Landkarten.
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kleinem Maße starke Ueberhöhung eintreten muß. Die Gefahr für den Schulgebranchliegt in der falschen Auffassung, insofern der Anfänger das plastische Bild für ein Na-tnrbild nimmt und sich infolge davon über Steilheit, Höhe n. s. w. falsche Begriffe bildet,die lange hasten bleiben. Faßt man die Reliefs von dem Standpnncte auf, daß sieNaturformen darstellen und die Charakterverschiedenheit der Gebirge jenach dem Material des Aufbaues im Bilde erkennbar zeigen sollen, so gelangt mauzu dem Schluffe, daß Reliefkarten kleinen Maßes dazu ganz untauglich sind, undhöchstens das relative Verhältnis der Höhe andeuten können, daß aber ausge-wählte Gebirgsstücke im großen Maße (z. B. Hs»»»») diesen Zweck ganz guterfüllen und auch als Erklärung der Bergzeichnung dienen können, wenn einebegleitende Nachkarte mit derselben versehen ist. Nach diesen Grundsätzen würdenBauerkellers Reliefkarten (Darmstadt seit 1845?) für die Schule verworfenwerden müßen, abgesehen von ihrer Kostspieligkeit, mit alleiniger Ausnahme jener, woein kleineres Land, z. B. die Schweiz, eine Annäherung an die Natur und geringeUeberhöhung erlaubt. Besser aber ist jedenfalls das volle Naturbild, daS nur im großenMaße möglichst erreichbar wird. Eine Ausnahme dürfte für H. W. AltmüllersSinai und Golgatha (Cassel 1860, einem Relief der (maischen Halbinsel und vonPalästina) gestattet sein, obschon eine gut gezeichnete Wandkarte (z. B. die Kiep ertsche)ziemlich dieselbe Wirkung machen wird. Eine Separatausgabe enthält bloß das hei-lige Land und den Libanon. Zn den instructiven Reliefs gehören Dickerts pla-stische Darstellungen des Vesuv, des Aetna, der Insel Teneriffa mit dem Pie deTeyde, drei Beispiele vulkanischer Formen, welchen man nur mehr Präcision wünschenmöchte, lieber das österreichische Salzkammergnt hat Pauliny in Wien ein Reliefgeliefert, dem jedoch die Autopsie fehlte, die Lei Verfertigung des Originals unerläßlichist, weil auch die besten Karten nicht hinreichen, ein richtiges Natnrbild daraus ab-zunehmen. Das österreichische Unterrichtsministerium ließ für die Schulen 4 Reliefsin '/-so»» anfertigcn, welche die Umgebung des Orteles, der Lomnitzerspitzc, der Schnee-koppe, nnd von Adelsberg (Karst) umfassen, und zu sehr billigem Preise (Leipzig beiFleischer) nebst Begleitkarten und Erklärung zu haben sind. Es giebt einzelne mehroder weniger gute Reliefs, z. B. des Montblanc von Scllier, des Monte-Nosaund der Zugspitze von A. Schlagintweit, aber keine so umfangreichen als jene vonFrz. Keil in Salzburg, welche, wenn alle 21 Scetionen vollendet find, ein Gebietder Alpen von der Gail bis zur Salzburger Ebene umschließen werden. Vollendet sinddie Sectionen Kreuzkofel (Dolomit-Gruppe), Schober, Groß-Glockner, dannBerchtesgaden (2. S.) im Verhältnis von der Natur; Höhen- und Längen-
Maßstab sind gleich, ein hoher Grad von Naturtrene, ein ansprechendes Colorit, einegewissenhafte Genauigkeit zeichnen sie aus. Schade wenn ihr Preis verhindern sollte,daß sich die Schulen daran zahlreich beteiligen; denn da jede Section, 8 OM. groß,aus freier Hand colorirt werden muß, tonnen sie nicht absolut wohlfeil sein, relativsind sie es. Wie willkommen müßten sie jenen Schulen sein, die, in großen Flachländerngelegen, in weitester Umgebung auf kein Beispiel einer namhaften Erhebung Hinweisenkönnen, um den Schülern einen Begriff vom Gebirgslande beizubringen! Wie deutlichmüßen die Begriffe von einem Hochgebirgsstock, von den Gipfelgestalten, den Thal-formen, kurz der Undulation des Bodens werden, wenn ein solches plastisches Nachbildvorliegt, das mit einem Blicke mehr lehrt, als ein Bogen Text es vermöchte!
Hiemir möge der Kreis der kartographischen Lehrmittel geschlossen und die lleber-zeugung gewonnen sein, wie sehr derselbe zum Nutzen der Jugend seit einem halbenJahrhundert erweitert worden, wie vielseitig das Erlernen erleichtert und unterstütztund dadurch ein Lehrer in den Stand gesetzt ist, bei zweckgemäßer Methode und solchenMitteln die erfreulichsten Resultate bei seinen Schülern zu erzielen. *) A. Steinhäuser.
*) Nach der Ansicht der Red. ist beim Unterricht in der Geographie dis rechte Benützung derKarte das A und das O; denn wenn der Schüler einmal ihre Sprache versteht, so ist sie an-schaulicher und verständlicher, als die Lautsprache. Gute Karten, wie sie den Fortschritten unserer