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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Langeweile.

Landwirthschaftliche Schulen, s. Fellenbcrg, Wehrlianstalten.

Langeweile kann man sowohl haben als machen. Letzteres geschieht von demErzieher, der z. B. seinen Zögling zn einem Spaziergang mitnimmt, ans welchem der-selbe nichts sieht nnd hört oder etwa nur eine Repetition ans der Schule hört undbloß sich müde gehen soll; oder es geschieht durch den Lehrer, welcher seinen Unterrichtschläfrig oder wässerig oder breit oder in einer die Fassungskraft übersteigenden Höhegiebt. Ihnen beiden antwortet das Gähnen, als durch welche unwillkürliche Bewegungder Athmnngswcrkzenge der geplagte junge Mensch einen reicheren Vvrrath von Sauer-stoff sich znführt zur Entschädigung für den Mangel an geistigem Belebungsstoff.

Langeweile lpat, um bei dem Wort zu bleiben, Wem die Zeit länger verweilt, alser wünscht. Da aber die Zeit selbst ihren immergleichen Pendclschwnng hat, so mußdieser Schein des langsamem Gangs der Zeit aus dem Gemüth des mit der Langcn-Weile Geplagten selbst erklärt werden nnd in dieser Beziehung sei ans die bekannte Er-fahrung verwiesen, wonach ein eintöniger Weg beim erstmaligen Betreten länger er-scheint, als er wirklich ist, desto kürzer aber, je öfter man ihn wandelt. Die Ursacheist, daß man entweder denselben bei jedem spätem Gang mit Erinnerungen an früherBegegnetes durchläuft, oder daß man gegen ihn selbst gleichsam abgestumpft wird unddaher seine eigenen Gedanken desto eher zu Begleitern hat. Langeweile ist also einegeistig Nnausgefüklte Zeit. Daher sind die trägen Menschen langweilige Menschen, nndwelcher Schüler während des Unterrichts oft ans seine Uhr sieht, der zeigt damit an,daß ihm die Zeit des Lernens zu lang wird ans Mangel an zeitfüllendem Denken.Dem Fleißigen vergeht die Zeit schnell. Dem Glücklichen als dessen Zeit mit lauterAngenehmerregendem ausgefüllt wird schlägt keine Stunde. Jedoch erscheint eineZeit auch dann lang, wenn sie mit Monotonem gefüllt ist. Eine schlaflose Nacht, inSchmerzen hingebracht oder mit einer großen Sorge durchwacht, erscheintewig lang";eine Schreckensnacht bei Fenersbrünsten, da Furcht nnd Hoffnung nnd Arbeit wech-seln kurz, hingegen die Stunde, da man auf ein ansgebliebenes Familienglied mitAngst oder ans den Arzt mit Sehnsucht wartet, weil hier nur Ein Gedanke die Seeleeinnimmt, will kein Ende nehmen. Daher ein Wechsel in der Bewegung des Inwendigensein muß, wenn nicht der Schein der Zeitlängc eintreten soll. Jüngere Schüler, beim Be-ginn einer Unterrichtsstunde zerstreut, sind gegen das Ende langweilig; dort zu rascherWechsel der Gedanken, bis sie sich znm Gegenstand gesammelt haben, hier Abspannungdurch die Gleichmäßigkeit der Gedanken. Das nämliche Thema, zwei Stunden hintereinandersortgesponnen, wird selbst bei älteren nnd eifrigen Hörern zuletzt Gähnen erzeugen. Beiwarmer Witterung tritt dieses früher ein nnd muß daher im Sommercnrs auf raschenWechsel der Pensen Bedacht genommen werden. Ein munteres Lied, dazwischen hineingesungen, kann schnell die Lebensgeister wieder wecken, dagegen bloßes Zanken denschlafartigen Zustand nur vorübergehend unterbricht. Ein Kind, das in der Schulennd beim Spiel gleichviel Langeweile zeigt, ist entweder von Natur stumpf oder schuld-haft träge, wiewohl auch in seltenen Ausnahmen unter der Decke der Theilnahmlosig-keit gegen Aenßeres ein nur noch unklares inneres Regen vorhanden sein kann (s. denArt. Dummheit). Zuweilen tritt einlakeligeS" Wesen auch aus Abspannung ein undfindet man sonst fleißige Schüler z. B. an Ferientagen dann ganz sich gehen lassend.Die strenge Kopfarbeit verlangt bei manchen Naturen solche Pansen. Doch wirkt auchWechsel der Thätigkeit wie eine Pause, namentlich wenn ans abstracteS Lernen Beschäf-tigung mit der Natur folgt. Es mag das gänzliche Ruhen dem körperlichen Gedeihenbehülflich sein, aber die unausgefüllte Zeit kann auch schnell durch den llorror vuvuizu Erfüllung mit Gegenständen treiben, die verderblich sind sei es in der Phantasieallein oder dazu noch im Sinnlichen. Ruhendes Wasser wird dann znm Sumpf, unddieser zum Erzcugungsort giftiger Dünste. Darum ist räthlich, der Jugend Abspannendesnnd dennoch Ausfüllendes zu gestatten oder nahezulegen Musik, Zeichnen, Beschäfti-gung im Garten, körperliche Uebungen. Letztere in Form von anmuthigcn Spielen dienen