Lateinische Schule.
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Dieser Primat des Latein stellt sich besonders im Verhältnis zum Deutschen undGriechischen heraus. In einer württembergischen Instruction sür die Visitativnsräthev. I. 1546 wird angeordnet, daß die deutschen Schulen in „tlainen Stettin" abge-schafft werden sollen, weil dadurch die lateinischen Schulen verderbt und viele Knaben„versombt" (versäumt) werden und ein seder lateinische Schüler im Latein das Dcutsch-schreiben und Lesen ergreife (Hirzel a. a. O. S. 21). In dem von Melanchthon ver-faßten „Vnterricht der Visitatoren ym Kurfürstenthum zu Sachsen" v. I. 1528 werdendie Schulmeister ernstlich ermahnt, die Kinder allein Lateinisch zu lehren, nicht Deutschoder Griechisch oder Ebräisch, wie etliche gethan und die armen Kinder mit solcherMannigfaltigkeit beschweren, die unfruchtbar und schädlich sei (Schmidt a. a. O. S. 101).In den späteren Ordnungen erscheinen nun zwar „teutsche Schulen", auch kommt dasGriechische in der 4. Classe der Particularschulen in der Württemberg. Ordnung von1559 und in der kursächsischen von 1580 mit 6 Wochenstunden vor, wie denn schonBugenhagen in der braunschweigischen Kirchenordnung v. I. 1528 dem Griechischenein Räumlein gegönnt hatte „griechisch lesen, das xatsr nostsr oder ein Kapitel ansdem neuen Testament griechisch, doch desselben nicht zu viel", aber im Laufe des17. Jahrhunderts, welches man überhaupt auf dem Gebiete des Unterrichts und derErziehung eine Zeit des Rückschritts wird nennen dürfen, bis in die Mitte des vorigenJahrhunderts hinein tritt das Griechische wieder bedeutend zurück. In den württem-bergischen Klosterschulen werden keine griechischen Klassiker, sondern nur das neueTestament und Chrysostomus gelesen und in den IsAos st statuta K^mnasii LtuttZarck.vom I. 1686 (Hirzel a. a. O. S. 145) wird ausdrücklich gesagt, es seien „nitalle Lectiones allen und jeden gleich nöthig und die Professores sollen niemand Widerseinen Willen dasjenige zu lernen zwingen, welches zu desselben vorhabenden sooxowenig oder nichts dienet." Dagegen.stand das Sprechen, Schreiben und Dichten inlateinischer Sprache in voller Blüte, das Memoriren und Erklären lateinischer Sätzeaus der Logik und Rhetorik,*) die schon das Mittelalter in Verbindung mit dem latei-nischen Sprachunterricht gesetzt hatte, war ein wesentliches Element des Unterrichts,während Arithmetik und Geometrie, Geschichte kaum berührt, neuere Sprachen, dieMuttersprache und Naturwissenschaft aber gar keinen Platz in der Schule gefundenhatten. Auch die Hebungen in Musik, welche durchaus einen kirchlichen Charakterhatten, sowie die religiösen Gesänge, Litaneien, Gebete fanden in lateinischer Sprachestatt. Der Katechismus wurde in lateinischer und deutscher Sprache, der Kalender inlateinischer Sprache gelernt. Die lateinische Sprache herrschte und mit ihr herrschtendie lateinischen Schulen, so lange das Latein allein den Anspruch aus Bildung ge-währte; diese Herrschaft gründete sich auf das praktische Bedürfnis, die lateinischeSprache mündlich und schriftlich handhaben zu können, ein Bedürfnis, das für jedenGebildeten vorlag; 1>iese Herrschaft dauerte noch geraume Zeit, als bereits andereMächte, moderne Sprachen und Literaturen, Naturwissenschaften, Geschichte und Mathe-matik an die Thüren der Schulen pochten, als pädagogische Theorien sich Geltung zuverschaffen begonnen hatten, deren Grundsätze mit dem bisherigen Lehren und Treibender lateinischen Schulen nicht mehr verträglich waren.
Eine andere Zeit für die lateinischen Schulen begann, als etwa mit dem Beginnedes letzten Jahrzehends des vorigen Jahrhunderts das Monopol der lateinischen Bil-dung gefallen, jenes praktische Bedürfnis sich der lateinischen Sprache zu bedienen auf-gehört, die Errungenschaften der modernen Bildung aber nach Inhalt und Form sichin den Schulen geltend zu machen angefangen hatten. Das Latein wurde zwar nichtsofort verlassen, die Lateinschulen wurden nicht geschlossen, im Gegentheil, diese ver-
*) Eine bemerkenswerthe Verordnung der Württemberg. Regierung v. 2- 1788 gegen daseinseitige und mechanische Memoriren logischer und rhetorischer Definitionen gerichtet findet sichin Hirzel a. a. O. S. 266 .