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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lehrcurse.

Lehren und Lernen.

Anderwärts wird für die praktische Fortbildung der Lehrer durch Besuch vonMusterschulen gesorgt. Im Canton Zürich sind (Kirsch II. 153) Normal- oderMusterschulen errichtet, welche für die Schulen jedes Bezirks das Bild einer gutenSchuleinrichtung in der Wirklichkeit darstellen sollen. Alle Schulamtscandidaten unddiejenigen Lehrer, welche nur „bedingtfähig" erklärt wurden, sind gehalten, jährlich zweiganze oder vier halbe Tage die Musterschule zu besuchen. Das neueste Gesetz überdas gesammte Unterrichtswesen des Cantons Zürich vom 23. Dec. 1859 nennt übrigensH 315—317 nur die Schule apitel des Bezirks als diejenigen, welche unter Leitungdes Erziehungsraths theoretische und praktische Hebungen für Fortbildung ihrer Mit-glieder vornehmen.

In Oesterreich (Pol. Vers. § 270) wird bei Mängeln, die nicht so leicht undaus der Stelle zu verbessern sind, der Schullehrer nach Erfordernis auf 8—14 Tageoder drei Wochen an einen benachbarten guten Schullehrer angewiesen, um sich dortin den nöthigen Stücken unterrichten zu lassen und das hierüber erhaltene Zeugnis denDistrictsaufsehern einzusenden. Zu dieser Absicht Wählt sich der Districtsanfseher diebesten Schulen seines Bezirks aus. lieber das „Nachbildungsinstitut" in Hannovers. d. Art. über das dortige Volksschulwesen.

Man sieht, dem Begriff und der Aufgabe der Lehrcurse, neben den ständigen Kon-ferenzen einzelne Lehrer oder die Lehrer einzelner Districte theils theoretisch, theilspraktisch, seiS in der Schulkunde überhaupt oder in speciell technischen Fächern, in ihrerFortbildung zu fördern, wird in verschiedenen Ländern auf verschiedene Weise entsprochen.Bleiben sie auch für schwächere Lehrer und für technische Fächer allezeit ein Bedürfnis,so wird ihre periodische Anordnung im großen doch hauptsächlich dann indicirt sein,wenn die Pädagogik zu einer neuen Stufe sich erhoben hat, wie einst durch Pestalozzi,wenn es gilt, gewisse Errungenschaften und erprobte Grundsätze der Methodik zu einemGemeingut der Lehrer zu machen. Und dann sollte die Haltung solcher Lehrcurse nurMännern anvertraut werden, welche im sicheren Besitze jener Errungenschaften nachTheorie und Praxis stehen. Stirm.

Lehren und Lernen. Was das Lehren sei, und wie gelehrt werden soll, wirdzunächst aus dem Wesen und der Art des Lernens zu erkennen sein. Denn das Lehrenist doch nur diejenige geistige Thätigkeit, durch welche das Lernen erzielt wird. Wirpflegen aber das Aneignen sowohl geistiger als körperlicher Fertigkeiten und das Auf-nehmcn des Wissens im Verstände wie im Gedächtnisse, ja auch das Annehmen ge-wisser Richtungen des Gemüthes Lernen zu nennen. Es mag wohl eine Mutter sagen,ihr Kind habe im Verkehre mit andern, vielleicht in der Schule selbst, diese oder jeneUnart gelernt; der Knabe wird einem Schuster übergeben, um dessen Handwerk zulernen; der junge Mann besucht den Fechtboden, um die Handhabung der Waffen zulernen. Die Aneignung sowohl der Unart als des Thuns im Handwerk und beimFechten geschieht durch Nachahmung und wird vollzogen durch die Gewöhnung, so daßwir, wenn alles Lernen von derselben Art wäre, das Lernen als ein Aneignen durchGewöhnung dcfiniren müßten. Dasselbe wird anSgesagt werden, Wo man vom Lernendes Lesens und Schreibens spricht: das Kind eignet sich die Fertigkeit im Lesen und

schlafen. Die Erfolge entsprachen den Erwartungen nicht, weil der Unterricht den Bedürfnissender einzelnen sehr ungleichartig vorbereiteten Lehrer nicht so angepaßt werden konnte, daß inder verhältnismäßig kurzen Zeit eine ausreichende Bildung hätte erzielt werden können; denSeminarlehrern erwuchs daraus eine für die Dauer allzuschwere Last, da Unterricht und Aufsicht-ei den Seminaristen fortgicng; der Verkehr der unberufenen Lehrer mit den Seminaristen erwiessich nicht als vortheilhaft; der Kostenpunct bildete eine große Schwierigkeit; alle, welche unbe-rufen werden sollten, sträubten sich gegen das schlimme Zeugnis, das ihnen damit ausgestellt wurde.Die bessere Seminarbildung, die Bemühungen der Aufsichtsbehörden auf den verschiedenen Stufenfür die Fortbildung der Lehrer und das ihnen entgegenkommende Streben der Lehrer selbst habenjene Einrichtung überflüssig gemacht. D. Red.