wird das Sicherlesen nicht selten identificirt. Es istaber ein Unterschied zwischen diesem und jenem. Es kommt nicht selten vor, daß Schülerzwar nicht falsch lesen, aber fast wie Stotternde ein Wort, das nur einmal im Buchesteht, zwei- und dreimal aussprechen, ehe sie weiter lesen, oder an einem größerenWorte einmal um das andere einen Anlauf nehmen, die erste Stflbe zwei- und mehrmalaussprechen, bis endlich das ganze Wort herauskommt, oder vor einem größeren Worteeine Pause machen, als fürchteten sie sich vor der zu schwierigen Aufgabe. Da sagtman, sie lesen unsicher. Zum Sicherlesen gehört also, daß ein Wort oder eine Sylbenicht öfter ausgesprochen wird, als sie im Buche steht, und daß das einmal einge-schlagene Tempo, es mag langsamer oder schneller sein, eingehalten und nicht aus bloßerFurcht vor der Schwierigkeit eines Wortes pausirt wird. Die Unsicherheit scheint umso mehr sich einzustellen, je ernstlicher vom Lehrer auf richtiges Lesen gedrungen wird.Das darf aber niemand vom letzteren abhalten. Vielmehr dienen großentheils diegleichen Mittel, welche zum richtigen Lesen angewendet werden, auch zum sicheren Lesen.Insbesondere ist es zu empfehlen, daß man auch den unsicher gelesenen Satz so oftwieder lesen läßt, bis er ganz sicher gelesen wird. Gut wird es auch sein, — um nocheiner scheinbaren Kleinigkeit zu erwähnen — wenn man den Schülern bald das Nach-deuten mit dem Finger rc. abgewöhnt, damit das Auge um so mehr geübt wird, selb-ständig von Wort zu Wort zu gehen und nach und nach während des Aussprechenseines Wortes schon die folgenden zu überblicken.
Zum fertigen Lesen gehört, daß die Worte nicht allzu langsam gesprochen, dieeinzelnen Sylben des Wortes nicht ungebührlich von einander getrennt werden und dasganze Lesen nicht den Ausdruck des Zwanges und der Anstrengung, sondern der Leichtig-keit und Gewandtheit hat, obwohl auf der andern Seite ein allzuschnelles, flüchtiges,hudelndes Lesen nicht gestattet werden darf. Welches das richtige Tempo beim Lesensei, läßt sich nicht im allgemeinen und für alle Classen bestimmen. Anfangs ist umder Richtigkeit und Sicherheit willen ein langsameres Lesen immerhin zu empfehlen.Allmählich aber sollte es schneller werden, und für die Oberclasse scheint das richtigeTempo dasselbe zu sein, das man Leim Sprechen einhält, wenn man deutlich zu sprechensich bemüht und mit Personen spricht, die man hochachtet. Zu dieser Fertigkeit imLesen dient vornehmlich viele Uebung. Es kann dazu nicht genügen, daß in größerenClassen von jedem Schüler einmal oder ein paarmal in der Lesestunde ein Satz laut ge-lesen wird. Zwar sollen die anderen Schüler Nachlesen, und es ist gut, wenn sie es