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Leseunterricht.
andererseits auch an die Olivierschen Forschungen über die Genesis der einzelnen Lautean. Unter dem Einfluß der pestalozzischen UnterrichtSprincipien begnügte Krug sich nichtdamit, den Schüler für jedes Zeichen (Buchstaben) den entsprechenden Laut sich merkenund aussprechcn zu lassen, sondern meinte dabei „das bestimmteste Bewußtsein allesdessen, was hiezu durch die Modisicationen der einzelnen Sprachorgane geschehen muß",in dem Schüler Hervorrufen zu müßen. So wurde das „Mund weit (a)! Mund breit(e)! Mund spitz (u)! Mund rund (o)!" n. s. w. geboten. So kamen zwar andereLantnamen als die Olivierschen, aber keineswegs leichtere an die Reihe. I. Verschlüsse:
1) Lippenschlüsse, a) der scharfe (p), b) der sanfte (b); 2) Zahnschlüsse, a) derscharfe (t), b) der sanfte (d); 3) Ganmenschlüsse, a) der scharfe (k), b) der sanfte(g); II. Tonlaute: 1) Nasentonlaute, a) der Lippenlant (m), d) der Zahnlaut (n),v) der Gaumenlaut, an) mit scharfem Abstoß (nk), bb) mit sanftem Abstoß (ng);
2) Mündungstonlaute, a) der Windlaut (w), d) der Zungenlaut (l), o) derSchnurr-lant (r); III. Reine Laute: 1) Blaselaute, a) der scharfe (f), b) der sanfte (f, v, pH),2) Säusellaute, a) der scharfe (s, ß, st, sp), d) der sanfte (s); 3) Zischlaute, a) derscharfe (sch), b) der sanfte (sch); IV- Hauche: 1) Zungenhanche, a) der scharfe (ch),d) der sanfte (g); 2) Gaumenhanche, a) der scharfe (ch), t>) der sanfte (g); 3) Ton-laut (j); 4) Kehlhauche, a) der scharfe (h), d) der sanfte, welcher nicht gehört wird (!).Diese sämmtliche Namen der Laute sollten die Schüler sich merken. Der Lehrer solltesie angeben und der Schüler demgemäß die Sylben anssprechen; z. B. sagt der Lehrer:Sanfter Lippenschluß und a! so soll der Schüler sprechen: ba; sagt der Lehrer weiter:Sanfter Zahnschlnß und e! so soll der Schüler sprechen: de; zusammen: bade. Ebensosollte Leim Lesen bei jedem Buchstaben der Name seines Lautes gesagt und dann erstmit dem vollen Bewußtsein der Thätigkeit der einzelnen Sprachorgane lantirt werden.(Krug, Hochdeutsches Syllabir-, Lese- und Sprachbuch. Lpz. 1806; Erstes Lehr- undLesebuch für Bürger- und Landschulen rc. Lpz. 1807; und Ausführliche Anweisung, diehochdeutsche Sprache recht aussprechen, lesen und recht schreiben zu lehren. Lpzg. 1808.)Diese Methode adoptirte zuerst der oben genannte K. A. Zeller und suchte sie durchvermeintliche Vereinfachung in die Schulen zu bringen. (Elemente der deutschen Sprach-zeichenlchrc. Königsb. 1810.) Diesem folgten mit verschiedenen Modisicationen nachGraßmann, Balbier, Häbler, Sommer, Schulze, Hientzsch u. a. Wie auchder Wille, theilweise der Scharfsinn und die Bemühung dieser Männer zu schätzen ist,haben sie doch der Methode weder Ausbreitung, noch langen Bestand verschaffen können.Ist es schon ganz unpsychologisch zu verlangen, daß das Kind bei jeglichem Lautejeder Muskelbcwegung in seinen Sprachorganen sich bewußt werde und bleibe, so findetsich auch gerade in Beziehung aus diese Bewegungen ein merkwürdiges Schwanken(man vergleiche nur zunächst die oben aufgeführten Benennungen Oliviers und Krugsmiteinander), und bei Krug selbst fällt es auf, wie er, nur um zu siistematisircn, denLaut f, v und pH unterscheidet, wie er die Laute ch und g durch zwei verschiedeneOrgane entstehen läßt und gar einen Lantnamen aufstellt für einen Hauch, den mannicht hört, der also kein Laut ist. Ist eS ferner für den Zweck des Lesenlernens völligüberflüssig, sich dabei der Bewegung der Sprachwerkzeuge deutlich bewußt zu werdenund dieselbe mit Namen zu nennen: so wird dadurch der Leseunterricht Lehrern undSchülern aufs ungebührlichste erschwert und verzögert und Hergang hat nicht unrecht,wenn er alle diese Verwissenschaftlichung und Verkünstlichung des ersten UnterrichtsVersuche nennt, „das Lesenlernen auf eine schwere Weise zu erleichtern."
Statt dieses unbrauchbaren Erkers am Gebäude des Leseunterrichts muß nun dieSchreiblesemethode gerühmt werden als ein wirklich schatzenswerthcs weiteres Stock-werk. Man nennt sie häufig die Grasersche Methode, obgleich schon lange vorGraser ein Anfang damit gemacht worden war. Schon im 17. Jahrhundert hat derals Lehrer der alten Sprachen bekannte Wolfgang Ratich vorgeschlagcn, bei demUnterricht im Lesen das Schreiben zu Hülfe zu nehmen, mit den „schlechtesten" (ein-