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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lehren und Lernen.

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schichte selbst aus deren Quellen holen zu lassen. Geschichte wird auf Schulen nachwie vor nur durch Mittheilung von Seiten des Lehrers gelernt werden, und der Schülerwird anßcr derjenigen Thätigkeit, welche schon das Empfangen mit sich bringt, keineandere dabei üben können, als die, das; er Verstand und Einbildungskraft in Bewegungsetzt, um die empfangenen Anschauungen in seinem Geiste nachzubildcn, die Charaktereder Personen, der Sachen und der Verhältnisse, die Zusammenhänge der Ursachen undWirkungen, das Wechselnde und das Bleibende im Leben der Völker u. s. w. sich zumerken und wo immer möglich zu begreifen.

Der zweite wichtigere Act des Lehrens wird bei und nach der Mittheilung reingeschichtlicher Anschauungen allerdings nur darin bestehen, daß der Lehrer seine Schüleranhält, dieselben innerlich zu behandeln, einfach darum, weil diese weder das Vermögennoch die äußeren Mittel haben, die Anschauungen zu verarbeiten. Ohne Verarbeitungwird aber nicht wirklich gelernt. Ich glaube nicht, daß A. Böckh recht hat, wenn erin der Rede am 15. Oktober 1860 sagt: „Alles geistige Lernen und das Findenund Erzeugen des Wahren selbst, ist eine im Geist mit Bewußtsein vollzogene mög-lichste Wiederholung und Nachahmung des Wesens der Dinge, nicht eben mehr alsdurch das Wort verschieden von dem, was Platon Erinnerung aus einem Jenseitigengenannt hat." Denn das Wiederholen und Nachahmen auch des Tiefsten und desHöchsten kommt doch nur bis zum 6rr, und erst im Durchdringen zum ötörr erzeugenwir das Wahre durch Schlüsse, die wir nicht nachahmen oder wiederholen, sondernselbst machen. Dieses ist bei dem ausgebildeten und bei dem unreifen Geiste dasselbe,weil die Functionen des Denkens dieselben sind. Wenn es aber ein niedererer Gradgeistiger Thätigkeit ist, welcher das Empfangen und Behandeln des orr erfordert, undwenn wir um so mehr geistig lernen, als wir geistige Thätigkeit ausüben, so wird anden Anschauungen, die wir nur als orr empfangen und behandeln können, nicht so vielgelernt werden, als an denen, mit welchen wir znm Srorr durchdringen können, undeben darum wird die Lehrtätigkeit und Lehrwirksamkeit eine geringere sein.

Es sind drei Lehrstoffe in der Schule, an welchen wirklich oder im engern Sinnegelernt, und die also wirklich oder im engern Sinne gelehrt werden können: Mathe-matik, Sprache, Religion; und das einzig darum, weil die in diesen drei Fächernempfangenen oder mitgetheilten Anschauungen verarbeitet werden können. Die Verar-beitung besteht darin, daß der Lernende die ihm jetzt zugehende Anschauung mit dem«ywrov, das als ein Wissen oder als ein Fühlen in seinem Geiste schon vorhandenist, selbstthätig vergleicht und je nach Maßgabe des Inhalts der Anschauung Syllo-gismen oder Jnductions- und Analogieschlüsse, bildet. Hiedurch wird das Lernen voll-zogen, und, was zuerst nur Anschauung war, zur Einsicht werden. Wenn dieses richtigist, so wird der zweite Act des Lehrens der sein, wodurch der Lernende angewiesen undvermocht wird, die mitgetheilte Anschauung selbstthätig zu verarbeiten, durch die Thä-tigkeit des Verstandes Schlüsse zu bilden. Da aber die Schule auch solche Anschauungendarbietet, bei welchen nur ein Lernen im weitern Sinn erzielt werden, und nicht eineVerarbeitung, sondern nur eine Behandlung stattsinden kann, so wird die Aufgabedes Lehrers die sein, die Lernenden zur Behandlung und zur Verarbeitung der mit-getheiltcn Anschauungen anzuweisen und zu vermögen. Behandeln und Verarbeitenaber ist ein Neben. Der zweite Act des Lehrens wird demnach das Anweisen undAnhalten der Lernenden zur Hebung sein.

Wenn wir im Lehren die beiden Acte des Mittheilens und des Uebens erkennen,so ist dadurch nur in: allgemeinen diejenige Thätigkeit bezeichnet, welche wir das Lehrennennen. Das Wesen dieser Thätigkeit wird erst aus dem Wie erkennbar sein. Esmuß zunächst gefragt werden, wie gelehrt, d. i. wie mitgetheilt und geübt werden soll?Denn das Was, welches freilich zuerst in Frage käme, ist für allen Schulunterrichtgegeben und festgestellt: nur wenn einer mit dem Bestehenden ganz oder znm größern

Pädag. Encyklopädie. IV. 13