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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Langeweile.

Laster.

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besonders fördernd znr gesunden Abspannung, sofern die körperliche Anstrengung miteinem gemüthlichen Interesse sich verbindet und der Wechsel des Spiels auch die Seelein Athem erhält, ohne das geistige Nachdenken in Anspruch zu nehmen. Kant be-merkt sehr richtig, durch Nichtsthun erhole man sich mir langsam, baut aber hieraufein Lob des Spielcns um Geld, das er die beste Zerstreuung und Erholung nach einerlangen Anstrengung der Gedanken nennt, übrigenswenn es nicht gar zu eigennützigist." Wir möchten dem nicht im Wege sein, daß wer als Kaut den Tag über denkt,vor dem Abendessen mit Kaut sein Spiel mache. Sonst aber ist bei vielleicht denmeisten Spielern diese Art von Erholung nichts anderes als eine Fortsetzung der Selbst-flucht, der sic auch sonst sich befleißigen, und gehört unter diejenigen Nüttel, der Lange-weile zu entgehen, durch welche man die Zeit todtschlägt anstatt sie auszufüllcn. Manmuß, um Kant nicht zu misverstehen, sich vergegenwärtigen, daß er am gleichen Ortdie Arbeit die beste Art sein Leben zu genießen nennt. Das Romanlescn ist ebenfallsein bedenkliches Mittel und wird ebcnsogerne Zweck, wie das Spielen. Man hatübrigens ein deutliches Erkennungszeichen für das Passende eines Zeitvertreibs: jederZeitvertreib ist positiv schädlich, bei dessen Ende der Mensch noch langweiliger gewordenist als zuvor. Blasirtheit ist habituelle Langeweile, herrührend ans Abstumpfungdurch Uebcrreiz; in diesem Fall ist das Gemüth grau überzogen durch Mischung allerFarben im Regenbogen des Genusses. (Vgl. den Art. Blasirt.) Es giebt jedoch aucheine affectirte Blasirtheit bei jungen Leuten, eine Speeies von altklugem und süffissantemWesen. Ihren Reflex hat sie an Jünglingen, die ihr Angenglas in kerngesunde Augenzwängen.

Langweilig wird in Gesellschaft, wer über nichtige Dinge wichtig oder auch überwichtige endlos spricht, und insofern streift die pädagogische Bekämpfung der Langen-weile auch in das Gebiet der Anstandsrcgeln. Wesentlich aber geht sie ans tiefereSchäden los, denn die Zeit nicht ausfüllen heißt das Leben vergeuden, und nur der-jenige lebt lange, in dessen Empfindung die Lebenszeit kurz erscheint, weil.vor seinerPflicht eine Fülle von Arbeit steht, die er dem Geber des Lebens schuldet.*)

A. Haubcr.

Laster. (Vgl. den Art.Das Böse.") Unsere Sprache ist merkwürdig reichausgestattet mit genauen Bezeichnungen für die Arten und Stufen des habituellen sitt-lich Bösen, für die Unterschiede, die zwischen den dasselbe repräsentirenden Qualitätenintensiv oder extensiv, nach dem Grade der Schuld und der sittlichen Entwertung ver-menschlichen Persönlichkeit stattfinden. Wir reden von Mängeln, von Fehlern, vonschwachen Seiten, von Untugenden, von Lastern, von Lasterhaftigkeit, über welchehinaus nur noch die den ganzen Menschen mit dem Princip des Bösen identificirendeVerstockung, die Verteufelung desselben möglich ist. In dieser Scala von Ueblem, wasder Mensch nicht blos thut, sondern was er an sich hat, was nicht als vereinzelteAnwandlung nur vorkommt, sondern in häufiger, nur durch gegebenen Anlaß bedingterWiederkehr sich als ein Iratzitns, als eine Bestimmtheit seines sittlichen Wesens kundthut, ist dem Laster seine bestimmte Stelle anznweisen und dieser gemäß das päda-gogische Verfahren der Gegenwirkung und Heilung soweit dies nicht einzelnen Ar-tikeln zu speciellcr Beleuchtung anheimfällt darzulegen. Der Sprachgebrauch istfreilich nicht immer genau und constant; gerade der Neichthum der Sprache an Namenfür verwandte, aber zu unterscheidende Dinge verleitet häufig zum Misbrauch, zu be-quemer Willkür in der Anordnung derselben; um so nöthiger ist es aber für den Er-zieher wie für den Moralisten, auf schärfere Sonderung und Ordnung bedacht zu sein,da in sittlichen Dingen an dein Namen so oft auch schon das Urthcil hängt, also einefalsche, ungenaue Benennung auch ein unrichtiges, oberflächliches Urthcil zur Folge hat.

*) Ausführlich spricht über die vorbauenden Maßregeln zur Verhütung der Langeweile alsder Quelle von allerlei Unfug Ziller: Die Negierung der Kinder 1357, S. 25 ff.

D. Red.