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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lectionsplan.

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Maß kann hier nicht allgemein bestimmt werden, da es weniger von der Natur desGegenstandes, als von der Art der Behandlung abhängig ist. Ein langweiliger Lehrerhält nicht einmal Eine Stunde lang die Aufmerksamkeit der Classe bei dem interessan-testen Schrifsteller z. B. bei Horaz fest, während bei einem andern der Glockenschlag,der ihn am Schluß der Stunde abrnft, ihm und den Schülern viel zu früh ertönt. —

Für die mehr Anstrengung oder, wie die Neligionslehre, mehr Sammlung des Ge-müths fordernden Lcctioncn sind die ersten Tagesstunden am meisten geeignet. Es istauch gut, solche Lectionen mit leichteren wechseln zu lassen, damit die geforderte Span-nung, wie Arsis und Thesis, abwechselnd steigen und fallen könne (vgl. Waitz, Allg.Pädag. S. 354). Zwischen wissenschaftliche Lectionen Unterricht in technischen Fertig-keiten, im Schreiben, Zeichnen, Singen, auch wo möglich im Turnen einzufügen, istzweckmäßig, so bald bei diesem Unterricht die Disciplin gut gehandhabt wird. Andern-falls wirkt die dort herrschende Unordnung nachtheilig auf die Haltung der Classe inder folgenden Stunde. Aus derselben Rücksicht sind auch in der Erholungspause, dienach der zweiten Stunde des Vormittags und nach der ersten des Nachmittags mitviertelstündiger Dauer einzntreten pflegt, keine sehr zerstreuende Spiele zu gestatten.

Die Wahl der Tageszeit muß mit Rücksicht auf die Lebensgewohnheitcn desPublicums geschehen. Die Lehrstunden der lateinischen Schulen Württembergs be-gannen nach der Schulordnung von 1559 Sommer und Winter des Morgens um 6und, weil man damals um 11 Uhr zu Mittag aß, des Nachmittags um 12 (s. ob.

Bd. H. S. 640). Ebenso an vielen andern Orten. An dem 1560 eröfsneten Gym-nasium zu Stralsund mußten anfangs die älteren Schüler sich im Sommer schon um5 Uhr in ihren Classen einstellen (Zober, Gesch. des Strals. Gymn. I. S. 7). All-mählich hat man sich gewöhnt später anfznstehen und zu Mittag zu essen. Jetzt be-ginnt der Unterricht wohl an den meisten deutschen Gymnasien des Morgens imSommer um 7, im Winter um 8 (an nicht wenigen immer um 8), des Nachmittagsum 2. Der Anfang früh um 7 empfiehlt sich vor dem um 8 für den Sommer da-durch, daß er die Schüler zu früherem Anfstehen nöthigt, den Schulunterricht voreinem Theil der Mittagshitze bewahrt und zwischen dem Vor- und Nachmittagsunter-richt eine größere, in vieler Hinsicht willkommene Pause gicbt. Der Einwand, daßden Schülern dadurch die häusliche Arbeitszeit des Morgens zu sehr verkürzt werde,wird durch die gemachte Erfahrung entkräftet, daß die meisten Schüler sich des Morgensan einer zweistündigen Arbeits-, Ankleide- und Frühstückszeit vor dem Schulunterrichtgenügen lassen und deshalb, wenn dieser um 8 beginnt, gern mindestens bis 6 schlafen, /beginnt er aber um 7, früher anfstehen.*) — Zu Berlin und an einigen andernOrten des nördlichen Deutschlands ist es seit mehreren Jahren üblich, in den dunklerenWintermonaten, um die früh eintretende Dämmerung zu vermeiden, des Nachmittagsstatt wie sonst, 10 Minuten nach 2, pünktlich um 2 zu beginnen, die viertelstündigePanse um 3 wegfallen zu lassen und dann statt um 4 schon 3h's Uhr zu schließen.

Hinsichtlich der Verkeilung der Lectionen auf die Woche ist die Einrichtung zuerwähnen, nach welcher der Mittwoch und Sonnabend (oder auch der Dienstag undDonnerstag) am Nachmittag von ordentlichen Unterrichtsstunden frei bleiben, dafüraber nicht selten mit außerordentlichen Schulstunden, Privatstunden und einem größerenMaß häuslicher Arbeiten belegt werden. S. hierüber oben I. S. 288 u. II. S. 368.

— Sonst herrschte die Sitte, im Lectionsplan die Schulwoche in zwei einander ent-sprechende Hälften zu thcilen und jeden Lehrgegenstand in den beiden Hälften der Wochegleichmäßig wiederkehren zu lassen, so daß der Montag dieselben Lectionen hatte wieder Donnerstag, der Dienstag wie der Freitag, der Mittwoch wie der Sonnabend.Diese Ordnung, welche Lattmann (lieber d. Frage der Concentration. Göttingen,

In Württemberg, wo die Schüler der beiden jüngsten Gymnasialclassen durchschnittlichunter 10 Jahren sind, läßt man diese an vielen Orten — doch wohl zweckmäßig — auch imSommer erst um 8 , theilweise im Winter um S Uhr zur Schule kommen. D. Red.