184
Lectionsplan.
1860 S. 106. 112) ganz wieder hcrgestellt sehen möchte, wenigstens für die jüngerenSchüler, besteht zum Theil noch an vielen Orten. Man legt namentlich die wöchentlichzweistündigen Lectionen auf Montag und Donnerstag oder Dienstag und Freitag u. s. w.Rathsamer ist es, was auch Lattmann als möglich zugiebt, solche Lectionen wenigstensin den oberen Classen zwei ans einander folgenden Tagen znzuweisen, weil dadurchhier, wo Schüler und Lehrer sich gründlicher vorbereiten müßen, die Kontinuität unddamit die Gründlichkeit des Arbeitens gefördert und, da doch dann zwei Stunden nahezusammen liegen, die Wirkung der zweiten erleichtert und gestärkt wird.")) Am Halber-stüdter Gymnasium ist diese Einrichtung bewährt gefunden. Außerdem bezeugt derDirector desselben Th. Schmid in Jahns N. Jahrbb. 1857 Bd. 76 S. 251, eshabe sich dort „vortrefflich bewährt, den lateinischen Sprachunterricht in die eine, dengriechischen in die andere Hälfte der Woche zu vertheilen, und zwar so, daß stets zweiLectürestunden unmittelbar nach einander folgen und, vor allen in Secunda und Prima,zu gleicher Zeit immer nur Ein griechischer und Ein lateinischer Schrift-steller gelesen werde, in dem einen Vierteljahre ein griechischer Dichter und römischerProsaiker, in dem andern ein römischer Dichter und griechischer Prosaiker." Es werde„auf diese Weise viel Zeit erspart, ein tieferes Eindringen in den Geist und Sprach-gebrauch des Schriftstellers gefördert und ein leichteres und schnelleres Erfassen einesGanzen als solchen und der künstlerischen Komposition der Schrift herbeigeführt, vorallen Dingen aber dem Schüler die Vorbereitung ungemein erleichtert und fruchtbarergemacht, indem er nicht nöthig habe von einem Schriftsteller, wenn er kaum sich einwenig hineingelesen habe, zum andern abzuspringen; er gewöhne sich vielmehr, mitEinem Gegenstände anhaltender und deshalb eindringender sich zu beschäftigen." Freilichwird dann, damit der Schüler während der vierteljährigen Lesung des Dichters nichtzu sehr der Prosa entfremdet werde, zum Gegenstand der „überwachten und mit schrift-lichen Arbeiten verbundenen Privatlectüre" ein Prosaiker gemacht. Daraus folgt, daß,wo eine so geleitete Privatlectüre nicht durchgeführt wird, es doch rathsam erscheinenmuß, in der Classenlectüre neben dem Dichter einen Prosaiker derselben Sprache her-gehen zu lassen. Die preußische Ministerial-Jnstructicn von: 24. October 1837 sagte:Während es Lei der Vorschrift, in Einem Semester und in Einer Klasse nur Einenlateinischen und griechischen Prosaiker und Dichter zu erklären, auch ferner verbleibe,könne die erste Hälfte des Semesters ausschließlich dem Prosaiker und die übrige Zeitnur dem Dichter zugewandt werden. Für diesen Vorschlag haben sich nachdrücklichE. L. Roth und Nägelsbach (s. ob. Pp, p. S. 806 und des letzteren Gymnasial-päd. S. 146), gegen denselben mit gleicher Entschiedenheit ein P. M. UnterzeichneterAufsatz in Jahns neuen Jahrbb. 1857, Bd. 76, S. 53 ff. und Büumlein erklärt(ob. Bd. III. S. 76 f.).^)
Bei der Entwerfung des Lectionsplans tritt oft auch die Frage auf, ob es zweck-mäßig sei, den Unterricht in derselben Sprache in einer Classe an mehrereLehrer zu vertheilen. Im allgemeinen gewiß nicht. Verschiedenheit in der Methode,auch in der grammatischen Theorie, Ungleichmäßigkeit in den Anforderungen an denhäuslichen Fleiß der Schüler können dann leicht schaden (s. Th. Schmid a. a. O.S. 252), und jedenfalls verliert man dabei die nützliche Möglichkeit, in jeder Stundeauf das denselben Schülern in jeder anderen Lehrstunde derselben Sprache kürzlichVorgekommene Bezug zu nehmen. Unter Umständen aber dient die Theilung zur I(n-regung der Schüler und ist aus Rücksicht auf die Beschaffenheit der vorhandenen Lehr-kräfte unvermeidlich.
*) Vgl. die Ansicht Herbarts in dem betr. Art. S. 429. D. Red.
**) Vgl. auch Märklin in dervon Schnitzer redigirten „Mittelschule" Jahrg. 1846. S. 212 ff.Roth, Kl.Schr. I. 14 u.405—422. Nägelsbach in denVerhandl. derPhilologenversaminlnngin Stuttgart S. 153, Bäumlein ebendas, und N. Jahrbb. 1858 Mai S. 269. D. Red.