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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Lateinische Schule.

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Formen her und hören dann Leim Uebersetzen der älteren aus der griechischen Chresto-mathie zu oder schreiben ein Stück ans einem Uebnngsbuch griechisch. Zum Schlüsseder Stunde werden noch ein paar deutsche Sätze zur Einübung syntaktischer Regelndictirt, Welche die erste Abtheilung griechisch niederschreibt und sogleich vorliest, damitdie Fehler berichtigt werden können. Um 11 Uhr sängt der Präceptor an, die Prolocozu corrigiren, die meisten Schüler haben frei, die Landexamenscandidaten (s. d. Art.Landexamen) arbeiten noch etwas für sich im Schulzimmer unter der Aufsicht desLehrers. Die Mittagsstunde versammelt einen Theil der Schüler, die, welche demPräceptor von auswärts übergeben sind, die „Kostgänger", an seinem Tische, welchendie Frau Präceptorin mit einfachen, aber, wenn sie, wie sie's doch zu sein pflegt, eineliebreiche Hausmutter ist, reichlichen Speisen besetzt. Nachher tummelt sich die fröhlicheSchaar bis zwei Uhr auf dem freien Platz vor der Schule oder sonst wo im Städtchen.Von 2—4 Uhr Nachmittagsschule; zuerst arbeitet der Lehrer mit der jüngeren Abthei-lung, etwa in Cornelius Nepos, während die älteren Knaben ein Stück aus Rothslateinischen Stilübungen schriftlich übersetzen oder auch eine Numer aus dem daraufberechneten Anhang in lateinische Verse verwandeln; nachher haben Leide zusammenUnterricht in der Geschichte; der Lehrer liest z. B. ein Stück aus Roths griechischervder aus Kohlrauschs deutscher Geschichte vor und läßt es dann von einzelnen nach-erzählen, hört Wohl auch ein Pensum aus Hirzels chronologischen Tabellen ab. BeideElasten versammeln sich wieder, um mit gemeinschaftlichem Gesang und Gebet dieSchule zu schließen. Die öffentlichen Lectionen sind zu Ende, das Vesperbrod wirdverzehrt; in der heißen Jahreszeit erst, nachdem die Lehrer ihre Zöglinge ins Bad imnahen Fluß geführt haben, der nachher sie selbst aufnimmt und erfrischt. Um 5 Uhrkommen Lehrer und Kostgänger, vielleicht auch Aufsichtszöglinge aus dem Städtchen,wieder ins Schulzimmer, jener um die Correcturen zu besorgen, die Pensa des folgendenTageS vorzubereiten, für sich zu studiren, diese um ihre Hausaufgaben zu fertigen, diein Memorirübungen, Präparationcn, Niederschreiben des Exponirten u. dgl. bestehen.An ein paar Abenden in der Woche werden Wohl auch noch ein vierzig Verse aus demMetamorphosen (ohne Vorbereitung) gelesen und übersetzt, am Samstag Abend diebemerkenswerthesten Sachen, die im Lauf der Woche vorgekommen, wiederholt undnötigenfalls noch einmal durchgesprochen. Von 7—8 Uhr läßt an vielen Orten derLehrer die Schüler turnen. Zwischen dem Abendbrod und dem Abendgebet und Schla-fengehen sitzen die Kostgänger auf den Bänken vor dem Hause, singen Turn- undVaterlandslieder, erzählen von ihrer Heimat, von der letzten Turnfahrt, oder sie theilensich in zwei Partieen und führen die Kämpfe zwischen Hannibal und Scipio, dieSchlachten Alexanders oder Cäsars auf. Daß die Zöglinge dabei geistig und körper-lich gedeihen, sieht man ihrem munteren Treiben an. Aber auch der Lehrer verküm-mert nicht; er erwirbt sich Gewandtheit im Unterrichten, Sicherheit im Stoff, insbeson-dere in der Grammatik, und benützt die Zeit zu seiner eigenen Fortbildung um soeifriger, je sparsamer sie ihm zugemessen ist; durch den nahen Verkehr mit seinen Zög-lingen gewinnt er an pädagogischer Einsicht und Erfahrung, sie werden ihm gleichsamein erweiterter Familienkreis, und die erzieherischen und didaktischen Erfolge, die er mitden einzelnen erreicht, wenn einer z. B. im Landexamen gut besteht, erregen das In-teresse des ganzen Hauses und werden von allen mit gemeinsamer Spannung erwartet,mit gemeinsamer Freude gefeiert. Er erzieht sich freilich, wie einmal die Menschensind, nicht lauter dankbare Schüler, aber in der dauernden Anhänglichkeit der besserenNaturen, dem Danke vieler Eltern, der ermunternden Anerkennung der Behörden liegtein Lohn, der ihm selten entgehen wird.' Und die Männer, die sich in diesem engenKreise bewähren, finden sich in ihrem Berufe oftmals so befriedigt, daß sie bis inshöhere Alter ihm treu bleiben, als Träger und Fortbildner der guten alten, traditionellenMethode, auf deren Beispiel das nachwachsende Geschlecht achtet, und die höher stre-benden unter ihnen können durch die Pforte der Professoratsprüfung an die höheren