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Lateinische Schule.
Dieser wird von selbst auf den richtigen didaktischen Grundsatz geführt, der sich infolgender Regel ausdrücken läßt: Lehre so wenig als möglich, aber sorge, daß deineSchüler soviel als möglich lernen.
Durchschnittlich wird also zu erwarten sein, daß die Schüler solcher kleinen lateinischenSchulen mehr daran gewöhnt sind, jedes Wort des Lehrers scharf aufzufassen, denUnterricht selbstthatig zu verarbeiten und das Gelernte mit eigenem Urtheil anzuwenden,als Knaben in Gymnasialclassen mit einjährigen Kursen. Das Beisammensein vondrei Jahrgängen bildet nur für den Anfang eine größere Schwierigkeit, nach einigerZeit pflegt sich die Möglichkeit zu ergeben, die besseren Schüler der mittleren Abthei-lung zu der ersten zu nehmen, die schwächeren zur dritten und so die Zahl der Abthei-lungen auf zwei zurückzuführen. Inr Rechnen kann ein gewandter Lehrer drei Alters-klassen von Schülern zugleich unterrichten; in Religion, Deutsch, Geschichte, Geographiesind die Lernstufen nicht so scharf unterschieden, daß es nicht zuläßig Wäre, alle Jahr-gänge zusammenzunehmen; wenn infolge davon eine Abtheilung die Geographie vonAmerika vor der von Europa bekommt n. s. f., so ist das und Aehnliches immerhinnicht ganz naturgemäß, aber doch kein großer Nachtheil. Aber der jüngere Knabe hatden älteren im beständigen Zusammenleben vor sich, sieht und hört täglich, wie weiter ihm voraus ist, lernt wohl gelegentlich manches von ihm und streckt sich überhauptzu ihm empor, wie umgekehrt die jüngeren als Zeugen und Nacheiferer die älterenSchüler anspornen oder auch beschämen. Ist somit das, was die Schüler solcherkleinen lateinischen Schulen erreichen, denn doch befriedigend, so fragt es sich weiter:sind denn aber die Lehrer derselben, die Präceptoren, nicht gleichwohl übel daran?Arbeit haben sie allerdings nicht wenig, vom Morgen bis zum Abend. Führen wiruns einmal den Arbeitstag eines württembergischen Präceptors und seiner Schülervor. Morgens um 7 Uhr versammeln sich die Leiden Elasten im größeren Lchrzimmerund singen zuerst ein paar Verse ans einem geistlichen Lied. Wenn eine Schulorgel oderein Harmonium vorhanden ist, so wird von einem der Lehrer oder der Schülerdazu gespielt. Dann liest ein Lehrer ein ausgewühltes Stück aus der Bibel, lang-sam, so daß es sich selbst erklärt, oder wo es nöthig ist, mit kurzen Erläuterungen.Ein Schüler spricht sofort das Gebet und diejenige Elaste, welche ihr Zimmer nichthier hat, geht nun in das ihrige, welches vielleicht durch eine offene Thüre mit demersten verbunden ist. Die Elaste des Präceptors sei in zwei Abtheilungen getheilt.Der Lehrer dictirt, wenn es der Prolocotag ist, ein deutsches Thema, welches die älterenSchüler alsbald lateinisch schreiben (excipiren), die jüngeren nachher in der Elaste(ohne Wörterbuch und Grammatik) ins Lateinische übersetzen. Die erste Abtheilung giebtihre Prolocoarbeiten ab und nimmt den Cäsar oder eine Chrestomathie aus Livius oderCicero vor; zuerst wird das Pensum der vorigen Stunde wiederholt, dann weiterübersetzt. Um 9 Uhr giebt die zweite Abtheilung ihre einstweilen gefertigten Arbeitenab; dann viertelstündige Pause, in welcher die Schüler sich auf dem Hofe hermn-treiben und ihr Brod essen, der Lehrer ebenfalls etwas genießt. Nachher deutscherUnterricht: der Lehrer liest ein Stück ans dem Lesebuch vor und läßt es dann auch voneinzelnen Schülern lesen, erläutert den Inhalt, vielleicht auch, wenn es Verse sind, diepoetische Form, das Metrum, und lernt zum Schlüsse in Gemeinschaft, ja im Wett-eifer mit den Schülern Vers um Vers auswendig; prosaische Stücke läßt er, nachdemdie Bücher der Schüler geschlossen worden sind, mündlich möglichst wortgetreu odernur dem Hauptinhalt nach wiedergeben; alle 4—6 Wochen einmal wird statt dessenein corrigirter Aufsatz den Schülern zurückgegeben, wobei der Lehrer die Lcmerkens-wertheren Arbeiten vorliest, Lob und Tadel vertheilt, Fehlerhaftes zur Besprechungbringt; zuletzt giebt er etwa eine neue Aufgabe mit mehr oder weniger Andeutungenüber die Behandlung derselben. In der vierten Vormittagsstunde kommt das Griechischean die Reihe; die Nichtgriechen haben indessen lateinische oder französische Aufgabenzu lernen oder zu schreiben. Die jüngeren Schüler sagen die aufgegebenen griechischen