Leseunterricht.
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Da der Lehrer ja doch, wenn das Kind die Buchstabennamen der Sylbe ausgesprochenhabe, allemal die ganze Sylbe vorsprechen und vom Kinde nachsprechen lassen müsse,hielt Gedike das erstere, das Anssprechen der Buchstabennamen — ein wichtigerSchritt — für völlig überflüssig und wollte durch genaues Anschauen und durch bloßesVor- und Nachsprechen der ganzen Sylbe dasselbe erreichen, was durch das Buchstabirenerreicht wurde. Er suchte nun durch angemessenes Ordnen der Sylben und Wörterund durch fetteren Druck oder rothe Farbe derjenigen Buchstaben, durch welche sich eineSylbe von der andern unterschied, dem Kinde das Lernen zu erleichtern. Es wirdversichert, daß Gcdikes eigene Tochter auf diese Weise durch den Vater lesen gelernthabe, weil sie — ein sehr begabtes Kind war. Ob aber diese „Syllabirmethode" imallgemeinen mit gutem Erfolg angewcndct werden könne, ist mit Recht von Anfang anbezweifelt worden. Denn es wird dabei dem Kinde dieselbe Reflexion unds Agstractionzugemuthet wie beim Buchstabiren, nur in erhöhtem Maße, daß es nämlich ohne An-leitung und Hülfe aus der ausgesprochenen Sylbe den Unterschied der Buchstaben untereinander und den Laut des einzelnen Buchstabens selber herausfinden soll. Es mußte,wenn nicht das Lesenlcrncn ausschließlich eine unendlich ermüdende Gedächtnissache wer-den sollte, in der geistigen Thätigkeit des Schülers statt eines geordneten, stetigen Fort-schreitenS Sprung auf Sprung gemacht werden. Wenn darum auch Gedike's Kinder-buch als methodisches Curiosum anfangs ziemliche Verbreitung fand, so weiß man dochnichts davon, daß sein Leseunterricht irgendwo länger dauernde Nachahmung gefundenhätte (vrgl. den Art. Gedike, S. 600).
Auf der andern Seite suchten viele durch Acnderung der Buchstabennamen denersten Leseunterricht zu verbessern; aber den Unterschied zwischen Buchstabennamen undLaut fanden sie lange nicht oder wußten wenigstens nicht ihn beim Unterrichte anzu-wenden, wie Basedow, Pestalozzi, Pöhlmann, während ein Sam. Heinicke,Gründer des Leipziger Taubstummeninstituts, in theoretische Klügeleien und Künsteleiengerieth, und Feldig er, der verdiente Reformator des österreichischen Volksschulwesens,das Heil darin suchte, daß er die Buchstaben in einer andern Ordnung, nämlich dasABC rückwärts lernen ließ. (F. Jakobi, der Leseunt. S. 31). Es war einiger Fort-schritt, als Basedow den gewöhnlichen Buchstabennamen so umwandelte, daß er anden Laut ein leichtes e, ähnlich dem hebräischen Schwa, anhängte und sprechen ließ:be, ce, de, fe, ge, he, ke u. s. w. Mit seinem Buchstabcnspiel und Buchstabirspiel(Lippen-, Zungen-, Zähne-, Kehl- und Mundspiel) aber war im wesentlichen nichts ge-wonnen, sondern die Sache wurde nur, wie sie auch genannt wurde, znm Spiele. WennHeinicke über die Bnchstabirmethode fast pöbelhaft schimpfte, so konnte er mit Auf-stellung eines dreifachen Leseacts, eines „tonlosen", eines „tonhaften" und eines „ver-goldeten", doch auch der Methode eben so wenig aufhelfen als dadurch, daß er auchdie Buchstabennamen verwarf und die Consonanten als Knechte der Buchstaben und alsBuchstabentöne bezeichnte (Heinicke über die Lesekunst und Begriffentwicklung in derChristenheit. 1786).
Was half es ferner, daß Pestalozzi, che er den Schülern einen Buchstabenzeigte, eine Menge Wörter auswendig buchstabiren ließ, daß er die Buchstaben in großerForm drucken und einzeln — wie Basedow — ans steifes Papier kleben ließ und nunalle möglichen Zusammenstellungen der Buchstaben vornahm, unbekümmert ob sie in derSprache Vorkommen oder nicht. Er hat die Sache erleichtert und hat den Unterrichtauf Prinzipien zurückzuführen gesucht; aber in der Hauptsache blieb er doch auch aufdem Boden der Bnchstabirmethode. (Pestalozzi, Anweisung znm Buchstabiren undLesenlehren 1801). Dasselbe gilt von Pöhlmann, der durch dieVerstandesübuugeu,die er in mancherlei Weise mit dem ersten Leseunterricht verband, zwar um die Ver-standcsbildnng der Kinder sich Verdienste erworben haben mag, aber den Leseunterrichtselbst ungebührlich verzögert hat und mit seiner Lesemaschine ebensowenig als mit seinerP!>d,ig. EncvkwpLdic. IV. 25