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Lateinische Schule.
gends Anstalten in dem Sinne unserer Lateinschulen entstehen, welche sich auf dieuntere oder mittlere Stufe des Unterrichts beschränkt und nur das Bedürfnis einzelnerGemeinden im Auge gehabt hätten. Der Einfluß der Humanisten erstreckte sich mehr„auf die Höhe des Lebens, die Höfe der Fürsten", den Adel, das Patriciat in denStädten und auf analoge Schichten der Gesellschaft. Es unterscheiden sich aber die letzt-genannten Elasten von Schulen, die Stadtschulen, die Schulen der Hieronymianer und derHumanisten von den bischöflichen, Kloster-, Stifts- und Domschulen wesentlich dadurch,daß sie keineswegs mehr bloß die Bildung der Geistlichkeit ins Auge faßten, sondernauch die Bildung der Laien fördern wollten, wie denn die Zeit auch so weitvorgeschritten war, daß die Geistlichen nicht mehr als die einzigen Träger der Bil-dung betrachtet werden konnten. Die Auffassung des Bildnngszweckes von Seiten derHumanisten aber war wesentlich, wenn auch mehr oder weniger unbewußt, die, daßin den alten Elassikern Bildnngselemente gegeben seien, die nicht auf dem Boden derKirche gewachsen, zum mindesten neben der Bildung, welche die Kirche gewähre, eineBerechtigung haben.
Die Organisation von Lateinschulen also in dem Sinne, wie wir den Begriff hieranfzufassen haben, als von Schulen, bestimmt für die Zwecke einer kleineren Gemeindeund beschränkt auf die unteren Stufen des Unterrichts, ist ein Product der Reformation.In diesem Sinne hat Luther sich nicht nur 1520 an den christlichen Adel deutscherNation, sondern auch im Jahr 1524 an die Bürgermeister und Rathsherren allerStädte deutschen Landes (fl Raumer, Gesch. d. Pädagogik I, 150 ff.), und Melanch-thon 1543 an „eine erbare Stadt zu Anrichtung einer lateinischen Schuel" gewendet.In diesem Sinne sind von beiden Reformatoren in Sachsen die Lehrplane von 1525,1528, 1580, 1538 festgestellt, ist in Württemberg 1559 die große Kirchenordnung mitihren umfangreichen Abschnitten über Particularschulen und die kursächsische von 1580erlassen worden (vgl. Schmidt, Gesch. der PädagogikIII. S. 101 ff.), Schulordnungen,welche die Grundlagen für das höhere Unterrichtswesen in Deutschland bis zum Schlüssedes vorigen Jahrhunderts geblieben sind.
Es fragt sich nun, welche Bedeutung so eingerichtete Schulen für den Unter-richt haben. Ist es der Mühe Werth, für die Bedürfnisse auch kleinerer GemeindenUnterrichtsanstalten zu unterhalten mit dem bestimmten Inhalt und der bestimmten Ab-grenzung, wie sie diese isolirten Lateinschulen haben? Es ist hier zuvörderst zu unter-scheiden zwischen den Verhältnissen der früheren und denen der neuesten Zeit. Bis indie letzten Jahrzehende des vorigen Jahrhunderts war die Ansicht von dem praktischenWerth der lateinischen Sprache und von dem praktischen Werth der lateinischenSchulen die vorherrschende und maßgebende. Das Latein sollte geschrieben und ge-sprochen werden. Es wurde immer noch als eine lebende, nicht als eine todte Sprachebetrachtet. „Das Lateinsprechen war im 16. Jahrhundert so allgemein, daß auch dieBürger und Handwerker der Städte es darin zu einer gewissen Fertigkeit brachten,"und man darf sich daher nicht als über etwas besonderes darüber wundern, daß inder Familie des berühmten Buchdruckers und Philologen Heinrich Stephanus in Parisnicht nur die Hausfrau, sondern auch die Dienstboten Latein redeten. Das Latcin-reden ist neben dem Lesen, Schreiben, Verstehen der autoros in allen diesen Schul-ordnungen nachdrücklich vorgeschriebe», und diese Vorschrift stets bis zum Ende desvorigen Jahrhunderts wiederholt worden, wie es denn in Sachsen und Preußen nochbetrieben wird. Ans diesen Zweck waren die Lehrbücher, die ackaZia, oollogum, älslogiund die Hebungen in und außer der Schule berechnet, insbesondere gehören hieher diemimischen Hebungen, die dramatischen Aufführungen der so vielfach in sittlicher Be-ziehung anstößigen Komödien des Plautus und Terentins, ferner lateinische Dramenvon Celtes, Neuchlin, Frischlin u. a., Aufführungen, welche von Luther, Melanchthonund in vielen Schulordnungen empfohlen sind (vgl. Hirzel a. a. O. S. X. Anm. 6.Schmidt, Geschichte der Pädag. 3. S. 123, und d. Art. Dramatische Aufführungen).