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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Landschule.

Landschule. Wahrend in Schriften über das Schulwesen ans früherer Zeitder Landschule hin und wieder ein besonderer Abschnitt gewidmet ist, ist dies in neuererZeit seltener der Fall, indem zwischen der ländlichen und städtischen Volksschule kaumnoch ein Unterschied gemacht wird. Der Unterschied beruht auch in der Hauptsache

Zeit entsprechen, sind daher noch wichtiger, als gute geographische Lehrbücher, und die Haupt-aufgabe des Lehrers ist nur die, den Schüler anzuleiten, daß er die Karte selbständigverstehen, die geographischen Lehren aus derselben ablesen, und aus dem, was sic gicbt, dienothwendigen Folgerungen ziehen und aussprechen lernt. Ist dieses erreicht, so hat der Schülerdamit eine formale Bildung, welche mehr Werth ist, als gedächtnismäßig anfgefaßte positiveKenntnisse, weil sie ihm den Schlüssel zur selbstthätigen Erwerbung der letzteren in die Handgiebt. Wichtig ist auch noch die Forderung der Schule, daß sämmtliche Schüler einer Classedie gleichen Karten (von mäßiger Größe) besitzen, weil die Ungleichheit hierin für den Unterrichtweit störender ist, als wenn bei der Erklärung eines Schriftstellers nicht alle Schüler die gleicheAusgabe haben. Bei der großen Bedeutung des Gegenstandes wird es gerechtfertigt sein, wennwir aus dem oben (S. 142) angeführten und als Manuscript gedruckten Vortrag von Shdowsbei der Gothaer Neallehrerversammlung von 1847 im Folgenden einen gedrängten Auszug geben.Seit einer Reihe von Jahren, sagt dort v. S., habe er alljährlich über 300 junge Leute znprüfen und dabei volle Gelegenheit, die Resultate der verschiedensten Unterrichtsweiscn kennen zulernen; aber so sehr er geneigt sei, sich in den Forderungen auf ein nothwendigcs Minimumherabslimmen zu lassen, so werde doch auch diesem Minimum selten entsprochen, und zwar weildie Geographie meistcntbeils noch ans dem Buch gelernt werde, mit Hintansetzung der Karte.Die Zeichensprache des Kartenbildes bleibe manchem Schüler, nachdem er viele Jahre lang einenAtlas in der Hand, eine Wandkarte vor Augen gehabt, eine nncntziffcrte Hieroglyphenschrift.Dem müße schon bei der Heim ats künde, welche jedenfalls die erste geographische Lchrstnfebilde, gesteuert werden.Schauet die Heimat mit den Kindern an, lehrt das Kind sich in derHeimat orientiren, versinnlicht das Anfgefaßte, das Gesehene und Begriffene durch Modell undKartenbild, und das Verständnis der Karte ist mit Leichtigkeit schon im zarten Kindesalter zubewerkstelligen." Was dann weiter den Gebrauch der Wandkarte betrifft, so muß der Lehrersich von den Schülern die Karte vorlesen und erklären lassen (denn das Uebersetzen der Zeichenin Worte gieng ja voraus), er muß methodisch fragen, damit richtig abgclesen und definirt werde,er muß etwaige Misverständnisse zn gründlichen Berichtigungen falscher Auffassungen benutzen, undmuß die Belehrungen einstrenen, welche das Bild nicht unmittelbar ansdrücken kann aber natürlichstets in enger Verknüpfung mit demselben. Der Schüler soll von einer Wandkarte nicht Namenablesen sie soll keine Namen haben, wenigstens keine für ihn lesbaren, vielmehr Begriffeentwickeln, die Eigenthümlichkeiten erkennen und den Kreis seiner Anschauungen durch allmählicheEntfaltung der geistigen Kräfte erweitern lernen. Namen und Zahlen sind auf ein Minimumzn beschränken und auch zn ihrer Aneignung muß der Schüler selbstthätig sein durch den richtigenGebrauch der Handkarte und nicht durch das Lesen im Buch. Bei der Selbsterzengnng der Hand-karten werden oft große Fehler gemacht und die armen Schüler zu Copirmaschinen hcrabge-würdigt (vrgl. d. Art. Geographie S. 714). Die zeichnende Methode verdient nur dann denNamen einer Methode,wenn unter Angen und Anleitung des Lehrers der Schüler ein Landes-bild allmählich zusammensetzt, wenn jeder Strich, den er zeichnet, ein verbildlichter Gedanke ist,wenn das Bild, das er entwirft, das Resultat seiner Anschauung ist." (Vrgl. die Bemerkungenüber den Gebrauch der Gradnetze in v. Sydows Gradnetze-Atlas, 2/5 Thlr.; ebenso die Anwei-sung in dessen hydvgraphischem Atlas). Auch die Nomenklatur der fertigen Hand karte soll derLehrer nicht dcmonstrirend aufnöthigen, der Schüler mag sie sich selbst von der Karte entnehmenund dergestalt gezwungen sein, sie enge mit den Begriffen zn verschmelzen, welche durch dieZeichnung sich ihm aufdrängen. Im Buch brauchen die äußersten Parallelen und Meridianeeines Landes, die Namen der Vorgebirge, Flüsse, Gebirge u. s. w. gar nicht angeführt, nochweniger braucht die geometrische Gestaltung des Landes, der Verlauf der Grenzen und dergleichenbesprochen zn sein.Das alles liest man ja unmittelbar auf der Karte und gewiß in einerbesseren geographischen Ordnung, als wie sie je durch den Typensatz eines Buches ausgedrücktwerden kann.

An die Zahl einer Gradlinie knüpfen sich die verschiedensten Phasen der Erlenchtungs- undErwärmungsverhältnisse, an die Betrachtung der geometrischen Gestaltung und Gradabstände die