Lehrer.
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weil eben das Lehren bei derselben noch nicht zur Angelegenheit geschäftlichen Betriebesoder beruflicher Lebensaufgabe geworden ist. Ueberall, wo im Hanse Liebe oder imgeselligen Kreise Gefälligkeit beflissen ist, von dem Besitze ihrer Kenntnisse oder Kunst-fertigkeit an Mindergeförderte, in der Absicht sie dadurch zu fördern, abzugeben, wirdzwar die Thätigkeit vollbracht, welche Lehren heißt; aber weder Vater noch Mutter,weder Freund noch Genosse, welche sich dem Triebe zu solcher lehrsamen Mittheilungüberlassen, sind schon um deswillen Lehrer zu nennen. Sind sie es thatsächlich aufinstinct-, Versuchs- und vorbcreitungsmäßig unvollkommene Weise, so sind sie es nichtin einer so ausschließlichen Richtung und geflissentlichen Verwendung ihrer Kraft, daßihr ganzes Leben und Wirken von den Aufgaben des Lehrens so beherrscht und erfüllterachtet werden könnte, daß sie Lehrer genannt zu werden verdienen sollten.
Wir an dieser Stelle haben es mit diesen eine gelegentliche Anleitung oder Unter-weisung Ertheilenden nicht zu thun, sondern nur mit denjenigen, welche ihre lehrendeKraft und Kunst in vollständiger Geschäfts- oder Berufsmäßigkeit an andern in An-wendung bringen.
Das weite Feld von Beziehungen, das sich hiemit für die Betrachtung um einealso beschäftigte Persönlichkeit im Culturleben, sonderlich der Gegenwart, eröffnet, kann andieser Stelle nun nicht bis ins einzelne ausgeschritten werden. Viele Artikel diesesWerkes haben solche Einzelheiten bereits eingehend behandelt'*). Wer die Encyklopödiebei diese m Artikel befragt, beabsichtigt nach unserem Dafürhalten nicht erst noch überdie Einzelgcschäfte im Lehrerstaude Auskunft zu erhalten— das wäre in jeder „Schul-kunde" zu suchen am Orte — sondern er sucht ein Gesammtbild (sxsoisw, llZuram) undeinen Gesammteindrnck vom Lehrer zu gewinnen. Es gilt darum auch nicht eine Vor-stellung zu machen vom Proceß, welchen der Lehrer veranlaßt, sondern von der Person,die in dem ihr eigenthümlichcn Processe thätig ist. Es gilt nicht den aotus, sondernden aotor zu zeigen. Der Lehrer würde hienach für die beabsichtigte Darstellung etwadas werden müßen, was der Orator für Cicero. Den Orator darzustellen war aberetwas anderes, als die Beredtsamkeit, oder Wohl gar die Rhetorik; den Lehrer hiervorführen ist darum etwas anderes, als eine Didaktik schreiben. Bei solcher dem An-schein nach für einen Lehrer leichten Aufgabe wird indes, wenn man ans Werk geht,des Wortes Wahrheit wohlerkennbar: Dill'ioils est, communis, xroxris ckioors. Darummöge der, welcher ein Lehrer ist und dieses liest, mehr die Absicht ansehen, als denerstrebten Erfolg, den Lehrer zu zeigen.
Sobald im menschlichen Gemeinleben irgend eine Seite der Bildung, welcher dieMenschen übend und genießend sich erfreuen, so Werth erachtet wird, daß man sie nichtbloß deutlich von voraufgegangenen Zuständen der Bildungslosigkeit unterscheidet, sondernauch einzelne sie zum Gegenstände der Erwerbung, und die ganze Gemeinschaft sie zumGegenstände der Sicherstellung machen: so ist Anlaß für diejenigen, welche die Inhaberder bezüglichen Bildung sind, vorhanden, sich in bestimmter und berechtigter Weise alsLehrende auf- und darzuthun. Wir finden deshalb geschichtsmäßig wie in anderenNationen, so auch in der unseren, von jenem Entwicklungspuncte ab immer Personen,welche die Lchrtüchtigkeit theils als ein von ihnen selbst geschäftsmäßig unternommenesGewerbe betreiben, theils als einen ihnen anvertrauten Beruf amtsmäßig warnehmen.Dies sind die Lehrer, welche diesen Namen ausdrücklich zu führen berechtigt sind.
Der Lehrer der ersten Kategorie erscheint im Leben der Gemeinschaft als diePerson, welche im Besitz bestimmter Kenntnisse oder Fertigkeiten dieselben zum Gegen-stände der Mittheilung an andere macht, die nach ihnen begehren, um dadurch einenErwerb zu finden. Es kommt nicht darauf an, ob der Staat von ihrer BeschäftigungKenntnis nimmt; sie sind die Privatlehrer und sie treten in der mannigfaltigsten Art
*) Man vergleiche z. B. die Artikel Gymnasium, Director, Anstellung, Auctorität, Anstand,Aufmerksamkeit, Bildung, Fleiß, Aergernis, Aufgaben, Arnold, Erasmus u. a. ni. Die Red.