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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Leseunterricht.

lehrt er sie die Zeichen für diese Laute an der Tafel erkennen. Er nennt sie der Reihenach, indem er auf sie deutet; die Schüler nennen sie; er deutet an die Zeichen außerder Ordnung, die Schüler nennen sie; er spricht die Laute vor und die Schüler müßendie Zeichen für sie finden. Der Lehrer giebt nun auch die Namen der Buchstaben,spricht von Stimmlaut, Vorlaut und Nachlaut, läßt das Wort bnchstabircn. Nungeht es zu dem nächsten Wort n. s. w. und jedes wird wie das erste behandelt nurmit dem Unterschiede, daß schon vorher bekannt gewordene Buchstaben in dem be-treffenden Worte gesucht und ihrem Laute nach wieder erkannt werden. Bald nachdem Beginn dieses Leseunterrichts wird der Schreibunterricht damit verbunden. Nacheinigen Vorübungen im Ziehen von Linien stellt der Lehrer die Schüler vor die Wand-tafel, ans welche mit rother Farbe die zum Schreiben nöthigen Doppellinien gezogensind. Der Lehrer schreibt das Wort „Franz" vor, die Schüler zerlegen es in seineLaute, der Lehrer lehrt sie die Schreibbuchstaben des Wortes kennen. Dann lernen siemit der Kreide die einzelnen Buchstaben und nach und nach das ganze Wort schreiben,nachher ebenso ans die Schiefertafel unter fortgesetzter Uebung im Lesen, Auflösen undBuchstabiren der Wörter. — Diese Methode, welche in Schlesien vorzugsweise ver-breitet ist (K. Seltzsam ist erster Lehrer an den Elementarclassen des Gymnasiums zuMaria Magdalena in Breslau), hat, wie zu erwarten stand, manche Gegner gefunden,unter welchen z. B. Krüger in seinen „Beiträgen zur Beurtheiluug der JacototschenLehrmethode" sie für naturwidrig und darum unmethodisch erklärt. Dagegen versichertFr. Scholz aus eigener Anschauung, daß „auf diese Weise unterrichtete Schüler, welcheMitte Octobers ohne Vorkenntnisse in die Schule eingetreten waren, nach einem unter-brochenen viermonatlichen Unterricht so weit gekommen seien, daß sie aus dem neuenLesebuch nicht nur willkürlich gewählte Lesestücke richtig, ziemlich fertig und mit Aus-druck lesen, sondern auch einen vorgesprochenen kurzen Satz recht deutlich, orthographisch-richtig und mit Bewußtsein der Gründe, warum jedes Wort so und nicht anders ge-schrieben werden muß, an die Wandtafel schreiben konnten." (!) (Vgl. Nacke, pädag.Jahresbericht 1847. S. 81 ff.) Dies ist freilich nicht wenig und kann, da an derWahrhaftigkeit des Zeugen zum voraus nicht zu zweifeln ist, nur zur Empfehlung derMethode gereichen. Sollen wir unser eigenes Urtheil über sie aussprechen, nachdemwir Zeugen eines Versuchs gewesen sind, den ein tüchtiger und gewandter Lehrer mitihr gemacht hat, so müßen wir vorerst anerkennen, daß sie vor der Methode Gedikes,mit der sie zunächst verwandt ist, wesentliche Vorzüge hat, indem sie nicht wie dieseallein das Gedächtnis der Schüler in Anspruch nimmt, sondern sie alsbald in geistigeSelbstthätigkeit versetzt, mit welcher sie die den bekannt gewordenen Lauten entsprechendenZeichen und von den bekannten Zeichen in den folgenden Wörtern die Laute selbstfinden müßen. Es werden somit fast alle Thätigkeiten des Erkenntnisvermögens un-mittelbar nacheinander in Anspruch genommen und geübt und dieser erste Leseunterrichtkann mit Recht als geistweckend bezeichnet werden. Folgt zwar ferner der Schreibun-terricht dem Anfang des Lesens erst nach, weshalb die Methode besser als Leseschreib-

unterricht zu bezeichnen wäre, so tritt doch diese Verbindung bald ein, wodurch nichtnur die Selbstthätigkeit der Schüler vermehrt, sondern auch in der gleichen Zeit dasZiel des ersten Schreibunterrichts erreicht wird. Dabei können wir aber doch nichtdie Meinung zurückhalten, a) in Beziehung aus den Leseunterricht, daß diese Methodenur bei fähigeren und aufgeweckteren Kindern, die schon zu abstrahireu im Standesind, Anwendung finden oder wenigstens von erwünschtem Erfolg sein könne, b) inBeziehung auf den Schreibunterricht, daß die Buchstaben, welche nach dieser Methode,weil sie zuerst gelesen worden sind, auch zuerst geschrieben werden sollen (z. B. beiSeltzsam: Franz) eben nicht die leichtesten für die kleinen Anfänger sind und somitder Schreibunterricht wenigstens in seinem Anfang keinen methodischen Gang einschlage;

o) in Beziehung auf das Ganze aber, daß der Lehrer bei dieser Methode vorzugsweise

nicht bloß seiner Sache Meister, sondern auch überhaupt ein tüchtiger, mit besonderem