Leseunterricht.
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Wort des Räthsels hat doch er zuerst ausgesprochen und jedenfalls die Methode zurGeltung und in die Schulen gebracht, weshalb sie auch häufig die Stephanische Lautir-methode genannt wird. Er veröffentlichte sie 1803 zuerst in der „Pädagogischen Biblio-thek von GutsMuths", dann in seiner „Fibel oder Elementarbuch zum Lesenlernen",dann in der Schrift „Kurzer Unterricht in der gründlichsten und leichtesten Methode,Kindern das Lesen zu lehren", endlich in der „Ausführlichen Beschreibung seiner Lantir-mcthode", welche 1814 erschienen ist. (Alle diese Schriften haben mehrere Auslagenerlebt). Stephani dringt vor allem ans den Unterschied zwischen Buchstaben, Namenund Laut. Daß man den Kindern den Namen des Buchstabens sage, wehrte er an-fangs nicht, verlangte aber, daß beim Lesen selbst nur der Laut angegeben werde;später erklärte er es für besser, daß der Name erst etwa dann, wenn die Schüler schonzur Fertigkeit im Lesen gelangt sind, ihnen bekannt gemacht werde. Zuerst müßen, wiesich fast von selbst versteht, die Grnndlaute (Vocale) eingeübt werden, auch die Um-laute derselben und die Doppellaute, welche Stephani ungeschickt Grundsylben nannte.Sodann wird unter strenger Forderung einer reinen Aussprache am besten an derLesetafel mit den einzelnen Grundlanten ein Mitlaut nach dem andern verbunden,indem der Lehrer den Buchstaben anschauen, den Laut nachsprechen und dann mit demBocal alsbald verbinden läßt, zuerst den Mitlaut, hernach den Grundlaut voran, dannden Mitlaut vor und nach dem Grundlaut n. s. w. Dieser Methode gebührt, obwohlsie anfangs und längere Zeit hindurch sowohl in der Literatur, als auch unter demVolke manchen Angriff und Widerstand erfuhr, unstreitig der Vorzug vor allen vor-herigen Methoden und Vorschlägen. Denn 1) sie ist so natürlich, daß man sich jetztnur darüber wundern kann, daß niemand schon viel früher darauf gekommen ist. DerBuchstabcnname hat ja doch gar nichts beim Lesen zu thun; der Buchstabe ist dasZeichen für den Laut, und darum braucht es zum richtigen Lesen gar nichts, als denrechten Laut für jedes Zeichen zu treffen. Nachher mag man zum Behufe des Necht-schreibens rc. immerhin den Namen statt des oft nicht leicht deutlich ohne Vocal ans-zusprechenden Lautes benützen; Leim Lesen würde er nur hindern. Die Lautirmethodezeichnet sich ferner 2) durch ihre Einfachheit ans, indem alles wegfällt, was nicht un-mittelbar dem Zweck des Lesenlernens dient. Das Kind hat nur die Laute der Zeichensich zu merken und für Zeichen um Zeichen den entsprechenden Laut allmählich immerschneller und zusammenhängender auszusprcchen. Darum führt 3) diese Methode sehrschnell zum Ziele und es ist keine Seltenheit, daß selbst in zahlreichen Classen dieSchüler es in weniger als einem Semester zu einiger Sicherheit und Fertigkeit imLesen aller vorkommcnden deutschen Wörter bringen. Dazu kommt noch 4), daß beidieser Methode keineswegs das Gedächtnis allein in Anspruch genommen wird, sondernder kleine Schüler, sobald er die Laute aller Buchstaben sich gemerkt hat, mit einerSelbstthätigkeit liest, welche die Lust und den Eifer rege erhält. Was man gegen dieLautirmethode eingewendet hat, ist fast alles wie Rauch und Nebel verschwunden. Nurdas eine hört man noch Vorbringen, daß für das Rechtschreiben das Buchstabircndienlicher sei als das Lautiren. Allein wenn man auch zugeben wollte, was noch nichterwiesen zu sein scheint, daß die Bnchstabennamcn die Rechtschreibung eines Wortesfester einprägen als die Laute, so läßt sich ja beim Nechtschreibunterrichte, wenn dieSchüler einmal lesen können, das Bnchstabiren leicht nachholen; während des elemen-tarischen Lautirunterrichts selbst fängt ja doch der Rechtschreibunterricht noch nicht an.(Wir reden hier noch nicht vom Schreibleseunterrichte.) — Unter diesen Umständen istes nicht zu verwundern, daß die Lautirmethode nach und nach weit und breit Einganggefunden hat, und die meisten der nachher aufgekommenen Lesemethoden sind mehr oderweniger Zweige und Ausläufer dieser Stephanischen Methode.
Der nächste Weiterbau geschah durch I. F. A. Krug, Director der Bürgerschulein Zittau, später in Dresden, und K. A. Zeller, preuß. Oberschnlrath. Die Krng-Zellersche Methode schließt sich einerseits an die Stephanische Lautirmethode, aber