Druckschrift 
4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
151
Einzelbild herunterladen
 

Landschule.

151

nur auf der Kategorie des Ortes, wo die Schule sich befindet, so fern man die Schulenin Weilern, Dörfern, Marktflecken und zum Theil in kleinen Städten Landschulen heißtgegenüber den Volksschulen in größeren Städten, welche Stadtschulen oder städtischeVolksschulen genannt werden. In der Volksschule ans dem Lande wie in der Stadtgehören die Schüler der handarbcitenden Classe an, und der Beruf, für den sie bestimmtsind, ist die Handarbeit. Darum ist auch die Aufgabe der Volksschule in Stadt undLand im allgemeinen gleich. Zwar ist es häufig der Fall, daß die Schüler in städti-schen Schulen in der Mehrzahl Handwerker, die in Landschulen Landwirthe werden;aber es darf nicht übersehen werden, daß auch die Bewohner mancher Städte in großerAnzahl Taglöhner, Weingärtncr, Ackerbauern, Fuhrleute u. dgl. sind und dagegenzuweilen auch in Dörfern das Handwerk, die Manufactur und Fabrikarbeit oder derHandel vorherrscht. Es ist darum in unserer Zeit schwer, und wird nach und nachimmer weniger möglich werden, im allgemeinen die Aufgabe der Landschule in Betreffdes künftigen Lebensberufs der Schüler von derjenigen der Stadtschule zu unterscheiden;man wird vielmehr bei der Feststellung dieser Aufgabe immer die besonderen örtlichenVerhältnisse im Auge behalten müßen. Wenn übrigens Ehr. H. Zeller in seinenLehren der Erfahrung" von den Landschulen sagt, man könne sie meistens mit Rechtauch Armenschulen heißen, da gewöhnlich der größere Theil der sie besuchenden SchülerKinder der Armut seien, so können wir ihm hierin nicht beipflichten, nicht nur, weilauch nicht selten der Wohlstand ans dem Lande und die Armnt in der Stadt sichfindet, sondern auch weil die Armenschulcn (s. d. Art.) eine ganz besondere Art vonVolksschulen sind und einer eigenthümlichen Einrichtung und Pflege bedürfen.

Die Landschulen sind ihrer Entstehung nach etwas später als die städtischen Volks-schulen; diese haben sich großentheils von den lateinischen Schulen abgezweigt, jeneaber sind erst einige Zeit nach der Reformation nach dem Vorgänge der städtischenVolksschulen errichtet worden. Im Anfang hatten sie ein wahrhaft kümmerliches Da-sein, da in Ermanglung besserer Lehrer nicht bloß Küster, sondern auch Handwerker undTagelöhner, welche etwas lesen, schreiben und singen konnten, den Unterricht in ihnen

vielseitigsten Beziehungen der abzuschätzenden Räumlichkeiten, der Gliedernngs- und Gangbarkeitsverhältnisse, ein Blick auf die Fülle oder die Armut des Flußnetzes, auf die Richtungen,Entwicklungs- und Mündungsformen der Flüsse, auf die Zahl, Ausdehnungs- und Lagenver-hältnisse von Seen und Morästen gewährt eine unendliche Reihe von Schlüssen auf die eigent-liche Laudesnatur und ihren gebieterischen Einfluß auf den Menschen, und ein Blick auf dieWohnplätze und Canäle stellt den Menschen selbst auf den Naturschauplatz und giebt Rechenschaftvon seiner naturgesetzlichen Unterwürfigkeit auf der einen, von seiner geistigen Herrschaft aufder andern Seite. Von gleichem Werthe ist die Anschauung des Bildes der Bodenplastik, dieVertheilung von Hoch und Tief, der Charakter der Erhebungen, ihre Formen und Höhenalles trägt zur Vermittlung bei, die Natur in ihrem Leben und ihrer Beziehung zum Menschenzu betrachten." Zur Repetition sind wiederum die Wandkarten unentbehrlich, besonders empfeh-lenswerth aber die Fluß- nnd Gradnetze.Das Ausfüllen solcher Netze mit demjenigen, wasbei ihnen zur Vervollständigung des Lanbesbildes noch fehlt, führt den Schüler von neuemdarauf hin, seiner Phantasie die gegenseitigen Lagenverhältnisse vorzufiihren, und wiederum istes die hierbei anznsprcchende Selbstthätigkeit, welche ein günstiges Resultat fördern hilft. Wennder Lehrer sie zur Anfertigung kartographischer Extemporalia anwendet, so findet er in ihnendas sicherste Mittel, in möglichst kurzer Zeit gleichzeitig eine große Schülerzahl auf das sorgfäl-tigste zu prüfen und das ist eine derjenigen Lehrerpflichten, die man nicht gewissenhaft genugausüben kann, weil man sich dadurch vor jeder Selbsttäuschung über den Wissensstand desSchülers bewahrt und die eigene Unterrichtswcise am besten beurtheilen lernt." Nur wenn derSchüler die Karte im Kopfe hat, so daß das Kartenbild nicht bloß vor seinem mechanischenAuge steht, sondern er es auch, je nach seiner Auffassungsfähigkeit, geistig durchdrungen hat,nur dannkann inan ihn mir gutem Gewissen die Schulstube verlassen sehen." Auch hier alsoderselbe große didaktische Grundsatz, der auch ans andern Gebieten von entscheidender Wichtigkeitist. der Grundsatz der Selbstthätigkeit. D. Red