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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lehren und Lernen.

Lehrer.

gesetzter mechanischer Thätigkeit hergeben, als sich wenn auch kurze Zeit nachzudenkenentschließen. Und doch wird weder dnrch das Empfangen an sich, noch auch durch dasbloße Behandeln der empfangenen Anschauungen, sondern nur durch das Nachdenkenin deren Verarbeitung wirklich gelernt; weshalb auch schon der Lehrer, welchem das Wissenund Können seiner Schüler als Ziel seiner Lehrthätigkeit vor Augen steht, den Willender Schüler in Bewegung setzen wird: die Schulzucht im engern Sinne wird den Un-terricht begleiten und stützen. Das Wollen, welches wir beim Schüler schon belebtund thätig vorfinden, ist ein Wollen des Angenehmen, des Unterhaltenden, einer wech-selnden Beschäftigung der Einbildungskraft; das andere Wollen, das Verlangen nachdem Wahren, finden wir in der Seele des Schülers noch schlummernd, und auch, wennes erweckt ist, durch jenes erste natürlichere Wollen niedergehalten und am vollen Er-wachen gehindert. Wenn ich dnrch mein Lehren erziehen soll, so wird es meine Auf-gabe sein, das tief liegende und noch schlummernde Wollen des Wahren zu erweckenund wach zu erhalten, und jenes andere erste nicht sowohl zu unterdrücken, was ja nichteinmal möglich ist, als durch die Pflege der Wahrheit zu veredeln und dem Wahrheits-sinne dienstbar zu machen. Das Hinwenden des von Natur auf das Angenehme ge-richteten Willens auf das Wahre, ist eine sittliche Thätigkeit, wozu wir der Leitungund der Beihülse bedürfen. oöük/tt« rwv «ykrrov ixookr is/ttv — —

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roit »vck xtHttytsrou. ^rlstot. Iltü. ^ilio. II. 1. Die Erziehung durch das

Lehren besteht in der Veränderung und Neugestaltung des Willens der Schüler, welcheder Lehrer durch die Art seines Lehrens hervorbringt. Es wird aber nur derjenigeein solcher Lehrer sein, der die Neugestaltung des Willens durch sein Lehren bei denSchülern bewirkt, in dessen Wollen jene Neugestaltung schon vor sich gegangen, odervielmehr im Vorsichgehen immer begriffen ist, weil wir ja selbst mit diesem Arbeitenan uns selbst niemals fertig werden. Was sonst von Seiten des Lehrers das Lernenermöglicht und fördert, Einsichten, Kenntnisse, Kunst des Vortrags, gewinnende Persön-lichkeit, das hilft auch und zwar sehr viel zur Erziehung, wofern das Wollen desLehrers ein wahres und sein Wille der Wahrheit zugewendet ist; aber ohne diese Be-schaffenheit im Wollen des Lehrers bringen jene geistigen Besitzthümer und wünschens-werthen Eigenschaften keine Veränderung im Wollen des Schülers hervor. Wer sichselbst und die Schüler während des Unterrichts beobachtet hat, der muß wissen, daß,wenn irgend eine Verstimmung des Gemüthes die Aufmerksamkeit und Spannung desLehrers in seiner Lehrstunde alterirt hat, seine Unaufmerksamkeit und Zerstreuung un-mittelbar auf die Schüler, auch die sonst aufmerksamen, übergeht; wie hinwiederum zuguter Stunde auch seine Aufmerksamkeit wirkt, wiewohl die positive Wirkung niemalsso deutlich hervortritt, wie jene negative. Solch einer zeitweiligen Wirkung der Unauf-merksamkeit des Lehrers analog ist das, was dem Unterrichte durchweg abgeht, welcherohne Wahrheit des Wollens ertheilt wird. Es giebt keine Erziehung durch Unterrichtund ebendamit kein wirkliches Lernen ohne die Wahrheit des Wollens auf Seiten desLehrers. Je wahrer unser Wollen ist, desto entschiedener ist unser innerer Beruf zumLehramte. C. L. Roth.

Lehrer. Mit diesem Ansdrucke, der mit seiner Wurzel in das Dunkel unsererSprache zurück geht, der den Sprachforschern schwer zu erklären und im Gebrauche derGegenwart so geläufig ist, wird die Vorstellung von einer Persönlichkeit in uns erregt,welche die Thätigkeit des Lehrens als Sache ihres Geschäftes oder Berufes ausübt.Wird nämlich aus bloß natürlichem Triebe und bei weiterer menschlicher Entwicklungauch aus sittlichem Drange die Thätigkeit des Lehrens in der Absicht, erlangte Ein-sichten und Warnehmungen an solche mitzutheilen, von denen angenommen wird, daßdieselben ihnen nöthig seien, vielfältig versucht und geübt: so ist von der sie ausüben-den Person selbst immer noch nicht der Anspruch erlangt, für einen Lehrer zu geltem