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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lehren und Lernen.

theils znkommt. Das Empfangen der Anschauungen aber ist nur der Anfang desLernens, nicht das Lernen selbst; wie denn z. B. niemand die Geschichte der Offen-barung dadurch lernt, daß er die Bibel lieSt, auch nicht, wenn ihm das Tatsächlicheim Gedächtnisse haftet. Es ist das orr, was ihm in diesen Anschauungen zukommt;und erst, wenn er das ö-o'ri gefaßt hat, wird er, was er empfangen, auch gelernthaben: auS dem Anschanen wird das Einsehen geworden sein. Zwischen dem Empfangender Anschauung und dem Gewinnen der Einsicht, zwischen dem orr und dem Srorr stehtoder waltet und vermittelt vielmehr die Behandlung oder die Verarbeitung durch denVerstand. Wer gerade so meint und glaubt, wie er empfangen hat, von dem kannman nicht sagen, er habe gelernt, sondern man schreibt ihm vorgefaßte oder eigensinnigeMeinungen oder einen Autoritätsglauben zu. Der Gang des Lernens ist aber nichtder gleiche, wenn wir meinend und glaubend, oder wenn wir ahnend und fühlend em-pfangen, obwohl es dort, wie hier, Anschauungen in der Gestalt von Urtheilcn sind,welche wir empfangen. Wo wir meinend empfangen, da folgt ans diesen ersten Actdes LernenS die Behandlung, und nach Umständen die Verarbeitung des Empfangenenals der zweite; und die Verarbeitung geschieht durch Vergleichung der eben jetzt em-pfangenen Anschauung mit einem im Geiste schon vorhandenen Ly-örov, welches als durchsich selbst feststehend anerkannt ist, wie ein Axiom oder ein schon verstandener Lehrsatzfür mathematische, wie die Muttersprache und schon verstandene Sprachregeln fürsprachliche Anschauungen. Es ist der Verstand, welcher die empfangene Anschauungdurch Vergleichung mit dem im Wissen schon vorhandenen nywror, verarbeitet. Eswird auf diesem Wege daS, was Aristoteles k?ost. I, 1.) die Sr-rvo^-

rlüij nennt: iräüv: älöwsxL/tlcr xccl 7r«ov!

7 VM<-kws. Die neue Anschauung wird vom Verstände geprüft durch Vergleichung mitdem schon vorhandenen Wissen oder Glauben. Diese Vergleichung geschieht aber, nurunbewußter und augenblicklicher, auch da, wo die empfangene Anschauung sogleich alsrichtig erkannt, wo scheinbar unmittelbar gelernt, aus dem Anschauen sofort ein Ein-sehen wird, wo wir z. B. eine über ein Besonderes (xv-S' k'x«<rror-) empfangene An-schauung noch während des Empfangens unter ein uns schon bekanntes Allgemeines(xllS'otou) subsumiren. Dieses scheinbar unmittelbare Lernen kommt uns aber nurselten zu, und der Act des Vergleichens, welcher zu einem bejahenden oder verneinendenSchluffe — wo nicht zu einem non kignst — führen muß, dauert desto länger, jeweniger »ywro: schon in unserem geistigen Besitze sind. Das Ziel der

ist ein Wissen, die

Dagegen, wo wir ahnend und fühlend empfangen, ist das wy-äroi-, an welchemwir die neue Anschauung messen, nicht ein schon Gewußtes oder Geglaubtes, sonderndiejenige unserer geistigen Kräfte, welche dem körperlichen Tastsinne analog ist, dieKommt mir etwa die Anschauung von außen zu, daß Andromache undPenelope zwar verschiedene, aber je in ihrer Art gleich schöne weibliche Charaktere seien,so kann ich diese Anschauung nur nach der Empfindung annehmen, verwerfen oderlimitiren, welche ich beim Lesen Homers gehabt habe. Oder ich soll mir die Anschauunganeignen, „daß das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse sei von Jugendauf" 1. Mos. 8, 21. Hier soll ich nicht das lernen, daß Gott zu Noah so gesprochenhabe, denn ein solches Lernen ist nur ein Nachahmen im Erinnerungsvermögen; sondernich soll lernen, daß das Dichten und Trachten des Menschen, wie er überall und immerist, also auch mein^Dichten und Trachten, böse sei. Ich kann das nicht durch Ver-gleichung der neuen Anschauung mit dem lernen, was ich an historischen Personenoder auch an Menschen aus meiner Umgebung wargenommen habe. Denn diese wiejene lerne ich nicht so ganz kennen, daß ich Grund hätte zu sagen, ihr Dichten undTrachten sei böse von Jugend auf; und wenn ein solches Kennenlernen auch möglichwäre, so gäbe^das noch keinen Grund ab, von dem zahllosen Menschengeschlcchte, vonallen Dagewesenen und allen Mitlebenden dasselbe auszusagen. Wenn ich die neue