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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lehrer.

auf. Wie ihre Praktica eine unberechenbar vielfache, so ist auch ihre Zahl Legionund ihres Wirkens Erfolg nicht zu bestimmen. Theils gehen sie ausgesprochener Weiseaus der Absicht hervor, den Besitz der ihnen einwohnenden Einsicht oder Kunst zu ver-silbern, theils aus dem Bedürfnis, welches ihnen das Verlangen der Einzelnen alsLust sich zu unterrichten entgegenträgt. Wie sich die Capitalicn des Geldes durch denVerkehr in Umsatz bringen, so die Capitalieu des Geistes, Welche in einer Zeit liegen, durchdas freigeübte Geschäft des Lehrens, au das sich die Gedankenmittheilung auf dem Wegeder Literatur und der Presse auf die natürlichste Weise anschließt. Wie viel unreifesund ungenügendes in dieser auf eigene Hand geschäftsmäßig betriebenen Praxis ent-halten sein und geleistet werden mag: so ist doch einerseits das Angebot von Lehre undandererseits die Nachfrage nach Unterricht auch in den möglichst freien Formen, diesolcher Austausch bedingt, ein unverachtbares Zeichen von einem Vorhandensein vielereigcnkräftigen geistigen Lebendigkeit, und ohne Zweifel ist ursprünglich dieser Privattriebzu lernen oder z» lehren der Keim von aller weiteren Lehrtätigkeit gewesen, wie sieim gemeinsamen öffentlichen Leben Eingang, Anwuchs und Bestand gewonnen hat.Aber weder ein einzelner Stand im öffentlichen Leben der Gemeinschaft, noch ein ganzerStaat, wenn sich beide in ihren Interessen verstehen, kann seine Bildung der Privatbe-lehrung allein überlassen. In dem Grade als das Gemeinwesen erstarkt und sich ver-steht in den Bedingungen seiner Existenz und Wirksamkeit, muß eben von Seitenbestimmter Stände oder vom Staate der Betrieb der Bildung in die Hand ge-nommen werden; es müßen öffentliche Lehrer berufen und angcstellt werden. Dassind die Lehrer der anderen Kategorie. Sie sind diejenigen Persönlichkeiten, welchean den Instituten, die auf öffentliche Veranstaltung und unter öffentlicher Bürg-schaft für die Bildung eingerichtet sind, die Arbeit des Unterrichts wie in geist-lichen so in weltlichen Dingen zu verrichten haben.

Es kann hier nämlich erfahrungsmäßig nicht ausbleiben, daß die Erhaltung oderFortentwicklung gewisser Bildungsbestandtheile in dem Maße zum Gegenstände öffent-lichen oder gemeinsamen Interesses wird, als der Werth eben dieser bestimmten Bil-dungsformen erkannt ist. Wenn die Forterhaltung solcher Bildung nun nicht zumSpiele des Zufalls oder zum Zielpuncte privater Concurrenz oder gar zum Triebwerkeoder Zankapfel von Parteiungen, wie in der Gegenwart, werden soll: so reicht einejeweilige Repression gegen bedenkliche Lehre, welche cindringt, nicht aus; es wird einesorgsame Bedachtnahme auf geordnete Sicherstellung der gefährdeten Interessen unum-gänglich. Die zu Wissenschaften zusammengeführten Erkenntnisse irgend eines Gebietesoder die zu Künsten erhobenen technischen Fertigkeiten einzelner bilden die Gegenständefür solche Sorge ihrer Erhaltung aus dem Wege der Schule, entweder wie im Alter-thume in Gestalt esoterischer Geheimnnterweisung oder in Form solcher Publicität, wiesie die moderne Welt beliebt und zuwegegebracht hat. Mit dem Vorhandensein einesGegenstandes und eines Kreises solcher, welche den Unterricht begehren, ist der öffentlicheLehrer ein nothwendiges Erfordernis, wenn dem allgemeinen Bedürfnisse Genüge ge-schafft werden soll. Mag immerhin mancher Staat, vielleicht in der Meinung, daßwie der Dichter so auch der Lehrer geboren und weder dazu commandirt sein müße,wie in manchen Ständen und Reichen der Fall, noch dazu destinirt, wie durch man-cherlei Lagen und Schickungen es möglich ist, es auf Auferziehung, Bildung, Versorgungund Achtung der Lehrenden in den Anfängen des Lehrwesens nicht anlegen: so kann er,wenn er sich den Vortheil, den ein vollkommen entwickelter Lehrerstand schaffen kann, sichernwill, auf die Länge nicht darüber hinweg, die Thätigkeit der öffentlichen Lehrer nicht bloß zumGegenstände seiner Kenntnisnahme, sondern auch seiner Pflege zu machen. Auf solchemWege werden Lehrer von äußerem und öffentlichem Berufe. Das Bedürfnis stehenderKriegsheere mag in den modernen Staaten von Belang immerhin erst seit 200 Jahrenempfunden worden sein; das Bedürfnis eines förmlichen Lehrerstandes ist in jedemStaate, sobald man in ihm begriffen hat, daß Bildung der Bevölkerung nicht bloß