Lehren und Lernen.
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terricht die Schüler ins Leben übertreten, wird niemand die Bildung an ihnen ver-missen. Derjenige Lehrer wird in der rechten Weise mittheilen und üben, welcherdurch sein Mittheilen und Neben die Schüler erziehen kann und will. Unsere Verpflich-tung, durch den Unterricht jeder Art und Stufe zu erziehen, bildet sozusagen denäußersten methodologischen Kreis, der alles Lehren umfaßt. Ein engerer Kreis wirddurch das zeitliche Ziel gebildet, welches den verschiedenen Lehranstalten vorgesteckt ist,so daß das Wie des Mittheilens und des Uebens in den verschiedenen Lehrfächern,das der Religion ausgenommen, durch die Bestimmung der Schüler zur wissenschaft-lichen oder zur gewerblichen Thätigkeit modificirt wird. Was inan hierin als nächstesMoment bei einer solchen Modification betrachten könnte, nämlich daß die Vorbereitungfür das gewerbliche Leben in der Schule drei oder vier Jahre kürzer ist, als die Vor-bereitung ans den Universitätslanf, das ist zwar nicht ohne Einfluß ans das Wie inder Bestellung des Unterrichts, aber die Hauptsache ist es nicht. Vielmehr hat dieBerücksichtigung dieses Moments, da man nach der materialistischen Meinung unsererZeit von dem Werthe verschiedenartigen Wissens überall sich beeilt hat, auch noch dasund das und ein Sechstes und Zwölftes in die Schulen hereinzuzwängcn, das Er-ziehen im Unterricht schon dadurch erschwert, ich glaube fast, unmöglich gemacht, daßein Nebeneinander vieler und verschiedenartiger Anschauungen niemals znm wirklichenLernen wird, weshalb das mnltum non multn vielleicht zn keiner Zeit so laut und sovergeblich, wie in der unsrigen, gepredigt worden ist. Vielmehr ist es die verschiedeneArt des Gebrauches, den die Schüler von dem Gelernten machen werden, was dasWie des Lehrens je nach der Bestimmung der Schüler modificirt. Es würde einergelehrten Schule übel anstehen, wenn sie ihre Schüler anhielte, die kaufmännische Artdes Rechnens zn lernen; und die gewerbliche Schule Würde in ihrer pflichtmäßigenThätigkeit Zurückbleiben, wenn sie dieselbe Art des Rechnens nicht nfittheilte und übte.So wird die gewerbliche Schule ihren französischen Unterricht in der Weise zu ertheilenhaben, daß der Schüler daraus vorbereitet wird, nach dem Austritt aus der Schuleeinen französischen Brief schreiben und die französische Conversationssprache der Gegen-wart sich aneigncn zu können — weil ja doch das Sprechen einer fremden Sprachein der Schule nicht gelernt wird. Die gelehrte Schule dagegen wird den Unterrichtim Französischen durchweg als einen Theil des gesammten Sprachunterrichts in der-selben Weise behandeln müßen, wie Latein und Griechisch gelehrt wird: die Lectüreselbst wird eine andere sein. Die Mittheilung der geographischen und geschichtlichenNotizen in der einen Schule wird nicht durchaus in gleicher Richtung wie in derandern geschehen müßen. In der einen wird mehr unterrichtet als gelehrt, in derandern mehr gelehrt als unterrichtet werden.
Wenn derjenige Lehrer in der rechten Weise mittheilt und übt, welcher durch seinMittheilen und Ueben die Schüler erziehen kann und will, so muß die Art seines. Mit-theilens und Uebens so beschaffen sein, daß durch dieselbe ans den Willen der Schülereingewirkt wird. Die Schulzucht im weiteren und edleren Sinne des Wortes wirdEines mit dem. Lehren und Lernen. Wie ist aber der Wille des Schülers beschaffen,auf welchen der Lehrer einwirken soll? Und wie muß des Lehrers Wille beschaffensein, um auf des Schülers Willen einzuwirken? Denn einen Willen zum Empfangenbringt der Schüler freilich in seine Schule mit, vielleicht auch den Trieb, durch dasLernen Ehre zu erlangen. Aber cs giebt keinen Gegenstand des Unterrichts, welcherdurch den ihm eigenthümlichcn Reiz die Jugend bewöge, immer wieder Anschauungen,die zu demselben gehören, empfangen zu wollen; und wenn auch eine gewisse Lust zurErkenntnis der Sache, z. B. zu natnrgeschichtlicher oder geschichtlicher Erkenntnis sichkundgeben mag, so darf der Lehrer nicht daraus rechnen, daß der Schüler auch denWillen zur Verarbeitung der Anschauungen, zur Geistesarbeit, mitbringe, und in diesemWollen, wenn es einmal in Bewegung gesetzt ist, beharre. Vielmehr kann man jaauch an Erwachsenen und Gereiften täglich warnehmen, daß sie sich leichter zu fort-