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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Leseunterricht.

Lesemethode über das Buchstabircn hinausgckommen ist. Denn wenn das einemal derLehrer die Bnchstabcnnamen sagte und der Schüler die Sylbe finden und aussprechenmußte, das anderem«! der Lehrer die Sylben vorsprach und der Schüler sie buchstabircnmußte, so kann man dieses und ähnliches Wohl für eine Verbesserung, aber nicht fürein Verlassen der Buchstabirmethode erklären. (Pöhlmann, Anweisung, Kinder aufleichte Weise zur Buchstabenkenntnis, zum Syllabiren und Lesen zu bringen. Erl. 1801.Anweisung für Schullehrer zum rechten Gebrauch der Pöhlmannschcn Lesemaschine).

Am weitesten rückte in diesem Suchen nach einer besseren Lesemethode ein Mannvor, den manche für den Urheber der Lautirmethode, wiewohl unrichtig, erklären^F. Olivier, der bekannte Mitarbeiter Basedows im Dessauschen Philanthropin.Seinem umfangreichen Werke mit dem Titel: „Ortho-epo-graphisches Elementarwerk",dessen erster Band schon 1801 als Einzelschrift erschienen, das aber erst 1808 vollendetworden ist, gebührt alle Achtung wegen der umfassenden Untersuchungen, die darin an-gestellt, und wegen der feinen und scharfen Ergebnisse, die von ihm aufgestellt wordensind. Es ist indessen hier nicht der Ort, näher auf diese Schrift einzugehen, vielmehrist nur das herauszuheben, was den eigentlichen elcmentarischen Leseunterricht unmittel-bar betrifft. Olivier stimmte zunächst theilweise mit Pestalozzi darin überein, daß erdem eigentlichen Leseunterricht einen „Vorbereitungsunterricht" vorausgehen ließ, jedochso, daß er zuerst Wörter und Sätze von den Schülern nachsprechen, die Sätze inWörter, die Wörter in Sylben, und diese in Laute zerlegen und umgekehrt von denLauten aus Wörter und Sätze wieder aufbauen ließ, während sich Pestalozzi, wie schongezeigt, mit dem sog. Auswendig-Buchstabircn begnügte. Sodann ließ er die Buch-staben anschauen, vergleichen und unterscheiden, ohne daß ihre Namen gesagt wurden.Nun aber kamen doch diese Namen nach, und zwar wie bei seinen Vorgängern mitdem euphonischen e, jedoch mit dem Unterschied, daß das e hinter den Laut kam, wennder Consonant vor einem Vocal stand, also Le, ce, de, fe, ge, he, dagegen wenn derConsonant hinter einem Vocal stand, vor den Laut gesetzt wurde, eb, ec, ed, es, eg,eh rc. So hatten die Schüler 42 statt 21 Namen für Consonanten, abgesehen vonder feinen Lautunterscheidung, durch welche er die Zahl der Laute auf 400 vermehrte.Daß er überdies Bilder fertigen ließ, deren Worte die Namen der zu lernenden Buch-staben als Endsylben enthielten, z. B. eine Taube für das b, eine Tulpe für das pu. s. w., mag als unwesentlich bezeichnet werden. Um so wesentlicher dagegen ist das,daß er die Entstehung der Laute erklären will und im Zusammenhänge damit aufführt

1. Brummlaute: a) Lippenbrummer m, d) Zungenbrummer n, o) Kehlbrummer ng;

2. Knalllaute: s) Lippenknalllaute, gelinder b, scharfer p, b) Zungenknalllaut, gelinderd, scharfer t, o) Kehlknalllaut, gelinder g, scharfer k; 3. Zungenlaut h; 4. Laller oderLalllaute^ a) der gemeine Lalllaut l, l>) der Schnurr- oder Trillerlaut r; 5. Sums-laute: a) Lippensumser w, b) Lippen-Zahn-Sumser v, o) Zungen-Zahn-Sumser s,ä) Zungen-Gaumen-Sumser j, s) Kehlensumser g; 6. Zischlaute: a) Lippen-Zahn-Zischer f, d) Zungen-Zahn-Zischer ß, o) Zungen-Gaum-Zischer ch, ä) Kehlzischersch. — Daß hiemit der Leseunterricht gewaltig erschwert, für den Zweck aber lediglichnichts gewonnen, vielmehr sehr viele Zeit vergeudet wurde, braucht hier nicht weiterausgeführt zu werden. Aber in die Fußtapfen seiner Vormänner tretend, welche nurungleich einfacher und leichter den Leseunterricht ertheilt hatten, macht er einen beachtens-werthen Schritt vorwärts, indem er nicht nur in seiner Schrift wissenschaftlich den Lautvon dem Buchstabennamen ablöste, sondern auch bei dem elementarischen Unterrichte daseuphonische e der Consonantennamen beweglich und damit leichter ablösbar machte, sodaß zum eigentlichen Lautirunterrichte nur ein kleiner Schritt weiter übrig blieb.

- Die Lautirmethode, zu der wir nun übergehen, ist unstreitig das WerkStephanis, früheren Pfarrers in Kastell und nachmaligen bairischen Schulraths,der sich selbst auch nicht wenig auf seine Erfindung zu gut gethan hat. Zwar hattenandere, wie bisher nachgewiesen worden, ihm genugsam vorgcarbeitet; aber das lösende