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Leseunterricht.
Buchstabirmethode für die am meisten mechanische erklärt; zudem lehrt die Erfahrung,daß auch andere Methoden bei großer Schülerzahl wenigstens ebenso anwendbar undwirksam sind. Aus dem dritten Grunde folgt nur, daß die Schüler, wenn sie einmaldas Rechtschreiben lernen, auch im Buchstabiren geübt werden sollen, keineswegs aber,daß dieses auch für das Lesenlernen das beste Mittel ist. Was aber besonderen Ver-dacht gegen diese Methode erregen muß, das sind die mancherlei Versuche, sie wenigerlangweilig und den Kindern angenehmer und leichter zu machen. Wie zu diesem Be-hufs schon die Römer elfenbeinerne Buchstaben machen ließen, so suchte man bei unsdurch Figuren von Menschen, Thieren rc., welche die Buchstaben darstelltcn, durch Bil-der von Gegenständen, deren Namen mit dem betreffenden Buchstaben anfiengen, wohlauch durch beigesetzte, ergötzliche Reime, (Birnrod) durch Bnchstabenkarten, Buch-stabenwürfel, Bnchstabenpuppen u. s. w., die Sache den Kindern anziehender zu machen,und Basedow war bekanntlich in vollem Ernste daran, sämmtliche Buchstaben voneinem eigenen Schulbäcker aus Semmelteig backen und von den Kindern zum Frühstückverzehren zu lassen, damit sie sich dieselben desto lieber und nachhaltiger einprägen.„Mehr als vier Wochen bedarf kein Kind des Buchstabenessens" (Basedow, neuesWerkzeug zum Lesenlernen. Lpzg. 1787).
Zur Erkenntnis der Mängel der Buchstabirmethode ist man übrigens nicht erstjetzt, sondern schon vor sehr langer Zeit gelangt. Schon Valentin Jckelsamer, einZeitgenosse Luthers und eine Zeit lang Anhänger Karlstadts, zuletzt Lehrer in Erfurt,hat wo nicht in einem frühcrn Schriftchen, „von der rechten weyse lesen zu lernen,"von welchem wir außer dem Titel nichts mehr haben, doch in seiner „Teutschen Gram-matik«, darauß ainer von jm selbs mag lesen lernen" rc., eine Art Lautirmethode nüt-getheilt. Er zerlegt die Wörter in ihre Laute, ordnet und beschreibt die Laute undkommt zu dem Ergebnis, daß man auch beim Unterricht den Namen des Buchstabensvon dessen Laut wohl unterscheiden müße (v. Raumer, K., Geschichte der Pädagogik,3. Thl., 2. Abth. S. 30ff.). Später erschien 1700 eine Schrift von I. G. Zeidler,„Neu verbessertes ABCbuch als Schlüssel zur Lesekunst," worin verheißen wurde, „daßein Mensch, sei er jung oder alt, wenn er nur die Buchstaben kennt, ohne alles müh-selige und langweilige Buchstabiren von sich selbst in wenigen Tagen alles fertig lesenkönne;" ebenso gab 1721 V en s ky eine „Kurze Anweisung, das Lesen ohne Buchstabirenzu erlernen" heraus. Nahe der Lautirmethode kam sodann der pseudonyme „Nach-sinner" in seiner „Lesekunst, in welcher das zornerweckende Buchstabiren aus dem Wegegeräumt wird. 1737." Hier heißt es u. a.:
„Mein Leser, Lenke doch, wie lehrt und lernt man lesen?
Wenn man hoch lesen will, spricht man: ha, o, ce, ha.
Dann kommt das Wort hernach, Wenns erst confus gewesen;
Man tönet zweimal ha und ist doch hier kein a.
Warum nicht lieber ho anstatt ha, o gesprochen?"
In ähnlicher Weise scheint auch ein in Erfurt erschienenes „Erleichtertes Lesebüchlein,darin gezeigt wird, wie man einem das Lesen ohne lautes Aussprechen der stummenBuchstabek und ohne Buchstabiren leicht und bald beibringen könne", der Lautirmethodevorgearbeitet zu haben. — Durch solche Vorarbeiten, bei welchen zwar allerdings dierechte Methode noch nicht gefunden, um so mehr aber die Untauglichkeit der alten Me-thode nachgewiesen war, so wie durch immer stärker ins Bewußtsein tretende eigene Er-fahrungen der Schulmänner wurde gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts einSuchen nach der besten elementarischen Lesemethode geweckt, das nahezu alle anderenUnterrichtsfragen in den Hintergrund drängte.
Auf der einen Seite war es F. Gedike, Oberkirchen- und Schulrath in Berlin,der in seinem „Kinderbuch zur ersten Uebung im Lesen ohne ABC und Buchstabiren,Berlin 1791" das Verfahren so viel möglich zu vereinfachen und abzukürzen suchte.