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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lateinische Schule.

änderte Zcitrichtnng auf dem Gebiete des Unterrichts traf merkwürdigerweise zusammenmit einem viel gründlicheren, tieferen und vielseitigeren Studium des römischen undgriechischen Lebens, der alten Sprachen und der alten Geschichte. Aber durch unbe-queme Nachbarn sah sich das Latein in seinem Besitze beengt und die Lateinschulenmußten gleichgestellten Schulen ganz anderer Richtung eine Stätte neben sich gönnen.Man wußte dem Latein, dessen praktische Entbehrlichkeit nachgerade auch dem blödestenAuge klar wurde, eine andere Seite abzugewinnen. Unter dem Gesichtspnncte desformalen Gewinns für Weckung und allseitige Ausbildung der Geistes-kräfte setzte das Latein sich aufs neue fest. Von diesem Standtpnncte aus kam auchdas Griechische wieder mehr zu seinem Rechte, ja zu einer Art von Gleichberechtigungneben dem Latein und die lateinischen Schulen im Besitze des Zugangs zu den Quellendes antiken Lebens, zu den Quellen der christlichen Religion und Kirche, endlich zuden Quellen des römischen Rechts nahmen bald neben den neu erstandenen Realschuleneine bevorzugte Stellung ein, als Schulen für die Jugend der höheren Stände, selbstdann, wenn diese nicht gerade akademischen Studien sich zuwandte.

Allein wir halten dafür, daß auch dieser Standpunct, von welchen: aus dielateinischen Schulen wegen ihrer Bedeutung für die formale Bildung geschätzt werden,nicht in die Länge zu halten, ja daß er ein zum Theil schon überwundener ist. Wennman auch zugiebt, daß diejenige Ausbildung der geistigen Kräfte, welche durch dasMittel der Sprache gewonnen wird, bei weitem die vielseitigste und eingreifendste sei,so erhebt sich dagegen doch sofort die Einwendung, ob denn die modernen Sprachen,deren Erlernung überdies in unseren Tagen einen ebenso großen praktischen Gewinn ge-währt, als vor Zeiten die Erlernung des Latein, zu diesem Zwecke der formalen Geistes-bildung so ganz untauglich seien, daß sie unbedingt den elastischen Sprachen das Feldräumen müßen. Es wird doch niemand behaupten wollen, daß diese Sprachen für dieintellectuclle, ästhetische und sittliche Seite des Menschen nicht auch einen erheblichenGewinn abwerfen, daß sie nicht auch eine werthvolle Literatur hinter sich haben, daßsie nicht nach Form und Inhalt unserer politischen, religiösen, socialen Anschauung vielnäher liegen als die alten Sprachen. Man wird also von dieser Seite aus den altenSprachen nur einen graduellen Vorzug vor den modernen zugestehen, der aber wiedervollständig ausgewogen wird durch den praktischen Gewinn, welchen die Kenntnis dermodernen Sprachen für das Leben gewährt. Wenn nun vollends diese Schulen, welchedie modernen Sprachen an die Stelle der alten setzen, im Stande sind, neben jenenpraktisch nutzbaren Sprachkenntnissen noch eine reiche Ausstattung an Kenntnissen inMathematik, Naturwissenschaften und Geschichte ihren Schülern mitzngeben, eine Aus-stattung, bei der es dann auch wieder nicht ohne eigenthümlichen formalen Gewinnabgeht, so ist von diesem Standpunctc aus kaum zu erwarten, daß das Latein, nochviel weniger das Latein ohne Griechisch, daß ferner die Lateinschulen das Feld gegendie Realien und Realschulen werden behaupten können. Wir glauben, es ist verloreneMühe, für die Erhaltung der alten Sprachen in den Schulen und für die Erhaltungder Schulen zu diesem Zwecke den formalen Nutzen in den Vordergrund zu stellen,welcher ans denselben der geistigen Bildung erwächst.

Wir legen vielmehr das Hauptgewicht auf den Inhalt, auf das, was uns indem Gewand der griechischen und und lateinischen Sprache von dem Lebensgehaltder alten elastischen Völker überliefert ist. Wir meinen das nicht im Sinne jener über-spannten Idealität, welche von manchen Philologen älterer und neuerer Zeit gepriesenwird und von Ast (Geist des Alterthums p. 24) in den prägnanten Ausdruck gefaßtworden ist: Bilde dich griechisch. Gegen eine solche Auffassung muß vom christlichen,ebenso wie von: nationalen Standpunct aus, Verwahrung eingelegt werden. Das Alter-thum hat weder Individuen, noch Staaten, noch Systeme von absoluter Idealität, abercs liegt in den: Alterthnm eine in sich abgeschlossene und auf sich selbst ruhende Cul-turwelt vor uns, welche einerseits gänzlich verschieden ist von der Cultnr der modernen