Lehren und Lernen.
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Anschauung mir ancignen soll, so kann mir dieselbe nur durch Vergleichung mit derGeschichte und dem Zustande meines eigenen Gemüthes zur Einsicht werden, und dieEinsicht erwächst selbst nur durch ein Fühlen, welches als 7rx>cörov da sein muß, wennich die Vergleichung anstellen soll. Denn wenn ich nicht fühle, daß ich böse sei, sosehe ich das auch nicht ein; und wenn ich das nicht an mir und in mir fühle, so ver-stehe ich auch das über das ganze Geschlecht Ausgesagte nicht. Es kann weiterhinauch dadurch eine öi«voi,rlx^ werden, aber erst auf der Basis der vorange-
gegangcnen Die sängt auch mit dem Empfangen
einer Anschauung in Gestalt eines Urtheils an; und es ist auch der Verstand, der dieempfangene Anschauung mit einem schon vorher vorhandenen nyMrov vergleicht;aber dieses ny-Lrov ist ein «/oü^röv oder eine so daß die Möglichkeit des
Lernens und Lehrens hier ganz davon abhäugt, ob eine gerade für die Art
der Anschauungen vorhanden ist, deren eine empfangen werden soll; wie die Möglich-keit, Musik zu lernen, davon abhängt, ob der Schüler musikalisches Gehör hat. Die
Vergleichung führt auch nicht zu einem eigentlichen Schlüsse, sondern unmittelbar zueinem bejahenden oder verneinenden oder limitirenden Urtheile; und der dritte Act
dieses LernenS ist nicht ein Einsehen, sondern wieder ein Fühlen. Wir finden das
ötöri zum orr; aber das Stört wohnt nicht in dem Erkannten, sondern in uns selbstund wenn ans den Anschauungen der ersten Art durch Verarbeitung Einsichten werden,so kann man den Act der Vergleichung der Anschauungen zweiter Art nur eine Behand-lung derselben nennen, durch welche ein gewisser Takt, z. B. in Erkenntnis und Schä-tzung des Schönen und des Häßlichen, entsteht. Aus vielen zu Einsichten gewordenenzusammengehörigen Anschauungen erster Art wird ein Wissen, aus vielen zusammenge-hörigen Anschauungen zweiter Art, welche meinen Takt ausbilden und verfeinern, wirdein Können. Aristoteles faßt den Begriff hievon zu eng, wenn er dasjenige rk'xv,,nennt, was wir ein Können genannt haben, indem er übrigens das Entstehen desKönnens richtig beschreibt Ilstapü. I. 1: iHkrwr rx^vy, ov«v wollwv rchx ^-rkt-yt'ais kvvoi-/r«rll>v »«üö/tov /x'v^voii -rkyl rcöv ö/tokmv virö^i/irx. Aberöö^N ^vSkxkrvir Srw^köökgÜM, ütü. lUoom. VI. 3; wogegen (ib.) irclvrk? -vTrolk.wsi«-
vo^kv, ö ^ kvSk^raü«r «Hais I^D>v.kD «vw^rr^s «y« rö iw/arcraü«!..
Die rx'^v?? (das Können) hat zum Gegenstände r« kvSk^östkv« n«l klvvit rr«l ^ kl-v«l, Xttl cäv is — was wir hier das 7IYMV0V genannt haben — kV VW norovvrr,äitl« kV VW TVorov^kvw wohnt; weshalb auch vyöirov Vtv« Tkkyl V« «vv« klivrv ^ V 1 -A 17xoil ^ vk^xv?^. it>. VI. 4.
In der Schule zielt der mathematische Unterricht auf das Wissen, der Sprach- undReligionsunterricht auf das Können und Wissen.
Wenn nun der erste Act des Lernens das Empfangen ist, so wird das Lehreneben darum zuerst ein Mittheilen sein; und wenn es irrig ist, das Empfangen schonals ein Lernen anzusehen, so wird eS nicht minder fälsch sein, zu meinen, daß dasLehren mit der Mittheilung eines geistigen Stoffs geschehen sei. Dieses ist meinesWissens von niemand behauptet worden; aber viele unterrichten so, wie wenn ihreAufgabe damit äbgethan wäre, daß sie in der einen Lehrstunde oder einem Theile der-selben mittheilen und in der folgenden wiederholen oder durch Fragen Gewißheit dar-über zu erlangen suchen, ob der Schüler das Mitgetheilte sich gemerkt habe. Ja esgiebt Schuleinrichtungen, die von solchen gemacht zu sein scheinen, welche das Mit-theilen als ein und dasselbe mit dem Lehren betrachten. Wenn nach den Jahn'scheuJahrbüchern Nr. 81. 82. I. S. 81 die Schüler oberer Classen in schweizerischen Can-tonschulen wöchentlich nur vier Stunden lateinischen und vier Stunden griechischen Un-terricht erhalten, so bleibt dem Lehrer, welcher seine Schüler nicht mit ärmlichen Por-tionen der klassischen Autoren abspeisen will, keine andere, als die sogenannte cursorischeBehandlung, d. h. die bloße Mitteilung übrig: er übt die Meinung, daß MittheilenLehren sei. Ueberhaupt aber ist jenes Zersplittern der Unterrichtszeiten in vielerlei Lehr-