Leseunterricht.
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Augen und Hände in der Bildung der Elemente unserer Currentschrift, senkrechte Linie,rechts schiefe Linie, Oval, Schleife, Bogen rc. zu üben. Man wird sich jedoch zuhüten haben, daß man bei diesen Vorübungen nicht zu lange verweilt und aus falschemStreben nach Gründlichkeit und Vollständigkeit den Zweck, welchem allein sie dienensollen, nämlich auf das Schreiblesen vorzubereiten, aus dem Auge verliert. DieSchreiblesemethode ist gegenwärtig da, wo das Unterrichtswesen Fortschritte gemachthat, wohl die verbreitetste und hat die Buchstabirmethode und die reine Lautirmethodegrößtentheils verdrängt. Zwar läßt sich nicht leugnen, daß die letztere in kürzerer Zeitdie Schüler dahin bringt, daß sie lesen können, weil das Schreibenlernen langsamervor sich geht als das bloße Behalten der Buchstaben und ihrer Laute. Allein manwird nachher, wenn das Schreiben nach dem Lautiren besonders gelehrt wird, dazuebensoviel Zeit brauchen, und somit wird sich der nöthige Zeitaufwand bei beidenMethoden zum mindesten ausgleichen. Dann aber hat die Verbindung des Schreibensmit dem Lautiren den dreifachen Vorzug, daß 1) Form und Laut des Buchstabenssich den Schülern vermittelst des Schreibens fester einprägt; denn was ich thue, gehttiefer ein und bleibt sicherer in der Seele, als was ich bloß sehe; 2°) daß die durchdie Beschäftigung der Hand vermehrte Selbstthätigkeit der Schüler und das Bewußt-sein, nun selbst etwas machen zu können, sie vor Langeweile und geistiger Ermüdungbewahrt, die Freude und den Eifer im Lernen steigert, und 3) daß damit frühe schondie Möglichkeit gegeben ist, die kleinen Schüler, während ihnen vom Lehrer nicht un-mittelbarer Unterricht ertheilt werden kann, auf zweckmäßige Weise zu beschäftigen, wasbesonders in größeren Schulclassen mit mehreren Abtheilungen nicht zu gering anzn-schlagen ist.
An die Schreiblesemethode reiht sich noch die Jacototsche Lesemethode an,die von ihrem Urheber Joseph Jacotot den Namen hat. Sie wird auch von derBuchstabir-, Syllabir- und Lautirmethode durch den Namen Verbal- oder Wortmethodeunterschieden, zu Bezeichnung ihrer Eigenthümlichkeit die analytische oder analysirendeLesemethode genannt. Die allgemeinen didaktischen Grundsätze Jacotots können wirhier übergehen, verweisend auf den ausführlichen Artikel „Jacotot" in diesem WerkeBand III. S. 731 ff. und beschränken uns auf die Darstellung der Methode in der-jenigen Form, welche sie in Deutschland vorzugsweise durch Wein gart und K. Seltz-s am gewonnen hat. (Weingart, vollst. Cursus von Jacotots allg. Unterr.-Methode rc.Ilmenau 1830. K. Seltzsam, Jacotots Methode in ihrer Anwendung auf den erstenLeseunterricht und die schriftlichen Hebungen. Breslau 1841. Derselbe: Der Geist derJacototschen Methode in Beziehung auf den ersten Leseunterricht. Ein Vortrag, gehaltenin einer pädagogischen Versammlung zu Breslau d. 15. April 1846. Derselbe: ErstesLesebuch zum Gebrauche bei Anwendung der Lesemethode nach Jacotot. Bresl. 1846.Derselbe: Zehn Lesetafeln, vorzugsweise zum Gebrauch beim ersten Leseunterricht nachJacotots Methode. Bresl. 1846.) Wir versuchen diese Methode in Folgendem mög-lichst kurz und deutlich darzustellen. Der Lehrer wählt eine kleine Erzählung, in welcheralle Buchstaben (und Laute) unserer Sprache Vorkommen, und deren Inhalt für dieKleinen anziehend ist. Diese haben die Schüler (gedruckt oder geschrieben) an derTafel vor Augen. Der Lehrer spricht sie zuerst wörtlich vor und die Schüler sprechensie nach. Ist das mehrmals geschehen, so geht der Lehrer an den ersten Satz, derans lauter einsylbigen Wörtern bestehen soll, (z. B. „Franz! Franz! o komm dochbald zu mir!"). Er liest den Satz langsam und deutlich vor, während er mit demStabe die einzelnen Wörter andeutet; die Schüler lesen einzeln und zusammen dieWörter unter fortgesetztem Andeuten des Lehrers. Hierauf läßt er außer der Ordnungeinzelne Wörter sagen, indem er auf sie hindeutet, und spricht dann einzelne Wörteraus und läßt die Schüler sie zeigen. So prägt sich nach und nach das Bild dieserWörter den Schülern ein. Nun spricht der Lehrer das erste Wort recht gedehnt ansund läßt die Schüler die einzelnen Laute, aus welchen es besteht, herausfinden. Dann